Schadenfreiheitsklassen und Schadenfreiheitsrabatt

Die Schadenfreiheitsklassen gehören zu den wichtigsten Merkmalen, die bei der individuellen Beitragsberechnung für eine Autoversicherung herangezogen werden.

Bedeutung der Schadenfreiheitsklassen

Während sich sämtliche Autoversicherungen bei der Zusammenstellung ihrer Tarife vorrangig an Schadensstatistiken orientieren, bringt die Schadenfreiheitsklasse eine individuelle Note in die Beitragsberechnung.

Ihr Prinzip ist einfach zu verstehen und wird von den meisten Autofahrern als gerecht empfunden: Personen, die über viele Jahre hinweg keinen Schaden bei ihrer Kfz-Versicherung melden mussten, sollten weniger für den Versicherungsschutz zahlen müssen als häufige Schadensverursacher. Mit dem Schadenfreiheitsrabatt wird dies umgesetzt, mit jedem Jahr der Schadensfreiheit dürfen Versicherte deshalb mit einem Rückgang ihres Versicherungsbeitrags rechnen.

Das System der Schadenfreiheitsklassen wird von allen Versicherungen angewendet und besitzt eine Unterteilung von 0 bis 36. Fahranfänger steigen in der SF-Klasse 0 oder 1/2 ein, mit jedem Versicherungsjahr ohne eine Schadensmeldung findet eine Hochstufung in die nächsthöhere Schadenfreiheitsklasse statt.

Jeder dieser Klassen ist ein Prozentsatz zugeordnet, der auf den eigentlich zu zahlenden Jahresbeitrag angewendet wird. Je höher die individuelle SF-Klasse ausfällt, umso kleiner ist der prozentuale Bruchteil, der nur noch für den Versicherungsschutz zu zahlen ist.

Muss die Versicherung allerdings einen Schaden im Haftpflicht- oder Kaskobereich begleichen, findet eine Rückstufung um ein oder mehrere Klassen statt. Hierdurch steigt der zugeordnete und branchenweit nicht einheitliche Prozentsatz der Schadenfreiheitsklasse wieder an, was zu einem höheren Beitrag der Autoversicherung führt.

Rückstufung der SF-Klasse verhindern

Natürlich liegt es im Interesse jedes Versicherten, von einem stetigen Anstieg seiner Schadenfreiheitsklassen zu profitieren und weniger Geld für seinen Versicherungsschutz zu zahlen.

Ist ein Schaden eingetreten, ist deshalb im ersten Schritt zu überlegen, ob sich die Abwicklung über die Autoversicherung überhaupt lohnt.

Gerade bei Bagatellschäden lohnt es häufiger, die Kosten aus eigener Tasche zu übernehmen, anstatt eine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse fürchten zu müssen. Schließlich dauert es meist mehrere Jahre, bis die alte Klasse wieder erreicht wird, der zwischenzeitlich zu zahlende Mehrbetrag übersteigt in vielen Fällen den entstandenen Schadenswert.

Natürlich findet auch dann keine Herabstufung statt, wenn sich der Schaden finanziell innerhalb vereinbarter Selbstbeteiligungen bewegt.

Der Rabattretter bzw. Rabattschutz

Unabhängig von solchen Überlegungen bieten einzelne Versicherungen tarifliche Extras, mit denen die Begleichung eines Schadens keinen Einfluss auf die Schadenfreiheitsklasse der Haftpflicht- oder Kaskoversicherung nimmt. Die wichtigsten Varianten sind ein Rückkauf der Schadenfreiheitsklasse sowie der tarifliche Rabattschutz, umgangssprachlich auch Rabattretter genannt.

Bei einem Rückkauf zahlt der Versicherungsnehmer seiner Autoversicherung einen vertraglich festgelegten Betrag bzw. übernimmt die Schadenskosten anteilig aus seiner Tasche. Im Gegenzug verzichtet die Versicherung auf eine Herabstufung, ab dem kommenden Versicherungsjahr darf der Kunde mit einer besseren SF-Klasse und hierdurch mit Beitragseinsparungen rechnen.

Der Rabattretter funktioniert komplexer und wird mittlerweile nur noch von wenigen Autoversicherungen angeboten. Die Regelung kann als „Freischuss“ verstanden werden, die Kfz-Versicherung schaut unter gewissen Umständen bei einem eingetretenen Schaden über diesen hinweg und übernimmt die Schadensregulierung gänzlich ohne Auswirkungen auf die Schadenfreiheitsklassen.

Zu den wichtigsten Auflagen, die ein Kunde für den Rabattretter zu erfüllen hat, gehört eine langjährige Schadensfreiheit und ein Mindestniveau der Schadenfreiheitsklassen, beispielsweise die Einstufung in die SF 20 oder besser.

Außerdem kann der Rabattretter nicht regelmäßig in Anspruch genommen werden, etabliert ist seine Nutzung einmal in einem Zeitraum zwischen zwei und fünf Jahren. Ein solcher Rabattschutz seitens der Versicherung ist selbstverständlich nicht kostenlos, stattdessen muss bei Inklusion in den Versicherungsvertrag mit einem leicht erhöhten Jahresbeitrag gerechnet werden.

Die SF-Klasse zu anderen Versicherungen mitnehmen

Natürlich soll eine erreichte SF-Klasse nicht den Wechsel zu einem besseren Autoversicherer verhindern, bei dem schlimmstenfalls wieder mit der niedrigsten Schadenfreiheitsklasse angefangen werden müsste. Die Mitnahme durch den Versicherungsnehmer ist beim Wechsel der Autoversicherung deshalb möglich, allerdings wird die Bestätigung durch den alten Versicherer benötigt.

Üblicherweise erstellt diese eine Endabrechnung, der die erreichten SF-Klassen zu entnehmen sind und die bei der neuen Versicherung für einen günstigeren Einstieg vorgelegt werden kann. Achtung: Sollte es noch Beitragsrückstände oder andere Komplikationen mit der alten Versicherung geben, kann diese die Herausgabe der Schadenfreiheitsklassen verzögern bzw. verweigern. In jedem Fall sollten vor dem Wechsel deshalb alle Beiträge ordnungsgemäß gezahlt worden sein.

SF-Klasse auf andere Personen oder Fahrzeuge übertragen

Grundsätzlich wird das Prinzip der Schadenfreiheitsklassen einem bestimmten Kfz-Vertrag und somit einem einzelnen Versicherungsnehmer zugeordnet. Meldet dieser noch ein weiteres Fahrzeug bei der gleichen Versicherung auf seinen Namen an, kommt es zu unterschiedlichen Regelungen je nach Versicherer.

Gewährt wird von den meisten Gesellschaften ein Zweitwagenrabatt, dessen Höhe mit den SF-Klassen des Erstvertrags korrelieren kann. Branchenüblich ist die Einstufung des Zweitwagens in eine pauschal vorgegebene SF-Klasse, wobei nicht jede Versicherung die gleiche Klasse zur Einstufung wählt. Besonders kundenfreundliche Versicherungen ermöglichen es, mit dem Zweitwagen exakt in der gleichen Schadenfreiheitsklasse einzusteigen, wie diese aktuell für das Erstfahrzeug vorliegt.

Auch die Übertragung auf andere Personen ist unter bestimmten Konditionen möglich. Gängig ist dies beispielsweise in Familien, in denen ein Elternteil seit Jahren nicht mehr fährt und die erreichte Schadenfreiheitsklasse an den eigenen Nachwuchs abtritt. Hierbei kommt es branchenüblich zu Altersbeschränkungen, außerdem muss der junge Verkehrsteilnehmer zumindest theoretisch die Möglichkeit besessen haben, die angerechnete Schadenfreiheitsklasse zu erreichen.

Auch die Übertragung auf den Ehe- oder Lebenspartner wird von vielen Versicherungen ermöglicht, bei Dritten ohne Verwandschaftsverhältnis bestehen Einschränkungen. Hier lohnt der Vergleich, für welchen Personenkreis ein bestimmter Versicherer die Übertragung des Schadenfreiheitsrabatts gewährt.

Unterbrechungen im Versicherungsschutz

Wird über einen längeren Zeitraum kein Fahrzeug gefahren und kein Kfz-Versicherungsschutz benötigt, können die erreichten Schadenfreiheitsklassen unter Umständen entfallen. Für Unterbrechungen von weniger als einem Jahr gibt es keinerlei Einschränkungen, formal hat über diesen Zeitraum für die Versicherung keine Unterbrechung stattgefunden.

In der Zeitspanne zwischen einem und sieben Jahren gibt es unterschiedliche Regelungen, weshalb dringend bei der Wahl der Autoversicherung beachtet werden sollte, wie lange die Assekuranz die erreichten Schadenfreiheitsklassen aufrechterhält.

Bei Unterbrechungen von mehr als sieben Jahren ist häufiger mit einem kompletten Entfallen der SF-Klassen zu rechnen, wobei manche Versicherungen neben dem Streichen eine langsame Rückstufung abhängig von der Anzahl der unterbrochenen Jahre vornimmt.

Aktuell keine Bewertungen

War der Artikel hilfreich?

Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

Wir möchten verbraucherorientiert informieren, Hilfestellungen für Entscheidungen geben und scheuen auch keine kritische Beleuchtung der Produkte.