Dispokredit

Aktualisiert: 06. Dezember 2019 | Redaktion
Das Wichtigste auf einen Blick
Für kurzfristige Liquiditätsengpässe gibt es den Dispositionskredit, kurz auch Dispo genannt. Er ist der teuerste Kredit überhaupt!

  • Banken räumen einen Dispokredit für das Girokonto in der Regel bei regelmäßigen Gehaltseingängen ein. Der Kreditrahmen wird häufig automatisch gewährt, kann aber auch jederzeit vom Kreditinstitut gestrichen werden.
  • Im rechtlichen Sinne handelt es sich hierbei um einen Darlehensvertrag i.S.d. §§ 488 ff. BGB.
  • Auf dem Girokontoauszug ist meist der eingerichtete Dispo vermerkt. Auch der Zinssatz für diesen sollte auf dem Auszug ersichtlich sein.
  • Im Durchschnitt liegen die Zinsen bei 12,4%. Ist das Girokonto beispielsweise für drei Monate mit 1.000 Euro im Dispo überzogen, sind bei 12,4% immerhin 31 Euro zu bezahlen.
  • Es gilt immer die Einzelfall-Prüfung, wann ein Dispo zur Überbrückung sinnvoll ist.

Im Video finden Sie alle wichtigen Informationen zum Rahmenkredit und Dispokredit zusammengefasst:

Rahmenkredit als bessere Alternative zum Dispokredit

Klicken Sie auf einen der beiden Buttons, um zu dem für Sie relevanten Inhalt zu gelangen:

Alles Wissenswerte » Anbieter finden »

In unserem Ratgeber “Wissenswertes”

Was ist ein Dispokredit?

Der Dispokredit, beziehungsweise eigentlich Dispositionskredit, ist die vom jeweiligen Kreditinstitut gewährte Möglichkeit, ein Girokonto bis zu einem festgelegten Betrag zu überziehen.

Leere Hosentaschen als Sinnbild für Dispokredit

Hierfür verlangt die Bank in der Regel einen hohen Zinssatz. Der Dispokredit kann dank seiner Flexibilität als Möglichkeit dienen, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken, ist aber deswegen auch langfristig teurer als die meisten anderen Formen von Darlehen.

Im rechtlichen Sinne handelt es sich hierbei um einen Darlehensvertrag i.S.d. §§ 488 ff. BGB. Auch kommt es vor, dass die Bank ein einseitiges Schreiben verschickt, dass von nun an ein Dispokredit in Höhe eines gewissen Betrags (normalerweise dem Dreifachen des Monatseinkommens) zur Verfügung stehe.

Bei einem solchen Schreiben handelt es sich um ein einseitiges Angebot der Bank, welches erst dann angenommen wird und ein Vertragsverhältnis begründet, wenn dieser Kreditrahmen zum ersten Mal in Anspruch genommen wird.

Der Dispositionskredit hat im Normalfall eine Kündigungsfrist von 30 Tagen. Jedoch kann die Bank diesen in begründeten Fällen auch fristlos kündigen, sodass der gesamte negative Betrag sofort fällig wird. Ein solcher begründeter Fall kann zum Beispiel dann vorliegen, wenn das Einkommen (Gehalt, Rente, Unterhalt, o.ä.) entfällt oder sich merklich verringert. Ein anderer Fall wäre ein Eintritt der Insolvenz.

Ähnliche Regelungen gelten auch, wenn die Bank die Vertragsbedingungen wesentlich verschlechtert, zum Beispiel aufgrund negativer Veränderungen am Kapitalmarkt, wegen der sich die Sollzinsen verschlechtern. Hierbei steht es dem Kunden im Normalfall frei, den Dispokredit kurzfristig zu kündigen.

Jedoch wird in solchen Fällen der gesamte überzogene Betrag auf ein Mal fällig. Dieses Risikos sollte man sich bei Abschluss eines Dispokredits bewusst sein.

Vor- und Nachteile des Dispokredits

 PRO
  • Kurzfristige Überbrückungsmöglichkeit für Liquiditätsengpässe
  • Große Flexibilität
  • Unbürokratische Beantragung
  • Hoher Verfügungsrahmen (i.d.R. drei Monatsgehälter)
  • Unkomplizierte Handhabung
  • Tagesgenaue Berechnung von Zinsen
 CONTRA
  • Sehr hohe Zinsen
  • Noch höhere Überziehungsgebühren
  • Gefahr einer Schuldenspirale
  • Möglichkeit zur fristlosen Kündigung durch die Bank

Die Vorteilhaftigkeit eines Dispokredits ist natürlich fallabhängig. Zusammenfassend kann aber folgendes Fazit bzw. folgende Faustregel aufgestellt werden:

Fazit: Der Dispokredit ist eine attraktiv wirkende und und handliche Möglichkeit, die eigene finanzielle Situation kurzfristig zu flexibilisieren. Allerdings birgt er enorme Kosten und Risiken zur Schuldenanhäufung.

Unter welchen Bedingungen werden Dispokredite gewährt?

Die Gewährung eines solchen Kredits hängt von einigen, teilweise recht unübersichtlichen Faktoren ab. Neben eher allgemeinen und leicht erfüllbaren Bedingungen wie der Volljährigkeit, einem Girokonto bei einer deutschen Bank und einem festen ständigen Wohnsitz in Deutschland, ist das Geldinstitut in erster Linie daran interessiert, Geld nur zu verleihen, wenn es dieses sicher wieder bekommen kann.

Daher ist in der Regel eine Einkommensprüfung, eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit bei Auskunfteien (z.B. Schufa) und eine allgemeine Überprüfung des potentiellen Schuldners nötig. Bei vorhandenen negativen Schufa-Einträgen bzw. früheren Überziehungen des Kontos ohne explizite Genehmigung sinkt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass einem ein Dispokredit gewährt wird.

Praxis-Tipp: Lassen Sie eventuell fehlerhafte Eintragungen bei der Schufa überprüfen und bei Bedarf korrigieren. Alles zur Schufa lesen Sie hier.

In der Regel verlangt die Bank für die Gewährung eines Dispokredits keine weiteren Sicherheiten, da sie sich ein umfangreiches Pfandrecht über andere Konten, wie z.B. Tagesgeldkonten usw. von Ihnen einräumen lässt.

Um die Flexibilität des Dispokredits zu erhalten, wird kein formeller Kreditantrag vor jeder Überziehung nötig. Vielmehr kann der Schuldner innerhalb des individuell gewährten Rahmens das Konto so oft und hoch überziehen, wie es seinen eigenen Bedürfnissen entspricht.

Hier liegt auch der größte Vorteil dieser Form der Anlage, da der Kunde hier individuell und tagesgenau über seine Schulden verfügen kann. Diesen Gewinn an Flexibilität lässt sich die Bank jedoch mit sehr hohen Zinsen vergüten.

Für jeden Tag, an dem das Konto überzogen ist, fallen entsprechend vereinbarte Sollzinsen an, die sich deutlich über den Zinssätzen jeder anderen Kreditart bewegen. Wird das Girokonto über den vereinbarten Dispositionsrahmen hinaus überzogen, fallen sogar noch höhere Überziehungszinsen an. Somit eignet sich diese Kreditform nicht für mittel- oder langfristige Liquiditätsengpässe.

Kosten des Dispokredits

Für den Dispokredit fallen verschiedene Kosten an, da die Bank sowohl ihr eigenes Risiko decken möchte, als auch zusätzlich an dem Konzept verdienen will.

Die hohen Zinsen werden u.a. damit begründet, dass der Kunde sich das Geld des Dispositionskredits ja jederzeit ohne Ankündigung leihen könne, sodass die Bank eventuell gezwungen sei, kurzfristig Geld am Kapitalmarkt zu ungünstigen Konditionen aufzunehmen.

Bei alternativen Kreditkonzepten und Geldgeschäften hingegen – wie zum Beispiel dem klassischen Rahmenkredit – könne die Bank längerfristig planen, um eine günstigere Möglichkeit zur Geldaufnahme zu finden.

Im Jahr 2018 zahlten Schuldner durchschnittlich 9,72% Zinsen für einen Dispokredit. Zum Vergleich: Zum gleichen Zeitraum konnten sich Banken Geld von den Zentralbanken für unter 0% Zinsen leihen. Somit stellt diese Darlehensform eine attraktive Möglichkeit für die Banken dar, auch in Niedrigzinszeiten einen angemessenen Gewinn zu erwirtschaften.

Dementsprechend gewähren Banken hier meist großzügige Kreditrahmen, die durchaus auch das dreifache monatliche Einkommen erreichen können. Andere Kreditformen können mit deutlich günstigeren Zinssätzen aufwarten.

So zum Beispiel der Ratenkredit, der laut Bundesbank im Jahre 2018 im Schnitt einen effektiven Jahreszinssatz von 5,70% aufwies. Bei Angeboten im Internet lag der effektive Jahreszins sogar bei nur 3,70%.

Rechtmäßigkeit von Gebühren und weitere Kosten

Neben den sehr hohen Sollzinsen und den noch höheren Überziehungszinsen, haben viele Geld- und Kreditinstitute versucht, den Kunden noch weitere Kosten und Gebühren aufzuerlegen.

Beispielsweise hat das OLG Hamm entschieden, dass Gebühren für die Überziehung des Kontos über den Dispositionskredit hinaus nicht zulässig sind. (Urteil vom 21. September 2009 (Az. 31 U 55/09)).

Wie bereits erwähnt sind höhere Überziehungszinsen bei Überschreitung des Dispos zwar durchaus zulässig, aber pauschale Mindestgebühren bei Überziehungen sind ungerechtfertigt. [Urteile vom 25. Oktober 2016, Az. XI ZR 9/15, XI ZR 387/15 sowie LG Frankfurt (Az. 2-02 O 3/09) und das OLG Frankfurt (Az. 23 U157/09)]

Risiken der Dispofalle

Als sogenannte Dispofalle bezeichnet man den Zustand, indem der Kontostand dauerhaft (über drei Monate am Stück) im negativen Bereich verbleibt, sodass der Kunde permanent die hohen Zinssätze des Dispokredits zahlen muss.

Hier ist der Mechanismus der Flexibilität, der den Dispokredit ursprünglich so attraktiv gemacht hat, derselbe, der ihn nun wieder in ein Problem verwandelt, denn für längerfristige Schuldverhältnisse eignet sich der Dispositionskredit eben nicht.

Jedoch gibt es auch für dieses Problem eine angemessene Lösung. So kann der Kunde z.B. bei seiner Bank beantragen, über den Betrag des Dispositionskredits ein weiteres Darlehen aufzunehmen, welches genutzt wird, um den Kontostand wieder in den neutralen Bereich zu bewegen.

Dies lohnt sich in den allermeisten Fällen, da die Zinssätze jeder anderen Darlehensform in der Regel deutlich geringer ausfallen. Außerdem zwingt einen die regelmäßige Rate dazu, die vorhandenen Schulden auch tatsächlich abzubauen.

Münzen Taschenrechner und auf Dispokredit Unterlagen

Auch hier sind allerdings einige Dinge zu beachten. Sind die monatlichen Raten zu groß, besteht das Risiko, wieder einen negativen Kontostand aufzubauen, um diese auszugleichen- ein sicherer Weg in ein dauerhaftes Schuldenproblem. Somit sollte man sich auch hiervor über die genauen Vertragskonditionen eines weiteren Darlehens informieren.

Auf der anderen Seite hat ein dauerhaft negativer Kontostand durch einen Dispositionskredit durchaus auch gewisse Vorteile. Denn hier greift die psychologische Ebene ein. Ist der Kontostand gefährlich rot gefärbt und mit einem Minus versehen, steigt das Gefühl, man müsse besser wirtschaften.

Man wird dazu angehalten, selbst kleinere Ausgaben noch ein Mal gründlich zu überprüfen, da dieser negative Kontostand einem ein dauerhafter Dorn im Auge sein wird.

Rahmenkredit als Alternative zum Dispokredit?

Als Rahmenkredit oder auch Abrufkredit bezeichnet man eine relativ seltene Darlehensform, die grundsätzlich ähnlich zum Dispositionskredit funktioniert, jedoch zwei entscheidende Unterschiede aufweist.

Auch hier wird ein gewisser Kreditrahmen gewährt, der im eigenen Ermessen frei ausgeschöpft werden kann. Jedoch wird hierbei kein Negativguthaben auf das reguläre Girokonto gestattet, sondern ein separates Kreditkonto angelegt, über das die Verfügungen des Kreditrahmens laufen müssen.

Der Vorteil hierbei ist, dass eine deutlich übersichtlichere Abrechnung möglich ist, und die Ausgaben über die eigenen Einnahmen hinaus in einem Kontoauszug zu sehen sind.

Der Nachteil ist, dass hierbei z.B. wiederkehrende Rechnungen, die kurzzeitig den eigenen Kontorahmen übersteigen würden, nicht automatisch wie bei einem Dispositionskredit darüber bezahlt werden könnten, sodass der Kunde sich noch aktiver für jede einzelne Überziehung entscheiden muss.

Der zweite große Unterschied liegt darin, dass es einen festen prozentualen Betrag gibt, der bei Inanspruchnahme monatlich mindestens abgegolten werden muss. Diese Version eignet sich folglich nicht immer als gute Alternative, ist jedoch für einige Menschen eine durchaus interessante und unterschätzte Option.

Wir haben Ihnen unten auf unserer Seite unsere Anbieterempfehlung für den besten Ratenkredit aufgeführt.

Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Was ist ein Dispokredit?
Ein Dispo (=Dispositionskredit) ist eine von der Bank eingeräumte Kreditlinie für die Überziehung des Girokontos. Ist das Konto überzogen bzw. im Minus werden hohe Dispozinsen fällig.
Wie hoch sind die Zinsen für einen Dispokredit?
Sobald Sie Ihr Konto überziehen und ein Disporahmen eingerichtet ist, werden Dispozinsen fällig. Dispozinsen sind verhältnismäßig sehr hoch und belaufen sich, je nach Bank, auf ca. 5-14%.
Wann ist ein Dispokredit sinnvoll?
Der Dispokredit ist eine einfache und schnelle Möglichkeit kurzfristig Geld zu leihen und Liquiditätslücken zu überbrücken. Man sollte dabei jedoch genauestens die eigene Einnahmesituation sowie die sehr hohen Zinsen im Blick behalten. Dauerhaft ist der Dispokredit definitiv nicht zu empfehlen.
Kann der Dispo durch die Bank gekündigt werden?
Das eigene Konto zu überziehen geht sehr einfach, jedoch kann die Bank den Dispo jederzeit kürzen oder kündigen.

Hier beginnen nun die Praxistipps zur Findung eines geeigneten Anbieters:

Die beste Vorgehensweise

  • Prüfen Sie auf Ihrem Kontoauszug oder per Nachfrage bei Ihrer Bank, welchen Dispokreditrahmen Sie eingerichtet haben und welche Zinsen hierfür anfallen.
  • Müssen Sie Ihren Dispokredit immer wieder mal in Anspruch nehmen, kann es sich lohnen, das Girokonto zu einer Bank zu verlegen, bei der die Dispozinsen im Vergleich “günstig” sind. Achten Sie auf unsere Empfehlung für günstige Dispozinsen.
  • Vorsicht: Die einfache Nutzung des Dispo verleitet leicht zu Ausgaben, für die die nötige Liquidität nicht vorhanden ist. Manche Girokontoinhaber verlieren da leicht den Überblick. Dies kann der Beginn einer Schuldenspirale sein.
  • Der Dispokredit sollte nur bei kurzfristigen Liquiditätsengpassen im Ausnahmefall genutzt werden.
  • Ein günstiger Rahmenkredit ist die bessere Alternative.

Den richtigen Anbieter finden: Dispokredit und Rahmenkredit

Nachfolgend haben wir Ihnen unsere aktuellen Empfehlungen für ein Girokonto mit günstigen Dispokreditzinsen aufgeführt sowie zwei sehr empfehlenswerte Rahmenkredite als Alternative.

(1) Das Girokonto mit günstigstem Dispokredit:

Comdirect Girokonto*

kostenlose Visa-Karte und Girocard

  • keine Jahresgebühr
  • kostenlos Bargeld abheben im In- und Ausland
  • Geld einzahlen über die Commerzbank
  • Günstigster Dispokredit 6,50 %
  • Fremdwährungsgebühr von 1,75 %
mehr Details »

(2) Die aktuell besten zwei Rahmenkredite sind:

VW Bank Rahmenkredit*

ComfortCredit

  • Effektiver Jahreszins 2,99 % für die ersten 12 Monate
  • Kreditrahmen 2.500 € bis 25.000 €
  • Ab 13. Monat 6,65 % Effektivzinssatz
mehr Details »
ING Rahmenkredit*

Rahmenkredit

  • Effektiver Jahreszins 5,99 %
  • Kreditrahmen 2.500 € bis 25.000 €
mehr Details »