Düsseldorfer Tabelle

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wer als unterhaltspflichtige Person, nach einer Trennung, Unterhalt für Kinder bezahlen muss, welche nicht im eigenen Haushalt leben, der erhält Auskunft über die Unterhaltshöhe in der Düsseldorfer Tabelle.
  • Die Düsseldorfer Tabelle wird regelmäßig aktualisiert. So gilt ab Januar 2020 eine neue Tabelle, nach welcher Unterhaltsberechtigte, ob minderjährig oder volljährig, mehr Unterhalt erhalten.
  • Derjenige Elternteil, der in der Unterhaltspflicht steht, kann die Hälfte des Kindergeldes vom zu zahlenden Kindesunterhalt abziehen. Der tatsächliche Betrag, welcher als Unterhalt zu zahlen ist, ist daher nicht mit dem Wert in der Düsseldorfer Tabelle identisch. Die neuen Beiträge greifen ab 1. Januar 2020.
  • Einem erwerbstätigen Unterhaltszahler verbleibt ab 1. Januar 2020 ein Selbstbehalt von 1.160 Euro. Ist der Unterhaltspflichtige nicht erwerbstätig, so gilt der Selbstbehalt von 960 Euro im Monat.

In unserem Ratgeber

Wer sich informieren möchte, wie hoch der Unterhalt im Falle einer Trennung oder Scheidung für die beiderseitigen Kinder ist, der kann sich anhand der Düsseldorfer Tabelle einen Überblick verschaffen.

Was versteht man unter der Düsseldorfer Tabelle?

Darunter zu verstehen, ist eine anerkannte Richtlinie zum Unterhaltsbedarf. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) bringt die Tabelle zusammen mit dem Deutschen Familiengerichtstag stets auf den neuesten Stand.

Dabei werden die Leitlinien vereinheitlicht. Weiterhin werden auch Ergänzungen im Tabellenwerk gezeigt. Die Düsseldorfer Tabellen der letzten Jahre können online, auf der Website des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, eingesehen werden.

Düsseldorfer Tabelle 2020


Quelle: Oberlandesgericht Düsseldorf (Stand: 01.01.2020).

Von wem muss der Unterhalt bezahlt werden?

Der Elternteil, der das gemeinsame minderjährige Kind nicht bei sich hat, ist verpflichtet Barunterhalt zu zahlen (§ 1612a BGB). Volljährige Kinder, welche studieren oder noch in der Ausbildung sind, erhalten Unterhalt von beiden Elternteilen, soweit es deren Leistungsfähigkeit zulässt.

Wie hoch ist der Selbstbehalt?

Mutter mit Kind und Anspruch auf Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle hält Kind an Hand

Eine erwerbstätige Person, welche Unterhalt zahlen muss und schulpflichtige Kinder bis 21 Jahre hat, hat einen monatlichen Selbstbehalt von 1.160 Euro. Dieser Betrag stellt das Existenzminimum dar, d. h. er ist der Betrag, der vom Unterhaltspflichtigen für den eigenen Lebensunterhalt behalten werden darf. Der Selbstbehalt orientiert sich am bereinigten Nettoeinkommen.

Wer nicht erwerbstätig ist, aber dennoch der Unterhaltspflicht unterliegt, für den beträgt das festgelegte Existenzminimum 960 Euro. Darin enthalten sind 430 Euro für Miete inklusive Neben- und Heizungskosten.

Wie hoch ist der Mindestunterhalt pro Kind?

Minderjährige Kinder erhalten einen Mindestunterhalt, welcher sich nach ihrem Existenzminimum richtet. Der Betrag ist durch die Mindestunterhaltsverordnung (§ 1612a BGB) festgelegt.

Seit 1. Januar 2020 haben nachstehende Mindestunterhaltssätze Gültigkeit:

  • 369 Euro bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres
  • 424 Euro bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres
  • 497 Euro bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres

Wie der Name bereits verrät, handelt es sich hierbei um die Beiträge, welche unterhaltspflichtige Elternteile mindestens bezahlen müssen. Je nach individuellem Einkommen eines Elternteils kann der Betrag durchaus aus höher ausfallen.

So nutzen Sie die Düsseldorfer Tabelle zur Ermittlung der zu zahlenden Beträge

Die Düsseldorfer Tabelle zeigt, abhängig vom Nettoeinkommen, die monatlichen Beträge des zu zahlenden Kindesunterhaltes. Bei der Höhe der Unterhaltszahlungen ist auch das Alter der Kinder wichtig. Es werden vier Altersstufen und zehn Einkommensstufen unterschieden.

Unter Beachtung des unterhaltsrelevanten Einkommens und des Kindesalters, kann mit Hilfe der Staffelung der monatlich zu leistende Betrag ganz einfach abgelesen werden.

Die aktuelle Düsseldorfer Tabelle vom 1. Januar 2020, sieht nicht nur höhere Regelsätze als in den Vorjahren vor, auch der zu zahlende Unterhalt für volljährige Kinder ändert sich laut ihr. Das erste Mal seit 2015, erhöht sich zudem auch der Selbstbehalt.

Ein Beispiel: Bei einem unterhaltsrelevanten Einkommen von 2.600 Euro, wird die dritte Einkommensstufe erreicht. Diese reicht von 2.301 Euro bis 2.700 Euro. Ein Kind mit sieben Jahren, wäre in der Altersstufe zwei anzusiedeln. Der Düsseldorfer Tabelle kann daher ein monatlicher Unterhaltsanspruch von 467 Euro entnommen werden.

Wer nur ein Kind oder mehr als zwei Kinder hat, der sollte sich über Ab- und Zuschläge bei der Einstufung in eine höhere oder niedrigere Einkommensgruppe informieren (siehe Spalte 1).

Die Düsseldorfer Tabelle verliert ihre Gültigkeit, sobald ein Nettoeinkommen von 5.501 Euro vorliegt. In diesem Fall wird der Unterhalt nicht mehr nach der Düsseldorfer Tabelle berechnet. Es findet eine Einzelfallprüfung statt und der Unterhalt wird individuell ermittelt.

Bedarfskontrollbetrag und Prozentsatz

Je höher das Einkommen des Unterhaltspflichtigen ist, desto höher ist auch der Betrag der ihm bleibt. Hier entsteht ein sogenannter Bedarfskontrollbetrag, welcher in der letzten Spalte der Düsseldorfer Tabelle zu finden ist.

Alleinerziehender Vater mit Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle hält Hände seines Kindes

Der Prozentsatz, den man in der vorletzten Spalte sieht, zeigt die Unterhaltssteigerung der Einkommensgruppe im Vergleich zum Mindestunterhalt der ersten Einkommensgruppe an.

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Studiengebühren sind in den Unterhaltsbeträgen nicht enthalten. Sie alle gelten als zusätzlich zu zahlender Mehrbedarf.

Unter Sonderbedarf hingegen versteht man einmalige, hohe und unerwartete Ausgaben, die im Einzelfall vom Unterhaltspflichtigen getragen werden müssen.

Wird das Kindergeld berücksichtigt und wie?

Beiden Eltern steht die Hälfte des Kindergeldes für minderjährige Kinder zu. Das Kindergeld erhält jener Elternteil, bei welchem das Kind lebt. Darum kann der andere, unterhaltspflichtige Elternteil 50% des Kindergeldes vom zu zahlenden Unterhaltsbetrag abziehen.

Daher ergibt sich der letztendlich zu zahlende Betrag nicht aus der Düsseldorfer Tabelle. Man erhält diesen erst, wenn die Hälfte des Kindergeldes abgezogen ist.

Seit 1. Juli 2019 beläuft sich das Kindergeld für das erste und das zweite Kind monatlich auf 204 Euro. Demnach sind es 102 Euro welche mit dem Unterhalt verrechnet werden dürfen. Für das dritte Kind erhalten Eltern 210 Euro und es dürfen daher 105 Euro vom Unterhalt abgezogen werden. Ab Kind Nummer vier wird Kindergeld in Höhe von 235 Euro ausgezahlt. Auch hier darf wieder die Hälfte davon, also 117,50 Euro, mit dem Kindesunterhalt verrechnet werden.

Anrechnung des Kindergeldes bei volljährigen Kindern

Bei volljährigen Kindern funktioniert die Berechnung des Unterhaltes wiederum etwas anders, denn das Kindergeld muss in seiner vollen Höhe an dieses Kind weitergeleitet werden. Daher darf laut Düsseldorfer Tabelle der gesamte Kindergeldbetrag vom Unterhalt abgezogen werden. Ist ein Kind volljährig, steigt die Unterhaltspflicht, dennoch wird der zu zahlende Unterhalt durch die Verrechnung verringert.

Das volljährige Kind erhält jedoch trotzdem mehr Geld, denn es werden die Einkommen beider Elternteile zur Unterhaltsberechnung herangezogen. Die Düsseldorfer Tabelle gilt zwar nach wie vor, der Unterhaltsanspruch wird aber auf ganz andere Art und Weise berechnet.

Praxis-Tipp: Die Unterhaltspflicht kann beispielsweise auch bei der Einkommensteuer als außergewöhnliche Belastung angegeben werden.

Was muss 2020 bezahlt werden?

Die nachstehende Tabelle zeigt Ihnen, wie viel Unterhalt nach Verrechnung des halben Kindergeldes für das erste und das zweite Kind bezahlt werden muss.

Düsseldorfer Tabelle 2020: 1. und 2. Kind

Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, was Sie für das dritte Kind nach Verringerung des Unterhaltes um das halben Kindergeld noch aufbringen müssen.

Düsseldorfer Tabelle 2020: 3. Kind

Unsere letzte Tabelle zeigt, wie viel Sie effektiv nach Verrechnung des halben Kindergeldes ab dem Vierten Kind zahlen müssen.

Düsseldorfer Tabelle 2020: ab 4. Kind


Quelle: Oberlandesgericht Düsseldorf (Stand: 01.01.2020).

Wie berechnet man das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen?

Hier ist Ihnen die Düsseldorfer Tabelle leider keine Hilfe. Es ist schwierig, das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen korrekt festzustellen. Denn für gewöhnlich stimmt der Nettobetrag des Einkommens, welcher auf den Lohn- und Gehaltszetteln ausgewiesen ist, nicht mit dem unterhaltsrelevanten Nettoeinkommen überein.

Beispielsweise dürfen Sie Ihr Nettoeinkommen unter gewissen Bedingungen um berufsbedingte Aufwendungen verringern.

Praxis-Tipp: Kostenlose Unterhaltsrechner im Internet helfen Ihnen einen ersten Überblick über den zu zahlenden Unterhalt zu bekommen.

Allerdings sind die Zahlen der Unterhaltsrechner mit keiner Garantie verbunden und in den meisten Fällen wird der tatsächlich von Ihnen zu zahlende Betrag noch einmal etwas anders ausfallen.

Viele Rechner basieren zwar auf der Düsseldorfer Tabelle, das Unterhaltsrecht ist allerdings so vielschichtig und komplex, dass sich Ihr individuell zu zahlender Betrag nur schwer über einen verallgemeinerten Rechner im Internet ermitteln lässt.

Wann ist die Aktualisierung der Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle wird ca. im Zwei-Jahres-Takt aktualisiert. Die zu zahlenden Beträge werden aber auch immer dann verändert, wenn es auch ein Mehr an Kindergeld gibt.

Praxis-Tipp: Informieren Sie sich über regionale Sonderregelungen!

Die Oberlandesgerichte mancher Bundesländer haben zum Teil eigene Regelungen nach welchen sich der Unterhalt richtet.

Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Wer muss Unterhalt bezahlen?
Nur wer leistungsfähig ist, der muss Unterhalt bezahlen. Jedem steht das Recht zu, zuerst den Eigenbedarf zu decken, bevor Unterhalt gezahlt werden muss. Verdient ein erwerbstätiger Elternteil monatlich weniger als 960 Euro, muss kein Unterhalt bezahlt werden.
Wie viel Unterhalt muss bezahlt werden?
Ein kleines Beispiel: Ein Elternteil verdient 2.000 Euro netto. Es soll Unterhalt für die zehnjährige Tochter bezahlt werden. Nach der Düsseldorfer Tabelle ergibt sich ein Unterhalt von 427 Euro. Die Hälfte des Kindergeldes, also 97 Euro, dürfen verrechnet werden.
Wie hoch ist der Selbstbehalt?
Der Eigenbedarf ist nach den Richtlinien des OLG Düsseldorf für Unterhaltszahlungen an minderjährige und volljährige Kinder anzuwenden. Wenn der Unterhaltspflichtige erwerbstätig ist hat er 1.160 Euro Eigenbedarf, bei nicht Erwerbstätigen sind es 960 Euro.
Wird das Kindergeld mit dem Unterhalt verrechnet?
Das Kindergeld wird voll ausbezahlt und zwar an den Elternteil, bei dem das Kind wohnt. Daher wird die Hälfte des Kindergeldes vom Unterhalt abgezogen.