Studienkredit – Chance und Risiko

Was ist ein Studienkredit?

Studienkredite dienen der Finanzierung der Lebenshaltungskosten und/oder Studiengebühren während des Studiums bei späterer Rückzahlung nach dem Studienende.

Aufgepasst – kurz und wichtig:

  • Vor Aufnahme eines Studienkredits prüfen Sie den Ausschluss aller anderen kostengünstigeren Finanzierungsmöglichkeiten wie Bafög, Stipendien, Unterstützung von Eltern/Verwandten oder studienfachnahen Studenten-Jobs.
  • Ein Studienkredit ist einfach zu beantragen, weil kein Nachweis über das eigene oder elterliche Einkommen erforderlich ist: Antragsunterlagen ausfüllen und Legitimationsnachweis erbringen sowie ggf. Nachweise zum Studiengang und/oder der Höhe der Studiengebühr einreichen.
  • Das geliehene Geld stellt – insbesondere bei einem Abbruch des Studiums – eine spätere Verpflichtung zur Rückzahlung dar und kann ggf. in eine Schuldenfalle oder nach dem Berufseinstieg zu einer spürbaren Einschränkung der finanziellen Mittel für Familiengründung, Wohnungswahl, Konsum etc. führen.
  • Steuertip: Zinsen und Gebühren für einen Studienkredit sind nach einem Berufseinstieg als Werbungskosten von der Einkommensteuer absetzungsfähig.

So gehen Sie vor:

  • Schaffen Sie Klarheit über die geplante oder aktuelle Studiensituation zu Studiengang, Studienphase (Bachelor, Master, Promotion), Hochschule, Hochschulwechsel, Auslandsaufenthalt(e) vor Auswahl entsprechender Kreditgeber und Bildungsfonds – nicht alles geht bei jedem Anbieter.
  • Berechnen Sie den persönlichen Kreditbedarf (Tip: Kreditsumme so gering wie möglich halten) mit Vorausplanung der Möglichkeiten (wieviel? bis wann?) zur (möglichst schnellen) Rückzahlung – zum Beispiel mit Hilfe eines Kreditrechners.
  • Sichten Sie spezielle Kreditangebote der Hausbank, der eigenen Hochschule oder für den eigenen Studiengang (wie zum Beispiel der apoBank für Studenten/Doktoranden der Heilberufe oder Psychotherapeuten in Weiterbildung) und vergleichen Sie diese mit einem Angebot des aktuellen Marktführers, der staatlichen Förderbank KfW.
  • Vor Auswahl eines Anbieters holen Sie verschiedene Angebote entsprechend eigener Bedürfnisse ein: nach Kriterien wie Höhe und Laufzeit, Kosten, Risikobegrenzung und Flexibilität. Merke: höhere Zinsen bedeuten später mehr Schulden.
  • Besprechen Sie sich ausführlich mit Eltern und Verwandten oder nutzen Sie die Finanzierungsberatung des örtlichen Studentenwerks.

In Deutschland stehen in den jeweiligen Bundesländern mitunter unterschiedliche Fördermöglichkeiten für ein Studium zur Auswahl. Deshalb sollten Sie sich immer gezielt über die aktuellen Regelungen im jeweils betroffenen Bundesland informieren.

Die verschiedenen Anbieter unterscheiden sich vor allem in folgenden Details:

Art der Finanzierung als Darlehen (Kredit) oder Fondsauszahlung
Jährlicher Effektivzins fest oder variabel
Auszahlung einmalig oder in Raten mit oder ohne unterschiedlichen Obergrenzen
Möglichkeit zur kostenfreien vorzeitigen Gesamttilgung
einkommensabhängige Rückzahlungsmöglichkeiten
Inanspruchnahme bei Auslandssemester
Möglichkeit zu Teilzeitstudium
Individuelle Voraussetzungen beim Kreditnehmer
Altersgrenze zu Studienbeginn

Was kostet ein Studium?

Bei einer Entscheidung für ein Studium spielt mitunter die Finanzierungsfrage eine große Rolle. In der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2016 führten die Studenten durchschnittlich monatliche Ausgaben von 820 Euro für Wohnung, Essen, Krankenversicherung, Smartphone und andere Dinge des täglichen Bedarfs auf.

Ein Fünftel der Befragten konnte die Ausgaben gerade so durch eigene Einnahmen decken. Die anhaltende Knappheit auf dem Wohnungsmarkt gerade in Ballungsräumen mit je nach Bundesland unterschiedlich steigenden Mieten macht die studentische Haushaltsführung auch in Zukunft nicht einfacher.

Studienkredit – Ja oder Nein?

Vor einer Aufnahme eines Studienkredits sollten Studenten sich an erster Stelle immer alle anderen kostengünstigeren Finanzierungsmöglichkeiten wie Bafög (übrigens Kombination mit 450-Euro-Minijob möglich), Stipendien, Unterstützung von Eltern/Verwandten oder (idealerweise studienfachnahe) Studenten-Jobs mit Vorteilen beim Berufseinstieg prüfen.

Studienkredite stellen zum einen mit dieser Investition eine Chance auf eine mögliche bessere berufliche Zukunft dar. Zum anderen stehen auch Risiken bei Nichterreichen der beruflichen Ziele durch Abbruch, Krankheit, Scheitern oder Beschäftigungslosigkeit in Verbindung mit der eingegangenen Verpflichtung zur Rückzahlung im Raum.

Die Rückzahlung der Schulden kann auch nach Studienabschluss mit erfolgreichem Berufseinstieg je nach Verdienst und Lebenshaltungskosten über viele Jahre zu einer spürbaren Einschränkung der dann zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel führen.

Ein überlegtes Vorgehen ist mit einem detaillierten und umfassenden Kreditvergleich unter Berücksichtigung der persönlichen Ausbildungssituation und Verhältnisse ganz besonders wichtig.

Die besseren Alternativen zum Studienkredit

a) Stipendien
Stipendien sind nicht rückzahlbare regionale und überregionale Förderprogramme für grundsätzlich alle Studenten nach vielfältigen Förderkriterien und Ausrichtungen wie durch die Studienstiftung des deutschen Volkes, politische Stiftungen, Stiftungen der Wirtschaft oder einzelner Persönlichkeiten.

Einen guten Überblick über zahlreiche Programme verschiedener Förderer bietet beispielsweise das Portal stipendienlotse.de des Bildungsministeriums. Das zukünftig noch stärker ausgestattete Erasmus-Programm der Europäischen Union fördert ein Auslandssemester mit bis zu 315 Euro monatlich über bis zu zwölf Monate.

b) Bafög
Der Bund stellt deutschen Studenten aus einkommensschwachen Elternhäusern bis zu 735 Euro im Monat zur Verfügung – zur Hälfte als nicht rückzahlbare staatliche Förderung, zur anderen Hälfte als zinsloses Darlehen mit einer Rückzahlungspflicht von maximal 10.000 Euro. Die Bewilligung hängt neben dem Einkommen der Eltern von der Anzahl der Geschwister und dem eigenen Einkommen ab.

c) Unterstützung durch die Familie
Die Gesetzeslage verpflichtet Eltern in Deutschland zur finanziellen Unterstützung ihrer Kinder bei der ersten Ausbildung oder im Erststudium bei entsprechenden Möglichkeiten. Dazu können sie auch das bis zum 25ten Lebensjahr auszahlbare Kindergeld einsetzen. Vorstellbar ist auch eine nicht oder ganz oder teilweise rückzuzahlende finanzielle Unterstützung durch andere Familienmitglieder wie Paten oder Großeltern.

d) Studentenjobs
Idealerweise studiennahe Studentenjobs bieten neben einer Studienfinanzierung ohne Pflicht zur Rückzahlung wertvolle berufliche Erfahrungen, Kontakte zu potenziellen späteren Arbeitgebern bis hin zu einem möglichen Praktikumsersatz.

Aktuell nutzen etwa zwei Drittel aller Studenten diese Finanzierungsform – ob studiennah oder zum reinen, unabhängigen Geldverdienen studienfern. Zahlreiche Jobbörsen im Internet von Hochschulen, Studentenwerk, Arbeitsagentur, kommerziellen Anbietern oder den Arbeitgebern selbst bieten einen umfassenden Überblick.

Studienkredit – wie geht das?

Der Antrag auf einen Studienkredit ist ziemlich einfach, weil kein Nachweis über das eigene oder elterliche Einkommen erforderlich ist: Antragsunterlagen ausfüllen und Legitimationsnachweis erbringen sowie ggf. Nachweise zum Studiengang und/oder der Höhe der Studiengebühr einreichen.

Die Bearbeitung dauert meist ein paar Wochen. Die relativ unkomplizierte Antragsstellung soll jedoch nicht zu einem unüberlegten und leichtfertigen Handeln verleiten, denn eine Kreditaufnahme in auch nur geringer Höhe öffnet die Tür zu einem Studium mit geliehenem und damit zu einer späteren Rückzahlung verpflichtetem Geld.

Im Vergleich mit einem klassischen Ratenkredit unterscheiden sich Studienkredite in folgenden Punkten:

  • In den meisten Fällen erfolgt statt der Einmalauszahlung zu Beginn eine Auszahlung in monatlichen Raten zwischen 100 und 650 Euro zum Monatsende, bei manchen Anbietern mit der Möglichkeit zur nachträglichen Anpassung der monatlichen Auszahlungsrate nach oben oder unten sowie überwiegend mit Obergrenzen von bis zu 25.000 Euro
  • Verpflichtung zu regelmäßigen Studiennachweisen während der Laufzeit
  • Beginn der Kredittilgung meist erst einige Monate nach der letzten Auszahlung, Beginn der Zinszahlung mitunter aber bereits ab Beginn der Auszahlung.
  • Bei einzelnen Anbietern Möglichkeit zur straffreien vorzeitigen vollständigen oder teilweisen Rückzahlung vor dem vereinbarten Zeitpunkt oder einkommensabhängige Rückzahlungsmöglichkeiten. Bei Ratenkrediten verlangen in diesem Fall Banken meist eine solche Vorfälligkeitsentschädigung für entgangene Zinszahlungen

Studienkredite gibt es:

  • zur Finanzierung des gesamten Studiums
  • als Überbrückungskredit für eng begrenzte Zeiträume wie zum Beispiel die Abschlussphase des Studiums oder ein Auslandssemester
  • als Studienbeitragsdarlehen zur Finanzierung von Studiengebühren an privaten Hochschulen

Bei einem Studienabbruch

  • stoppen die Anbieter die Auszahlung sofort
  • fordert die KfW nach der Karenzphase zur planmäßigen Rückzahlung auf
  • arbeiten andere Anbieter einen individuellen Tilgungsplan zu unterschiedlichen Konditionen aus
  • kündigen Bildungsfonds meist den Vertrag und überführen diesen in einen normalen Ratenkredit

Sollten Studenten bei Aufnahme ihres Studiums noch Unsicherheiten über die eingeschlagene Wahl oder die eigenen Chancen zu einem erfolgreichen Bestehen hegen, stecken in einer Kreditaufnahme erhebliche Risiken. Deshalb ist in diesem Fall ein (vorläufiger) Verzicht die bessere Entscheidung. Aktuell brechen etwa 30 Prozent aller Bachelorstudenten ihr Studium ab.

Angebote und Anbieter für Studienkredite

Als deutschlandweiter Anbieter finanziert derzeit unabhängig vom Studiengang nur die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das Studium über die gesamte Laufzeit, deren Voraussetzungen die meisten Studenten erfüllen.

Das Mindestalter bei Antragsstellung liegt bei 18 Jahren, das Höchstalter bei 44 Jahren. Weiterhin verlangt die KfW die EU-Staatsbürgerschaft und die Immatrikulation in einer deutschen Hochschule. Ein Vorab-Check auf der Website der KfW ermöglicht die selbständige Überprüfung zur Erfüllung aller notwendigen Voraussetzungen.

Obwohl Studenten aktuell über die Hälfte aller Darlehen bei der KfW abschließen, lohnt sich darüber hinaus der Blick auf andere Anbieter mit unterschiedlichen Voraussetzungen wie einer regionalen Begrenzung oder Förderung für ausgewählte (überwiegend technische oder medizinische) Studienfächer.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) bietet regelmäßig im CHE-Studienkredit-Test einen sehr guten Überblick über die verfügbaren Angebote.

Der Klassiker: KfW-Studienkredit

Die maximale Laufzeit des KfW-Studienkredits beträgt 25 Jahre. Je länger die Rückzahlung aber dauert, desto mehr Schulden fallen in der Summe an. Der beste Studienkredit aus einem Studienkredit-Vergleich zur Finanzierung eines Regelstudiums oder nur eines Auslandssemesters sollte daher eine kostenfreie, vorzeitige Gesamttilgung erlauben.

Diese Faktoren sprechen für den Studienkredit der KfW:

  • Neuberechnung des Zinssatz alle 6 Monate mit Anpassung an den aktuellen Markt
  • Gebührenfreie Beratung und Vermittlung des KfW-Studienkredits durch regionale Banken vor Ort
  • Inanspruchnahme für fast alle Arten des Studiums wie Erst- und Zweitstudium, Zusatz- oder Aufbaustudium, Masterstudium sowie Promotion (Ausgenommen: Studiengänge an Berufsakademien und vollständig im Ausland absolvierte Studiengänge)
  • Förderunabhängigkeit vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern

Die KfW arbeitet mit einem variablen Zins, der sich am Interbankenzins Euribor orientiert und überprüft diesen zweimal im Jahr.

Verschiedene Studienkredit-Vergleiche zeigen: die optimale Antragsstellung erfolgt deshalb bis zum 30. September vor dem Stichtag zur Festlegung neuer Zinsen ab dem 1. Oktober bei Erwartung einer Zinssenkung. Dabei ist zu beachten, dass die üblichen Bearbeitungszeiten bei der KfW eher wie bei einer Behörde als wie einer Bank liegen 😉

Deshalb am besten für eine rechtzeitige Auszahlung der benötigten Mittel zum Beginn des Studiums eine Vorlaufzeit von mehreren Wochen einplanen.

Konditionen KfW–Studienkredit

max. monatliche Auszahlung650 Euro
max. Auszahlungszeit14 Semester
Zinsen Auszahlungsphase4,17% (variabel)
Zinsen Rückzahlungsphase4,17% (variabel)
AuswahlverfahrenNein
Altersgrenze44 Jahre
Sondertilgung möglichzum 01. April / 01.Oktober
Quelle: KfW (Stand 18. Februar 2019)

Die KfW bezahlt in der Auszahlungsphase an Studenten über mehrere Monate eine feste Rate von bis zu 650 Euro zu einem entsprechenden Zins aus, den die Bank direkt mit dem Auszahlungsbetrag verrechnet. Das bedeutet bei einer längeren Laufzeit eine entsprechend geringere monatliche Auszahlung.

Bei Vereinbarung eines Kreditbetrags von monatlich 400 Euro zahlt die KfW im zweiten Monat bei nur etwa 1 Euro Zinsanfall etwa 399 Euro, nach 24 Monaten nur noch 369 Euro aus.

Nach der Auszahlungsphase beginnt die 6 bis 23 Monate dauernde Karenzzeit. In dieser Zeit sind lediglich die Zinsen für den Studentenkredit an die KfW zu zahlen. Im Anschluss an die Karenzzeit beginnt die Rückzahlung des Kredits inklusive Zinsen mit einer Einmalzahlung oder in Raten.

Die KfW rechnet üblicherweise mit einem variablen Zins. Alternativ besteht für die Rückzahlungsphase meist mit einem Aufschlag auf den variablen Zins die Möglichkeit zur Vereinbarung eines festen Zinses für maximal zehn Jahre.

Die genauen Konditionen hängen von der Länge der Zinsfestschreibung ab. Unter der Konditionenübersicht der KfW stehen die aktuellen Vergabebedingungen.

Die folgende Tabelle vergleicht die Kosten bei unterschiedlichen Zinsverläufen. Wir nehmen an, dass ein Student drei Jahre lang jeden Monat 400 Euro bezieht, insgesamt 14.400 Euro. Anschließend pausiert er ein Jahr, bevor er den Kredit über sieben Jahre zurückzahlt.

Kreditkosten beim Studienkredit der KfW

 gleichbleibende ZinsenFestzins Tilgungsphase1steigende Zinsen2
Zinsen Auszahlungsphase34,17%4,17%ab 4,17%
Zinsen Rückzahlphase4,17%5,42%ab 4,59%
Gesamteffektivzins
pro Jahr
4,17%4,87%4,63%
Gesamtkosten Kredit3.634 Euro4.310 Euro4.056 Euro

1 Annahme: Festzins für die Auszahlungsphase von 5,42 % mit Orientierung an der Zinsperspektive der KfW im Februar 2019.
2 Annahme: Zinsanstieg über die gesamte Laufzeit des Kredits jährlich um 0,1 Prozentpunkte.
3 Auszahlung einer monatlichen Rate von 400 € über drei Jahre an den Student, insgesamt 14.400 €. Karenzzeit: ein Jahr. Tilgungszeit: sieben Jahre.
Quelle: KfW, AG Finanzen-Berechnung (Stand: 18. Februar 2019)

Bildungsfonds – die Alternative zum Studienkredit

Bildungsfonds fördern ausgewählte Studenten mit dem Geld von Kapitalanlegern. Wer allerdings das meist mehrstufige Auswahlverfahren erfolgreich durchläuft, darf sich auch berechtigte Hoffnungen machen, Geber von (später nicht rückzahlpflichtigen) Stipendien erfolgreich überzeugen zu können – und spart sich damit ggf. Zinsen und Tilgung.

Anbieter wie Deutsche Bildung, Career Concept oder Brain Capital bieten bundesweit entsprechend fondsgebundene Finanzierungslösungen. Bei diesem Modell betonen die Anbieter Fairness und Talentförderung, denn bei einem später höheren Einkommen als zum Studium gedacht, fällt die Rückzahlung höher, im anderen Fall geringer aus.

Bei zu geringem Einkommen (etwa 1.500 Euro brutto mtl. bei der Deutschen Bildung, bis zu 30.000 Euro brutto im Jahr bei Brain Capital) gibt es die Möglichkeit zur Stundung oder vollständigen Befreiung von der Rückzahlungspflicht.

Auf der anderen Seite steht für die Studenten ein hoher Zeitaufwand für das Auswahlverfahren und ein sehr wahrscheinlich teureres Angebot als bei der KfW. Deshalb stellt der Bildungsfonds unter den Finanzierungsmöglichkeiten für das Studium ein Nischenprodukt dar und pro Jahr nehmen dies derzeit nur einige Hundert in Anspruch.

Bildungsfonds – Bestandteile und Konditionen

  • Auszahlungsphase: vollständiger Bezug der vereinbarten Rate ohne Zinsabzug
  • Karenzzeit: ohne eine Zahlungsverpflichtung für Zins oder Tilgung
  • Rückzahlung in Abhängigkeit des zu erwarteten späteren Bruttogehalts in Höhe von in der Regel zwischen zwei und 10 Prozent des Gehalts
  • Keine klassische Tilgung samt Zinszahlung
  • Keine grundsätzliche Begrenzung der monatlichen Raten in der Höhe
  • Teilweise Möglichkeit zur Teilnahme an Trainings, Workshops sowie Netzwerken zur Erleichterung des späteren Berufseinstiegs
  • Bewerbung auch bei einem vollständigem Auslandsstudium ohne Einschreibung an einer deutschen Hochschule möglich

Bildungsfonds – kurz und wichtig

Bildungsfonds als Anlageprodukt betreiben Anleger mit einer direkten Beteiligung oder über den Kauf von Anleihen zu Rendite-Versprechungen von aktuell bis zu 6,5 Prozent. Fonds müssen also bei ihren Verleihgeschäften mit den Studenten mindestens die entsprechenden Renditen zusammen mit den Verwaltungskosten verdienen.

Zur sicheren Erwirtschaftung einer bestimmten Mindestrendite der Investoren suchen sich Bildungsfonds deshalb meist nur Studenten aus, bei denen eine entsprechend hohe Wahrscheinlichkeit auf ein Bestehen des Studiums sowie einen erfolgreichen Berufseinstieg besteht. Bildungsfonds unterbreiten nur an etwa 40 Prozent der studentischen Bewerber ein sofortiges Angebot. Zwei Drittel der Geförderten entscheiden sich für ein Studium der Wirtschafts-, Ingenieurs- oder Rechtswissenschaften.

Angebote einzelner Fonds sind aufgrund der Hochrechnung des beim jeweiligen Studenten später zu erwartenden Gehalts auf Grundlage verschiedener Datenbanken sehr intransparent und in weiten Teilen spekulativ. Der Prozentsatz für die spätere einkommensabhängige Rückzahlung, die Höhe der möglichen Förderung zusammen mit der möglichen Laufzeit entsteht auf Basis dieser Hochrechnung.

Die Angebote sind damit nur schwer vergleichbar und ein genauer Vergleich mit einem regulären Studienkredit ist unmöglich, da die jährliche Belastung in Prozent im Verständnis eines Effektivzinses nicht zum Förderbeginn feststeht.

Bildungskredit – für eine kurze Zeit im Studium

Bei Finanzierungslücken beispielsweise während einer kurzen Studienzeit im Ausland oder in der kritischen Abschlussphase des Studiums bietet sich ein Überbrückungskredit mit entsprechend kurzer Laufzeit und darauf begrenzter Darlehenssumme an.

In einer solchen Situation gibt es die Möglichkeit zur Beantragung eines Bildungskredits der Bundesregierung beim Bundesverwaltungsamt.

Bildungskredit – Bestandteile und Konditionen

  • Max. Auszahlungszeit: 24 Monate
  • Max. Auszahlung pro Monat: 300 Euro
  • Einmalige Sonderzahlung von max. 3.600 Euro
  • Variabler Zinssatz mit Orientierung am Sechs-Monats-Interbanken-Euribor
  • Aufschlag auf den Interbanken-Euribor deutlich geringer als bei der KfW
  • Gesamteffektivzins 2019 für Studenten nur 0,73 Prozent pro Jahr

Neben dem Bundesverwaltungsamt stellen beispielsweise bundesweit die E.W.-Kuhlmann-Stiftung sowie ausgewählte Darlehenskassen der Studentenwerke Überbrückungs- oder Abschlusskredite oft zinsfrei zur Verfügung.

Damit sind diese Angebote die günstigste Form für eine teilweise Fremdfinanzierung des Studiums, aber nur für eine begrenzte Anzahl von Studenten und teilweise nur im Härtefall.

Fazit: Studentenkredit – eine ganz persönliche Entscheidung

Die Aufnahme eines Studienkredits stellt eine Entscheidung mit über viele Jahre weitreichenden Folgen und Risiken dar. Mit geliehenem Geld zu studieren bedeutet, sich bereits vor einer etwaigen Karriere ohne Sicherheit auf ein entsprechendes Einkommen zu verschulden.

Auf der anderen steckt darin oftmals die einzige Chance für ein Studium unabhängig von den Finanzen der Eltern. Experten raten deshalb zu einem intensiven Abwägen der Vor- und Nachteile von Studienkrediten vor dem Hintergrund der persönlichen Situation:

Vorteile

  • Durch die Verwendung des Studienkredits für anfallende Lebenshaltungskosten bleibt insbesondere im Vergleich zu einem Nebenjob mehr Zeit zur Konzentration auf das Studium
  • Finanziell weniger gut gestellte Studienanwärter bekommen durch den Studienkredit die Möglichkeit zum Studium
  • Möglichkeit zur Finanzierung eines wichtigen, sonst finanziell oftmals problematischen Auslandssemesters
  • Einkommensunabhängige Gewährung des Kredits

Nachteile

  • Der Studienkredit bedeutet für die angehenden Akademiker eine Verschuldung noch vor dem Start in das spätere Berufsleben.
  • Notwendigkeit zur Rückzahlung der Kreditschulden für Studienabbrecher auch ohne hohes Akademikergehalt

Deshalb fällt eine endgültige Entscheidung besser nicht über Nacht ohne eine persönliche Kosten-Nutzen-Rechnung unter Berücksichtigung der entstehenden Gesamtschulden und dem später zu erwartenden Einkommen. Bei der geplanten Aufnahme eines Studiums mit eher geringen Einkommenserwartungen sprechen die finanziellen Aussichten eher gegen die Aufnahme eines Studienkredits.

Studienkredit – Auswahlkriterien für den besten Anbieter

Die Höhe der Zinsen spielt bei jedem Kredit und somit auch bei einem Studienkredit eine wichtige Rolle. Deshalb folgen Sie der Faustregel: Je niedriger der Zinssatz, desto weniger Schulden muss ein Student für sein Studium machen.

Darüber hinaus sind die folgenden Kriterien auf der Suche nach dem für die jeweilige Ausgangssituation perfekten Studienkredit von Bedeutung:

Zins-/Ratenhöhe• Bestimmt die zu erwartenden Zinsschulden
• Für unvorhergesehene Umstände am besten Möglichkeit zur flexiblen Anpassung der Ratenhöhe
Max. monatliche Auszahlung• Von besonderer Bedeutung bei Finanzierung der Lebenshaltungskosten über den Kredit
• monatliche Kreditsumme ausreichend für Miete, Lebensmittel, Telefon etc.?
Beginn der Rückzahlung• spätestmöglicher Beginn der Rückzahlung?
• Möglichkeit zur Stundung oder Reduzierung der Rückzahlung bei längerer Bewerbungsdauer nach dem Studium
• Altersgrenze?

3-Punkte-Kaufberatung zur Findung des richtigen Produkts

  1. Im Grundsatz sollte ein Studienkredit an letzter Stelle aller denkbaren Finanzierungsmöglichkeiten stehen und idealerweise „nur“ Bafög, Kindergeld, Unterhalt durch die Eltern sowie einen Nebenjob aufstocken. Deshalb gilt: Je später die Aufnahme und je geringer die Summe beim Studentenkredit, desto besser.
  2. Ein guter Studienkredit bietet eine flexible Rückzahlung zur Möglichkeit einer individuellen Anpassung an die jeweiligen Lebensumstände im späteren Arbeitsleben
  3. Neben dem bei Studenten besonders nachgefragten KfW-Studienkredit gibt es noch weitere gute Anbieter:
    – Bildungskredit (Darlehen)
    – Daka-Darlehen (nur in Nordrhein-Westfalen) (Darlehen)
    – Sparkasse (Darlehen)
    – Deutsche Bildung (Studienfonds)
    – apoBank (Darlehen)

Ich freue mich über Fragen und Meinungen zu diesem Artikel. Schreiben Sie mir an: redaktion@arbeitsgemeinschaft-finanzen.de

Ihr Autor: Ralph Bäuchl