Gesetzliche Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhält jedes Mitglied den gleichen Mindest-Leistungsumfang an medizinischer Versorgung, ungeachtet seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Und doch gibt es Beitrags- und Leistungsunterschiede:

Einheitlicher Beitragssatz durch Gesundheitsfonds
Durch den Gesundheitsfonds wird der Beitragssatz von der Bundesregierung festgelegt und gilt für alle gesetzlichen Krankenkassen gleichermaßen. Jede Krankenkasse bekommt ihre Gelder jetzt direkt durch den zentral verwalteten Gesundheitsfonds zugeteilt.

Kommt ein Kasse mit den Zuschreibungen des Gesundheitsfonds nicht aus, kann sie von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag verlangen. Von diesem Recht haben bereits etliche Krankenkassen Gebrauch gemacht.

Alles gleich und dennoch unterschiedlich
Alle gesetzlich Versicherten haben einen Rechtsanspruch auf den im SGB V festgeschriebenen Leistungsumfang. Er ist bei allen Krankenkassen gleich.

Dennoch gibt es Unterschiede. So honorieren manche Krankenkassen beispielsweise gesundheitsbewusstes Verhalten, regelmäßige Vorsorge und die Teilnahme an Ernährungskursen mit Boni oder der teilweisen Kostenübernahme. Darüber hinaus kann eine Beitragsrückerstattung erfolgen, wenn Überschüsse in entsprechender Höhe erwirtschaftet werden konnten.

Die Krankenkassen sind heute auch in der Lage, zusätzliche Einnahmen durch verschiedene Wahltarife zu generieren. Zusatzversicherungen dieser Art waren bislang nur der PKV vorbehalten. Wer sich für einen Wahltarif entscheidet, bindet sich für drei Jahre an die Krankenkasse. Das gilt für alle Mitglieder, ungeachtet dessen, ob sie versicherungspflichtig oder freiwillig versichert sind.

Kündigungsmöglichkeit bei Zusatzbeitrag
Sollte Ihre Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erheben, weil sie mit der Zuschreibung aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommt, dann haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt zwei Monate.

Private Krankenversicherung

In die private Krankenversicherung (PKV) wechseln können freiwillig versicherte Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse: Selbstständige, Freiberufler und Angestellte über der Beitragsbemessungsgrenze.

Wer als freiwillig Versicherter der GKV den Rücken kehren möchte, muss seine Mitgliedschaft in der Krankenkasse durch eine schriftliche Kündigung beenden.

Als Arbeitnehmer/Angestellter müssen Sie mit Ihrem Jahresbruttoeinkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) liegen, die 60.750 Euro (2019) beträgt.

Zum Arbeitseinkommen zählen alle regelmässigen Zahlungen, auch Sonderzahlungen (zum Beispiel Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) gehören dazu.

Bereits nach einmaligem Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze ist der Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

Beitragsberechnung in der PKV und steuerliche Behandlung

4 Berechnungsfaktoren
Die Höhe des zu zahlenden Beitrags in der privaten Krankenversicherung hängt von den folgenden 4 Faktoren eines Antragstellers ab:

1. Einrittsalter
Das Ziel in der privaten Krankenversicherung ist, dass jeder die von ihm zu verursachenden Kosten für medizinische Versorgung im Laufe der gesamten Versicherungsdauer durch seine Beiträge anspart.

Die Krankenversicherung ist bis zum statistisch wahrscheinlichen Lebensende kalkuliert. Je jünger jemand beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist, desto länger hat er Zeit, um den kalkulierten Betrag zu erreichen und daraus folgt: Je jünger das Eintrittsalter, desto geringer der Beitrag.

2. Geschlecht
Die Tarife werden für Männer und Frauen jeweils unterschiedlich kalkuliert. Eine Krankenversicherung hat man bis zu seinem Lebensende und aufgrund der höheren Lebenserwartungen von Frauen, ist der Krankenversicherer länger im Kostenrisiko.

Das führt zu höheren Beiträgen. Aufgrund des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) werden die Schwangerschafts- und Entbindungskosten auf die Beiträge von Männern und Frauen gleichermaßen verteilt.

3. Leistungsumfang
Je umfassender der gewählte Versicherungsschutz ist, desto höher ist der dafür zu zahlende Beitrag.

4. Gesundheitszustand
Hierbei handelt es sich um das objektive Risiko, dass eine Person mitbringt. Eine Risikoeinschätzung erfolgt durch die Risikoprüfung mithilfe der Antworten auf die Gesundheitsfragen im Antragsformular. Sind dort keine Auffälligkeiten festzustellen, kann der Antrag angenommen werden.

In anderen Fällen erfolgt eine Anfrage zu einer Diagnose beim behandelnden Arzt. Erhöhen Vorerkrankungen das objektive Risiko des Versicherers, erfolgt die Vereinbarung eines Risikozuschlags.

Reicht ein Risikozuschlag nicht aus, kann der Versicherer auch einen Leistungsverzicht anbieten. Ist der Versicherer nicht in der Lage Versicherungsschutz zu bieten, erfolgt die Ablehnung des Antrags.

Beitrag und Gesundheitsprüfung

Die Beitragsberechnung und die damit verbundene Gesundheitsprüfung findet nur bei Antragstellung statt. Während der Versicherungszeit eintretende Veränderungen der Gesundheitsverhältnisse haben keinen nachteiligen Einfluss auf den Beitrag.

Sollte der Versicherungsumfang erweitert werden, beispielsweise durch einen Tarifwechsel oder den Abschluss einer Krankenzusatzversicherung, hat der Krankenversicherer das Recht sowohl eine erneute Gesundheitsprüfung, als auch eine neue Beitragskalkulation durchzuführen.

Die Gesundheitsprüfung bezieht sich allerdings ausschließlich auf den zusätzlichen Leistungsumfang. Darüber hinaus ist er berechtigt eine Wartezeit für den höheren Leistungsumfang zu verlangen.

Bei der Beitragskalkulation wird genauso berücksichtigt, dass ein Teil der Alterungsrückstellung bei einem Wechsel des Anbieters zur Mitnahme bereitgestellt werden muss, wie auch den brancheneinheitlichen Basistarif und seine Auswirkungen auf die gesamte Versichertengemeinschaft.

Die Beiträge zur Krankenversicherung können als "Sonstige Vorsorgeaufwendungen" im Rahmen der Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden. Dabei gelten bestimmte Höchstbeträge.

Kinder in der Krankenversicherung

Kinder werden grundsätzlich dort krankenversichert, wo auch ihre Eltern versichert sind. Sind beide Eltern berufstätig, werden ihre Kinder bei dem Elternteil mit dem höheren Einkommen mitversichert.

Das gilt grundsätzlich - selbst dann, wenn beide Elternteile unterschiedlich versichert sind. Die Krankenversicherungen gehen normalerweise davon aus, dass der Elternteil, der privat krankenversichert ist, auch derjenige ist, welcher das höhere Einkommen erzielt.

Das ist gerade bei Selbständigen oder Freiberuflern aber nicht immer der Fall. Sie sollten daher genau prüfen, ob trotz der Selbständigkeit nicht doch ein Anspruch auf Familienversicherung besteht. Die zugrunde liegende Einkommensberechnung für Selbständige und Freiberufler lautet: Umsatz abzüglich Betriebsausgaben gleich Gewinn.

Der Gewinn ist das Bruttojahreseinkommen. Liegt als Ihr Gewinn unter dem Bruttojahreseinkommen Ihres Ehepartners, dann habe Ihre Kinder Anspruch auf eine beitragsfreie Mitversicherung im Rahmen der Familienversicherung.

Kinder in der PKV

In der privaten Krankenversicherung müssen Sie für Ihre Kinder einen eigenen Beitrag bezahlen.

Im Vergleich zur normalen Beitragsberechnung, werden bei den so genannten Kinder- und Jugendtarifen keine Alterungsrückstellungen gebildet. Dadurch ist der Beitrag erheblich geringer. Er richtet sich nach dem medizinischen Risiko, dem Eintrittsalter, dem Geschlecht und dem Leistungsumfang.

Kinder, die innerhalb einer Frist von zwei Monaten nach ihrer Geburt beim privat versicherten Elternteil mitversichert werden, werden ohne Gesundheitsprüfung im Rahmen der Neugeborenen-Nachversicherung aufgenommen, sofern der Vertrag am ersten Tag des Monats beginnt, in dem das Kind geboren wurde und der Vertrag des privatversicherten Elternteils bereits seit mindestens drei Monaten besteht.

Normalerweise werden Kinder in den Tarifen ihrer Eltern versichert. Es können aber auch andere Tarife gewählt werden, sofern der Leistungsumfang identisch oder geringer, keinesfalls aber höher als der der Eltern ist.

Ein Beitrag zur Pflegeversicherung wird nicht erhoben. Außerdem entfällt auch der gesetzliche Zuschlag bei den Kinder- und Jugendtarifen.

Kinder in der GKV

Kinder von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen haben Anspruch auf eine beitragsfreie Mitversicherung im Rahmen der Familienversicherung. Sie ist allerdings an folgende Bedingungen geknüpft:

  • Kinder können grundsätzlich bis zu Ihrem 18. Geburtstag beitragsfrei mitversichert werden.
  • Kinder, die kein eigenes Einkommen erzielen, das 355 Euro monatlich übersteigt, können bis zu ihrem 23. Geburtstag beitragsfrei mitversichert werden. Ausnahmsweise darf das Einkommen bei einem Minijob bis 450 Euro betragen. Gehen Kinder einer selbständigen Beschäftigung nach, dann dürfen die Einnahmen nicht über 350 Euro monatlich betragen, es dürfen keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt werden und die wöchentliche Arbeitszeit darf 18 Stunden nicht überschreiten (die jährlichen Werbungskosten dürfen 920 Euro betragen, so dass das Einkommen aus Selbständigkeit monatlich 426,67 Euro brutto betragen darf).
  • Kinder, die sich in einer Schul- Hochschul- oder Berufsausbildung befinden, haben bis zu ihrem 25. Geburtstag Anspruch auf Familienversicherung.
  • Sollten Ihre Kinder Bundesfreiwilligendienst leisten, dann verlängert sich der Anspruch auf Familienversicherung um die Zeit des Bundesfreiwilligendienstes.
  • Für Kinder mit einer Behinderung gibt es keine Altersgrenzen, sofern die Behinderung bereits während der Zeit der Mitversicherung bestand.

Kinder von Beihilfeberechtigten

Kinder von beihilfeberechtigten Eltern haben ebenfalls Anspruch auf Beihilfe. Die Höhe der Beihilfe beträgt 80 Prozent und wird selbst dann gewährt, wenn bei zwei berufstätigen Elternteilen nur einer von Ihnen beihilfeberechtigt ist.

Der Anspruch von Kindern auf Beihilfe bleibt unverändert, sollte einer oder beide Eltern durch den Dienstherrn freie Heilfürsorge erhalten. Die verbleibenden 20 Prozent werden normalerweise durch eine entsprechende Ergänzungsversicherung in der PKV abgesichert.

Krankenversicherung für Studenten

Studenten können selbst darüber entscheiden, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern wollen. Die Entscheidung ist für die gesamte Studiendauer bindend und muss vor Studienbeginn getroffen werden.

Privat Versichert

Entscheidet sich Student für eine private Krankenversicherung, so kann er den Leistungsumfang in einigen Bereichen selbst bestimmen.

Zur Wahl steht beispielsweise im Bereich der stationären Heilbehandlung die Regelleistung, wie sie auch von einer Krankenkasse bezahlt wird, oder die so genannten Wahlleistungen wie zum Beispiel die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer und die Behandlung durch den Chefarzt.

Die Beiträge sind abhängig vom Eintrittsalter, dem Geschlecht, dem Gesundheitszustand und dem Umfang der versicherten Leistungen und können bis zu 160 Euro betragen.

Auch ein privat versicherter Student hat Anspruch auf Zuschuss zum Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeitrag, sofern er BAföG-Leistungen erhält.

Die notwendige Bescheinigung, um beim Amt für Ausbildungsförderung einen Antrag auf Bezuschussung zu stellen, erhält man bei seiner Krankenversicherung.

In der privaten Krankenversicherung gibt es keinerlei Begrenzungen für Studiendauer oder das Erreichen des 30. Geburtstags. Der Beitrag bleibt auch danach konstant.

Bei der privaten Krankenversicherung für Studenten handelt es sich um eine Versicherung zu Sonderbedingungen, die es beispielsweise auch für Beamtenanwärter während ihrer Referendarszeit gibt. Die Beiträge sind gegenüber den normalen Tarifen ermäßigt, da sie keine Alterungsrückstellungen bilden und enden mit dem 34. Geburtstag.

Gesetzlich versichert

Ist ein Elternteil oder der Ehepartner des Studenten gesetzlich versichert, hat er Anspruch auf eine beitragsfreie Mitgliedschaft im Rahmen der Familienversicherung bis zu seinem 25. Lebensjahr.

Der Anspruch auf Familienversicherung besteht aber nur dann, sofern es sich bei dem gesetzlich versicherten Elternteil um den Hauptverdiener der Familie handelt.

Die Versicherungspflicht in der Krankenversicherung der Studenten (KVdS) beginnt in der Regel ab dem 25. Lebensjahr. Die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sind bei allen Krankenkassen gleich hoch.

Wer als Student BAföG-Leistungen bezieht, kann vom zuständigen Amt für Ausbildungsförderung auf Antrag einen Zuschuss zum Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag erhalten. Die erforderliche Bescheinigung erhält man bei seiner Krankenkasse.

Zu beachten gilt, dass eine beitragsfreie Mitgliedschaft im Rahmen der Familienversicherung nur dann gewährt wird, wenn das Gesamteinkommen in Höhe von 385 Euro bzw. 450 Euro bei einer geringfügigen Beschäftigung (Minijob) nicht überschritten wird. BAföG-Leistungen bleiben von der Einkommensermittlung unberücksichtigt.

Versicherungspflicht in der KVdS endet mit Abschluss:

  • des Studiums,
  • des 14. Fachsemesters, oder
  • des Semesters, in dem man das 30. Lebensjahr vollendet.

Freiwillige Weiterversicherung

Sollte das Studium noch nicht beendet sein, aber eines der beiden anderen Kriterien zutreffen, so kann sich der Student freiwillig weiter versichern. Der zu zahlende Beitrag erhöht sich dann auf den ermäßigten Beitragssatz für freiwillige Mitgliedschaften ohne Krankengeldanspruch.

Mögliche Ausnahme-Regelungen

In Einzelfällen kann die Mitgliedschaft in der Krankenversicherung der Studenten auch verlängert werden, so dass auch nach dem 14. Fachsemester oder bei Studenten über 30 hinaus Versicherungsschutz besteht. Folgende Umstände finden Berücksichtigung:

  • der Erwerb der Zugangsvoraussetzungen für ein Studium an einer Hochschule über den zweiten Bildungsweg,
  • die Nicht-Zulassung im Auswahlverfahren der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS),
  • die Mitarbeit in Hochschulgremien,
  • die Geburt eines Kindes,
  • eine längere Erkrankung,
  • eine Behinderung, oder
  • die Betreuung von behinderten Familienangehörigen.

Beitragsbemessungsgrenze

Die Beitragsbemessungsgrenze 2019 beträgt 4.537,50 Euro/Monat (54.450,00 Euro/Jahr).

Gegenüber 2018 ist das eine Steigerung von 2,54 Prozent.

Die Beitragsbemessungsgrenze bedeutet, dass für das darüber liegende Einkommen keine Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu bezahlen sind.

Beispiel: Wenn Sie als gesetzlich krankenversicherter ein Bruttojahresgehalt von 58.000 Euro haben, dann werden nur von 54.450 Euro die Krankenversicherungsbeiträge berechnet. Die Differenz von 3.550 Euro ist steuerfrei.

Die Beitragshöhe ist abhängig vom Beitragssatz. Der allgemeine Beitragssatz für die gesetzlichen Krankenkassen ist aktuell auf 14,60 Prozent festgeschrieben.

Die Krankenkassen dürfen bei Bedarf Zusatzbeiträge bestimmen und erheben. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz beträgt seit 2019 0,90 Prozent.

Versicherungspflichtgrenze

Die Versicherungspflichtgrenze 2019 beträgt 5.062,50 Euro/Monat (60.750,00 Euro/Jahr).

Gegenüber 2018 ist das eine Steigerung von 2,27 Prozent.

Mit Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze wandelt sich die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung zu einer freiwilligen Mitgliedschaft.

Der Versicherte kann wählen, ob er von seinem Recht auf Weiterversicherung in seiner gesetzlichen Krankenkasse Gebrauch macht oder in die private Krankenversicherung eintritt.

Die Versicherungspflichtgrenze entspricht der Jahresarbeitsentgeltgrenze (Abkürzung JAEG).

Unterschreitet ein Arbeitnehmer beziehungsweise Angestellter im laufenden Kalenderjahr diese Einkommensgrenze, tritt sofort die Versicherungspflicht ein.