Krankenversicherung wechseln und kündigen

Beim Wechsel der Krankenversicherung sind zwischen vier Möglichkeiten zu unterscheiden.

Wechsel von der GKV zur PKV

Generell können nur freiwillig versicherte Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse ihre Mitgliedschaft beenden, um in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Ordentliche Kündigung
Eine freiwillige Mitgliedschaft kann durch die Kündigung auf das Ende des übernächsten Monats schriftlich beendet werden.

Sonderkündigungsrecht wegen Zusatzbeitrag
Sollte die Krankenkasse mit dem zugewiesenen Betrag aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen und deshalb einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt auch in diesem Fall zwei Monate. Nach erfolgter Kündigung darf der Zusatzbeitrag von der Krankenkasse nicht erhoben werden.

Wechsel innerhalb der PKV

Ein Wechsel zu einem anderen privaten Krankenversicherer kann mit finanziellen Nachteilen verbunden sein. Je nach Versicherungsdauer gehen die bisher angesammelten Alterungsrückstellungen verloren!

Ein Teil der Alterungsrückstellungen ist übertragbar. Das gilt grundsätzlich für alle neu abgeschlossenen PKV-Verträge. Bei einem Wechsel des Anbieters erfolgt auch eine erneute Gesundheitsprüfung. Bei der Beitragsberechnung wird das neue Eintrittsalter zu Grunde gelegt.

a. Ordentliche Kündigung
Die ordentliche Kündigung erfolgt grundsätzlich mit einer Frist von drei Monaten zum Versicherungsjahresende. Dabei sind zwei Regelungen zu unterscheiden:

  • Das Versicherungsjahr ist identisch mit dem Kalenderjahr, dann ist die Kündigung spätestens zum 30.09. auf den 31.12. schriftlich zu erklären, oder
  • Das Versicherungsjahr ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr und dann muss eine schriftliche Kündigung spätestens drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres vorliegen.

Viele Versicherer verändern das erste Versicherungsjahr zu einem Rumpfjahr, das dann weniger als 12 Monate besteht. Das erste volle Versicherungsjahr beginnt dann am 01.01. des auf den Versicherungsbeginn folgenden Kalenderjahres.

b. Außerordentliche Kündigung bei Beitragsanpassung
Ein außerordentliches Kündigungsrecht besteht bei Beitragsanpassung. Die Kündigung muss zum Anpassungstermin schriftlich erklärt werden. Die Krankenversicherung informiert ihre Versicherten mit einem Erhöhungsschreiben normalerweise vier bis sechs Wochen vor Wirksamwerden der Beitragsanpassung.

Bestehen Zusatzversicherungen, die nicht von einer Beitragsanpassung betroffen sind, besteht für diese kein außerordentliches Kündigungsrecht. Speziell Krankentagegeldversicherungen können davon betroffen sein. Hier können dann besondere Regelungen gelten.

c. Private Krankenversicherung kündigen – Vorgehensweise

Kündigung immer im Original

Grundsätzlich sollten Sie die Kündigung schriftlich, mit eigenhändiger Unterschrift bis zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Beitragserhöhung beim PKV-Versicherer vorlegen, wie immer bei Kündigungen ist ein Einschreiben mit Rückschein empfehlenswert. So umgehen Sie alle rechtlichen Unsicherheiten hinsichtlich einer Kündigung per E-Mail oder Fax, denn im Fall der Fälle kann ein Versicherer auf dem Original-Dokument bestehen und dann ist vielleicht der Termin verpasst.

Nachversicherungsbescheinigung notwendig

Eine weitere Hürde muss aber noch genommen werden: Bevor die Kündigung wirksam werden kann, benötigt der bisherige Versicherer ebenfalls innerhalb der Kündigungsfrist eine Bestätigung des neuen Versicherers über einen sich nahtlos anschließenden Versicherungsschutz – die sogenannte Nachversicherungsbescheinigung.

Ob diese Bescheinigung auch im Original erforderlich ist oder als Kopie oder Fax ausreicht, darüber streiten sich die PKV-Unternehmen, denn eine entsprechende Regelung im Versicherungsvertragsgesetz oder den Versicherungsbedingungen gibt es nicht. Deswegen sollten Sie hier den sichersten Weg wählen und eine Original-Bescheinigung des neuen Versicherers gemeinsam mit der Kündigung schicken.

Wechsel innerhalb der GKV

Jeder gesetzlich Versicherte kann seine Krankenkasse wechseln, sofern er mindestens 18 Monate versichert war und keinen Wahltarif abgeschlossen hat, der ihn drei Jahre an seine Kasse bindet.

Ordentliche Kündigung
Nach dem Ablauf der 18-monatigen Bindungsfrist kann jeder gesetzlich Versicherte seine Mitgliedschaft schriftlich kündigen, um zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln.

Die Bindungsfrist gilt nicht

  • für freiwillig versicherte Mitglieder,
  • wenn die Krankenkasse in ihrer Satzung keine Bindungsfrist vorsieht,
  • wenn man zu einer anderen Krankenkasse der selben Kassenart wechselt, oder
  • wenn für den eigenen Betrieb eine Betriebs- oder Innungskrankenkasse neu eingerichtet wird.

Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate.

Ordentliche Kündigung bei Wahltarif
Hat jemand einen Wahltarif bei seiner Krankenkasse abgeschlossen, so verlängert sich die Bindungsfrist auf drei Jahre. Nach Ablauf der Bindungsfrist kann die Mitgliedschaft unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von zwei Monaten schriftlich beendet werden.

Sonderkündigungsrecht wegen Zusatzbeitrag
Sollte die Krankenkasse mit dem zugewiesenen Betrag aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen und deshalb einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt auch in diesem Fall zwei Monate. Nach der erfolgten Kündigung darf von der Krankenkasse der Zusatzbeitrag nicht erhoben werden.

Wechsel von der PKV zur GKV

Die Rückkehrmöglichkeiten in die gesetzliche Krankenversicherung sind eingeschränkt.

Generell können Sie bei eintretender Versicherungspflicht zurück in eine gesetzliche Krankenkasse.

Versicherungspflicht liegt vor:

  • Bei Aufnahme eines abhängigen Beschäftigungsverhältnisses mit einem Gesamteinkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze.
  • Wenn das Gesamteinkommen bei Arbeitnehmern wieder unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt, beispielsweise durch: Anheben der Versicherungspflichtgrenze, Änderung des Arbeitsverhältnisses und der damit verbundenen Vergütung (z. B. Änderung in ein Teilzeit-Verhältnis) oder Wechsel des Arbeitgebers.
  • Bei Arbeitslosigkeit, für die gesamte Dauer des Bezugs von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld. Ausnahme: Bei Eintritt der Arbeitslosigkeit ist der Versicherte bereits mindestens seit fünf Jahren PKV-versichert und mindestens 55 Jahre alt, dann entsteht keine Versicherungspflicht in der GKV. Der Versicherte bleibt bei der PKV.

Bei einem Wechsel von der Privaten in die Gesetzliche Krankenversicherung gehen sämtliche bisher angesammelten Alterungsrückstellungen verloren. Sollte der Wechsel nur vorübergehend sein, so ist der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung ratsam, um die Rechte aus dem PKV-Vertrag zu konservieren.

Der Eintritt der Versicherungspflicht kann auch durch einen Befreiungsantrag verhindert werden. Dieser Schritt hat allerdings weitreichende Folgen, die vorher umfassend bedacht werden müssen.

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Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

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