Warum sollte ich keine Lebensversicherung mehr abschließen?

Auch wenn die klassische Lebensversicherung mit über 50 Millionen Verträgen unter den Vorsorgeprodukten noch immer eine der beliebtesten Sparanlagen der Deutschen ist, überwiegen die Nachteile. Schliessen Sie daher am besten keine Lebensversicherung mehr ab.

Die Kapitallebensversicherung enthält zwei Leistungen in einem Produkt. Zum einen sind Ihre Angehörigen im Falle Ihres Todes finanziell abgesichert. Zum anderen können Sie mit Ihren monatlichen Beiträgen eine größere Summe ansparen, die Ihnen samt Rendite zu einem vereinbarten Zeitpunkt ausbezahlt wird. Das klingt auf den ersten Blick zwar gut, ist aber längst keine gewinnbringende Vorsorgeanlage mehr.

Nachteile der klassischen Lebensversicherung

Im Vergleich zu anderen Vorsorgeprodukten sind die Renditen der Lebensversicherung eher gering. Seit Jahren sinkt der garantierte Zinssatz immer weiter nach unten und liegt nur bei einem geringen Sparanteil unter einem Prozent. Sinkt er weiter, ist es möglich, dass Sie nach 20 Jahren Ihre eingezahlten Beträge fast ohne Zinsen zurückerhalten.

  • Hohe Extrakosten
    Ein großer Nachteil ist, dass mit der Versicherung hohe Kosten für Verwaltung, Vertrieb und Provision verbunden sind, die an Ihnen hängenbleiben und die Rendite der Sparleistung mindern. Dazu kommt, dass Sie von Ihren monatlichen Beiträgen auch den Todesfallschutz zahlen. Das muss nicht sein, denn für Ihre Familie können Sie mit einer Risikolebensversicherung vorsorgen. Diese können Sie bei den meisten Direktversicherern schon ab 5 Euro im Monat abschließen.
  • Lange Vertragsbindung
    Mit Ihren monatlichen oder jährlichen Beitragszahlungen für die Kapitallebensversicherung binden Sie sich über viele Jahre hinweg an den Vertrag. Sollten Sie das Geld im Notfall benötigen, können Sie sich die angesparte Summe nicht so einfach kurzfristig auszahlen lassen. Sinnvolle Lösung in diesem Fall: Lebensversicherung beleihen – mit einem Policendarlehen.
  • Bei Kündigung finanzielle Verluste
    Wenn Sie die Lebensversicherung kündigen, müssen Sie mit großen finanziellen Verlusten rechnen, denn Sie bekommen längst nicht die Summe zurück, die Sie über Jahre hinweg eingezahlt haben. Abhängig von der Höhe Ihrer Beitragszahlungen gehen diese in den ersten Jahren fast komplett für die Provisions- und Abschlusskosten drauf. Mehr Geld erhalten Sie, wenn Sie stattdessen Ihre Lebensversicherung verkaufen.
Rentabler als eine Kündigung: Lebensversicherungen durch ein Policendarlehen beleihen und mehr Geld bekommen.

jetzt lesen »

Bei Kündigung wird nur der niedrige Rückkaufswert ausgezahlt. Ihre Lebensversicherung können Sie profitabler verkaufen.

jetzt lesen »

Niedriger Garantiezins

Der Garantiezins für Lebensversicherungen wird vom Bundesfinanzministerium bestimmt. Der Versicherer ist daran gebunden und muss den Zins bei allen neuen Policen bis zu deren Ablauf garantieren. Aktuell beträgt der Garantiezins nur 0,90 Prozent.

Sinnlose Zusatzversicherungen

Versicherungsunternehmen bieten vielfach an, Zusatzversicherungen in eine Lebensversicherung zu integrieren. Hierbei handelt es sich um Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherungen.

Praxis-Tipp: Das Integrieren von Zusatzversicherungen in eine Lebensversicherung ist nicht sinnvoll. Besser ist es, separate Verträge abzuschließen. Nur so entsteht Flexibilität, falls Änderungen oder ein vorzeitiges Ende eines Vertrages nötig werden.

Kapitallebensversicherung und Steuer

Steuerlich sind bei einer Lebensversicherung die Regelungen für die Einzahlungs- und Auszahlungsphase zu berücksichtigen. Dabei ist es maßgeblich, wann die Lebensversicherung abgeschlossen wurde. Die Regelungen haben sich ab 2005 geändert. Seither ist zwischen Altverträgen (Abschluss bis 31.12.2004) und Neuverträgen (Abschluss ab 1.1.2005) zu unterscheiden.

Handelt es sich bei der Kapitallebensversicherung um einen Altvertrag, so können die Beiträge nach wie vor im Zuge der Sonderausgaben als Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. So können 88 Prozent der im Jahr gezahlten Beiträge geltend gemacht werden, maximal jedoch 1.900 bzw. 2.800 Euro im Jahr.

In der Auszahlungsphase sind die Erträge einer Lebensversicherung, die vor 2005 abgeschlossen wurde, steuerfrei, wenn die Versicherung bei Auszahlung mindestens zwölf Jahre lief und mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden.

Bei einer Kapitallebensversicherung mit Abschluss ab dem 1. Januar 2005 sind die Erträge bei Auszahlung nur noch zur Hälfte steuerfrei. Voraussetzungen sind wiederum eine mindestens 12jährige Vertragslaufzeit (diese Regelung kommt somit erst ab 2017 zum Tragen) sowie, dass die Auszahlung frühestens vorgenommen wird, wenn der Versicherte sein 60. Lebensjahr vollendet hat. Ist dies nicht der Fall, ist der volle Gewinn zu versteuern. Der Gewinn errechnet sich aus der Auszahlungssumme abzüglich der eingezahlten Beiträge.

Weitere Meinungen & Tipps

Aktuell keine Bewertungen

War der Artikel hilfreich?

Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

Wir möchten verbraucherorientiert informieren, Hilfestellungen für Entscheidungen geben und scheuen auch keine kritische Beleuchtung der Produkte.