Reiserücktrittsversicherung

Aktualisiert: 01. Dezember 2019 | Redaktion
Das Wichtigste auf einen Blick
Reiserücktrittsversicherung – geringe Kosten, großer Nutzen?

  • Die Reiserücktrittsversicherung übernimmt, unter bestimmten Umständen, die Stornokosten Ihrer Reise.
  • Stornokosten können bis zu 80% des Preises Ihrer gebuchten Reise ausmachen.
  • Eine Reiseabbruchversicherung kann eine sinnvolle Ergänzung sein.
  • Falls Sie mehrmals im Jahr verreisen, ist ein Jahresvertrag günstiger als die Versicherung mehrerer, einzelner Reisen.
  • Eine einfache Krankschreibung durch den Arzt wird in der Regel als Rücktrittsgrund nicht anerkannt.
  • Oftmals hängt die Akzeptanz eines Reiserücktrittgrundes von der Auslegung der zuständigen Versicherung ab. Informieren Sie sich daher vorab intensiv über die definierten Versicherungsbedingungen, damit Sie wissen welche Fälle kritisch werden könnten.

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In unserem Ratgeber “Wissenswertes”

Wo und wann ist eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll?

Eine Reiserücktrittsversicherung ist nicht pauschal bei einer Reise nötig, sondern macht erst ab einem gewissen Betrag Sinn oder wenn Senioren oder Kinder zu den Begleitern gehören. Die Stornogebühren für eine kostengünstige Singlereise, die weniger als eine Woche vor der Abreise storniert wird, betragen zwischen 80 und 90 Prozent des Reisepreises.

Prinzipiell lohnt sich eine Reiserücktrittsversicherung erst, wenn die Stornogebühren die Höhe der Versicherungsprämie überschreiten.

Zudem ist das Risiko bei einer Singleperson geringer als bei einer Familie mit Kindern und der Schwiegermutter. Bei einer Familie steigt einfach das Risiko, dass ein Mitglied erkrankt oder verhindert ist. Aber ein Familie, die in den Jahresurlaub mit fünf oder sechs Personen fährt, steigt der Preis der Reise auch an, vor allem, wenn es ein Urlaub mit gehobenem Komfort sein soll. Da übersteigen die Stornogebühren die Kosten für die Reiserücktrittsversicherung um ein Vielfaches.

Obgleich bei einer teuren Urlaubsreise eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll ist, sollte sie nicht spontan abgeschlossen werden. Es gibt zwei Typen von Versicherungen für einen Reiserücktritt. Die erste ist eine Ganzjahres-Police, die sich für jene Kunden eignet, die mehrmals pro Jahr in den Urlaub fahren. Wer dagegen nur einen Jahresurlaub macht, kann auch eine einmalige Police auswählen, die meist günstiger ist.

Als Anbieter kommen die meisten Versicherungen in Frage, weshalb die Auswahl an Angeboten riesig ist. Leider gibt es immense Preisunterschiede und die Unterschiede beim Service sind enorm. Die direkten Angebote der Reiseveranstalter schneiden bei näherem Hinsehen in den unabhängigen Tests meist schlecht ab und stellen sich aus überteuert heraus. Ähnlich zu bewerten sind auch jene Angebote auf Airline-Websites. Stattdessen sollte sich ein Kunde vor dem Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung lieber im Internet informieren. Auf den Vergleichsportalen finden sich Anbieter mit einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Experten sowie Verbraucherschützer raten von spontanen Kompakt-Angeboten ab, da sie oft überflüssig oder überteuert sind. Inwieweit eine Gepäckversicherung nötig ist, sollte jeder für sich am Wert seines Kofferinhaltes bemessen. Zudem lohnt es sich, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob diese die Kosten für eine Behandlung im europäischen Ausland in der Regel übernimmt. Sollte allerdings die Urlaubsreise nicht ins europäische Ausland gehen, ist eine Auslandsreiseversicherung eine sinnvolle Absicherung für den Ernstfall. Jedoch darf ein Kunde auch hierbei auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten, um Geld zu sparen und mehr Service zu bekommen.

Wie beeinträchtigt Covid-19 meine Reisepläne?

Das neuartige Corona-Virus legt im Frühjahr 2020 nicht nur den Alltag vieler lahm, sondern zwingt Reisende auch zur Stornierung bzw. Umbuchung.

Corona Virus Covid19 und Reise Einschränkungen

Der Virus Sars-CoV-2, oder auch Corona-Virus genannt, löst die Krankheit Covid-19 aus, welche sich durch Atemwegsbeschwerden auszeichnet, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Da sich der Erreger rasant schnell über Tröpfcheninfektion ausbreitet, haben ein Großteil der Länder auf der ganzen Welt scharfe Vorsichtsmaßnahmen ins Leben gerufen – unter Anderem Quarantäne- und Einreisebestimmungen.

Am 17. März 2020 hat auch das Auswärtige Amt hier in Deutschland eine generelle Reisewarnung für alle Länder ausgesprochen. Dies liegt vor allem an der Ungewissheit über die Möglichkeit der Rückreise und die sich stetig verschärfenden Quarantänevorgaben.

Mit den vielen Unklarheiten bezüglich der Rückreise und der allgemeinen Ansteckungsgefahr, stellen sich nun natürlich viele die Frage: Kann ich meinen Urlaub stornieren?

Kann ich eine selbst zusammengestellte Reise stornieren?

Ganz so einfach geht das leider nicht. Oft müssen Sie hier auf die Kulanz Ihres Gegenüber hoffen.

Laut deutschem Recht muss zwar, z. B. für eine nicht genutzte Unterkunft, nicht gezahlt werden, allerdings gilt für den Betreiber der Unterkunft das Recht seines Landes. Hier kann es schwierig werden Beträge einzuklagen. Auch Flüge können Sie nicht einfach ohne Weiteres stornieren und darauf Bestehen Ihr Geld zurückzubekommen.

Dennoch ist hier nicht alles Geld verloren. Viele Unterkunftsbetreiber und Fluggesellschaften zeigen sich in dieser schweren Zeit äußerst kulant. So werden viele Flüge oder Übernachtungen direkt von den jeweiligen Anbietern storniert, womit Sie auch Ihr Geld zurückbekommen.

Andere Betreiber bieten Umbuchungen ohne Zusatzkosten an. Informieren Sie sich hierzu auf der jeweiligen Website Ihrer Unterkunft oder Fluggesellschaft und wenden Sie sich bei Fragen zu Ihrem individuellen Fall an die unternehmenseigenen Servicemitarbeiter.

Praxis-Tipp: Auch die Deutsche Bahn bietet flexible Umbuchungsmöglichkeiten für ihre Tickets an. Sollte der Reisegrund aufgrund des Corona-Virus wegfallen, können Sie Tickets sogar kostenlos stornieren.

Kann ich eine Pauschalreise stornieren?

Bei Pauschalreisen ist es schon etwas leichter Geld zurückzubekommen, da Sie keine einzelnen Verträge mit Fluggesellschaften, Hotelbetreibern etc. eingegangen sind, sondern lediglich einen einzigen Vertrag mit einem Reiseveranstalter abgeschlossen haben.

Hinzu kommt, dass Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes in der Vergangenheit nicht selten die Grundlage für Rechtsprechungen zugunsten der Reisenden waren.

Allerdings muss es in den meisten Fällen gar nicht erst bis hin zur gerichtlichen Verhandlung kommen, denn ein Großteil der Reiseveranstalter hat seinen Kunden bereits angeboten, Pauschalreisen umzubuchen oder sogar kostenlos zu stornieren. Setzen Sie sich mit Ihrem Reiseveranstalter in Verbindung und klären Sie hier Ihre individuellen Möglichkeiten ab.

Hier noch weitere Tipps in Bezug auf das Reisen während der Corona-Krise:

  • Auch für Reisen in Deutschland werden nach und nach Einschränkungen von den Ländern durchgesetzt. Viele Unterkunftsbetreiber und Transportunternehmen werden hier daher in naher Zukunft Ihre Buchung stornieren oder Ihnen eine Umbuchung anbieten müssen. Informieren Sie sich zum neustem Stand im jeweiligen Bundesland!
  • Sollten Sie sich gerade in Ausland aufhalten, dann bleiben Sie unbedingt top informiert! Setzen Sie sich mit Reiseveranstaltern beziehungsweise Fluganbietern in Verbindung, um herauszufinden wie genau und ob Ihre Rückreise stattfindet.
  • Sollten Sie während Ihrer Auslandsreise unter Quarantäne gestellt werden, dann befolgen Sie unbedingt die Anweisungen der Behörden vor Ort. Sie können in jedem Fall erst nach Beendigung der Quarantänemaßnahmen wieder nach Deutschland einreisen. Mit zusätzlichen Unterkunftskosten für den verlängerten Aufenthalt können Hotels etc. an die landeseigenen Behörden verwiesen werden.

Wann zahlt meine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt, wenn Sie z. B. einen Krankheitsfall nachweisen können. Haben Sie sich also bestätigter weise mit dem Corona-Virus infiziert, so greift Ihre Versicherung. Sind Sie gesund, wollen aber, zu Recht, aufgrund der aktuellen Lage Ihre Reise nicht antreten, wird Ihre Reiserücktrittsversicherung den Ausfall nicht übernehmen.

Viele Versicherungen sind genau gegen solche Fälle über die geschlossenen Verträge abgesichert, sodass Sie auch vor Gericht nur wenig Chancen haben, eine Kostenübernahme durchzusetzen.

Den besten Tarif für sich finden

Eine Versicherung für eine kurzfristige Absage einer Reise abzuschließen, ist nicht gerade billig und schmälert die Urlaubskasse schnell mal um einen dreistelligen Betrag. Zudem erweist sich dieses Geld in vielen Fällen als Fehlinvestition, da die Reise wie gehofft angetreten werden konnte. Darum zögern einige Urlauber, ob sie eine solche Versicherung wirklich brauchen. Und das ist auch der richtige Schritt, denn es ist ein simples Rechenspiel, ob eine Versicherung gegen hohe Stornokosten sinnvoll ist.

Sobald sich die Kosten für Versicherung wie für die potentiellen Stornogebühren die Waage halten, lohnt sie sich kaum.

Sollte allerdings eine riesige Lücke zwischen Kosten und Nutzen stehen, ist sie eine Überlegung wert. Und da ist eine vernünftige und gesunde Einschätzung des eigenen Risikos wichtig. Wer seinen Familienurlaub mit Kindern im Kindergartenalter antritt, sollte auf jeden Fall damit rechnen, dass eine Erkrankung in dem Alter dazwischen kommen kann. Ebenso anfällig für Infektionen oder eine andere Art der Unpässlichkeit sind ältere Menschen, deren Gesundheitszustand sich schnell verschlechtern kann. Nicht umsonst werden in der Versicherungssprache Senioren wie auch Kinder als Risikopersonen bezeichnet.

Die meisten Experten empfehlen eine Reiserücktrittsversicherung mit der Buchung eines Urlaubs abzuschließen, da sie von vielen Kunden im Nachhinein vergessen wird. Allerdings sind die leicht verfügbaren Versicherungsangebot oftmals teuer oder bieten nur einen eingeschränkten Service, manchmal sind sie sogar teuer und nützen im Schadensfall kaum etwas. Seit es üblich geworden ist, Versicherungen über das Internet abzuschließen, ist die Produktvielfalt ins Enorme gewachsen.

Praxis-Tipp: Daher sollte niemand mehr spontan eine Standard-Versicherung in Kombination mit dem Reiseangebot abschließen, denn es gibt immer bessere Angebote.

Hilfreich ist es hier, ein Onlineportal zu wählen, das kritisch und verbraucherfreundlich zahlreiche Reiserücktrittsversicherungen unter die Lupe genommen hat. Dazu gehören unabhängige Ratgeber wie auch die Verbraucherzentralen. Sie haben in ihren Überprüfungen Testsieger ermittelt und bieten oft sogar alternativ noch einen Preis-Leistungs-Sieger an, der gute Leistungen für wenig Geld offeriert. Es braucht nur wenige Minuten und ein paar Klicks, um diese überprüften Reiserücktrittsversicherungen zu finden.

Sobald es einen oder zwei Favoriten gibt, sollte der Kunde die jeweiligen Konditionen überprüfen und welche Kosten dabei auf ihn zukommen. Leider ärgern sich viele Kunden, die eine Reiserücktrittsversicherungen im guten Glauben abgeschlossen haben, später darüber, da die Versicherung ihren Rücktrittsgrund nicht akzeptieren wollte. Eine Krankschreibung wie beim Arbeitgeber reicht einer Versicherung nicht aus, die auf einen umfangreichen Fragebogen besteht, den der behandelnde Arzt ausfüllen muss. Das kann unter Umständen zusätzliche Kosten bedeuten. Darum vor Vertragsabschluss einen Blick ins Kleingedruckte werfen, denn eine Reiserücktrittsversicherung, die nur bei Krieg oder im Falle einer Naturkatastrophe die Stornogebühren übernimmt, ist wenig hilfreich, wenn sich einer ein Bein gebrochen hat.

In welchen Fällen greift die Reiserücktrittsversicherung?

Viele Leute glauben, sobald sie bei der Versicherung ein Kreuz gemacht haben, sind sie gegen alle Eventualitäten abgesichert. Aber das ist ein viel verbreiteter Irrglaube, denn eine Reiserücktrittsversicherung zahlt in vielen Fällen nicht, obwohl die Reise nicht angetreten wurde. Der Versicherte hat bei unerwarteten oder auch wichtigen Ereignissen ein Recht, die gebuchte Reise nicht anzutreten und sich die Stornogebühren ersetzen zu lassen.

Bei einem Todesfall im engeren Familienkreis ist ein Reiserücktritt eigentlich immer möglich. Dagegen gilt eine kurzfristige Trennung vom Lebensgefährten nicht als ausreichender Grund für den Rücktritt von einem gebuchten Urlaub. Im Einzelfall ist oft die Auslegung der Versicherung und es immer eine gute Maßnahme vor einem offiziellen Rücktritt von der Reise, die Versicherung einfach zu fragen, ob der vorhandene Grund akzeptiert wird oder nicht. Wer ganz sicher gehen will, lässt sich das sogar schriftlich bestätigen.

Welche Fälle deckt die Reiserücktrittsversicherung ab?

Immer abgedecktnur in manchen Tarifen
Familiärer TodesfallScheidungseinreichung
Schwere, unvorhersehbare KrankheitPrüfungswiederholung
Schwerer UnfallBeruflicher Wechsel
SchwangerschaftskomplikationenUnerwartete Organspende
Gerichtsvorladung als Zeuge
Schwerer Vermögensschaden
Impfunverträglichkeit
Unvorhersehbarer Arbeitsplatzverlust
Flug verpasst (wenn öffentliche
Verkehrsmittel mind. 2h Verspätung hatten)

Quelle: Eigene Recherche der großen Versicherungsanbieter ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In den meisten Fällen ist für einen Reiserücktritt ein anerkannter Grund eine schwere Krankheit, die bisher nicht bekannt war. Zudem kommen Folgen durch ein Verbrechen oder eine schwere Straftat wie durch einen Unfall. Sollten bei einer Schwangerschaft plötzliche Komplikationen auftreten, wird dies auch als Grund für einen Rücktritt anerkannt. Das gleiche gilt für alle Fälle, in denen eine Impfunverträglichkeit oder der Defekt einer Prothese vorliegt. Sogar die Vorladung als Zeuge vor Gericht ist für einen Rücktritt für die Versicherung statthaft. Der unerwartete Verlust des Arbeitsplatzes ist auch ein akzeptables Argument.

Sollten bei der Anreise die öffentlichen Verkehrsmittel eine mehr als 2 stündige Verspätung aufweisen und dadurch die Flug verpasst werden, ist auch dies für eine Versicherung ein guter Grund. Dabei sollte ein Kunde aber immer bedenken, dass jede Versicherung eine andere Firmenpolitik vertritt und es immer Ausnahmen von den Regelungen gibt. Darum kann ein Informationsgespräch mit der Versicherung im Vorfeld des Reiserücktritts hilfreich sein. Bei einer geplanten Urlaubsreise als Familie ist es sowieso sinnvoll, die Versicherung nicht nur auf den Namen einer Person abzuschließen. Die Versicherung sollte für alle Personen abgeschlossen werden. So sind alle Mitglieder bei der Reise abgesichert, falls eine Person nicht fahren kann.

Es gibt aber auch Gründe für einen Reiserücktritt, bei denen die Versicherten kaum eine Chance darauf haben, dass dieser Grund akzeptiert wird. Bei “höherer Gewalt” greift die Versicherung im Regelfall nicht. Dazu gehört der Terror in einem Land.

Praxis-Tipp: Wer also seinen Urlaub in einem Reiseziel verbringen will, in dem die politische Lage als unsicher oder instabil gilt, bekommt in aller Regel keine Erstattung, falls die Lage plötzlich eskaliert oder jemand die Lage auf einmal zu unsicher erscheint.

Auch ein neues Jobangebot eines anderen Arbeitgebers ist für eine Versicherung kein akzeptabler Grund für den Reiserücktritt. Das gilt auch, wenn eine Schulprüfung oder eine Prüfung an der Uni wiederholt werden soll. Bei einer Scheidung der Urlaubsteilnehmer wird die Versicherung die Kosten einer Stornierung ebenfalls nicht übernehmen. Auch bei einer Verlängerung des Aufenthalts, weil das Wetter schlecht ist, ist die Reiserücktrittsversicherung nicht dafür haftbar zu machen.

Bei einem Versicherungsabschluss muss ein Kunde immer damit rechnen, mit dem Versicherer auch vor Gericht zu landen. Das ist teuer und vor allem bei einem Streitwert, der unter 10.000 Euro liegt, sind die Verfahrenskosten inklusive der Anwälte teilweise höher als der Schaden selbst. Es gibt allerdings auch Reiserücktrittsversicherungen, die sich in Streitfall auf einen Schiedsspruch durch einen Ombudsmann einlassen. Für die Versicherer ist dieser Schiedsspruch bindend, wenn der Streitbetrag unter 10.000 Euro liegt. Durch ein solches Verfahren können die Beteiligten viel Geld sparen und haben eine gute Chance darauf, zu ihrem Recht zu kommen. Darum sollte ein Kunde vor der Unterschrift den Vertrag darauf prüfen, ob im Streitfall eine Schlichtung durch einen Versicherungsombudsmann möglich ist.

Welche Kosten übernimmt eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung ist eigentlich dafür gedacht, die anfallenden Stornogebühren auszugleichen, wenn eine Reise kurzfristig abgesagt wird. Gerade bei einer Familienreise und einem exklusiveren Ziel können da vierstellige Beträge anfallen, die für eine nicht nutzbare Leistung gezahlt werden sollen. Wer bei den Kosten für eine Reiserücktrittsversicherung sparen will, kann eine Variante mit einer Selbstbeteiligung wählen. Dies bedeutet, dass der Versicherten einen Teilbetrag des Schadens selber trägt. In der Regel sind es ein Fünftel der Schadenssumme. Eine solche Regelung senkt zwar die Kosten für eine Reiserücktrittsversicherung, steht aber in der Regel in keinem guten Verhältnis zu den Einsparungsmöglichkeiten dazu.

Wer hier mit dem Gedanken spielt, eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren, sollte eine Überschlagsrechnung erstellen. Zunächst hört sich eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent akzeptabel an. Aber bei einem Schaden von 4000 Euro, muss der Versicherte 800 Euro selber tragen. Ob die Einsparung von 20 oder 30 Euro bei der Reiserücktrittsversicherung so günstig gewählt war, ist mehr als fraglich. Es lohnt sich also nicht, hier am falschen Ende sparen zu wollen.

Zudem übernimmt die Reiserücktrittsversicherung bei einigen Anbieter nicht nur die Stornogebühren, sondern auch einige der Folgekosten der Stornierung. Es gibt jedoch meist eine Obergrenze, um die Schadenssumme insgesamt zu begrenzen. Trotzdem übernehmen einige Versicherungen zusätzlich neben den Kosten der Stornierung auch eventuelle Gebühren für eine Umbuchung wie auch für angefallen Mehrkosten durch gebuchte Reiseleistungen oder die erhöhten Preise für einen Einzelzimmerzuschlag, wenn es um eine Singlereise geht. Somit kommt eine Reiserücktrittsversicherung im günstigen Fall auch noch für einen Großteil des wirklich entstandenen Schadens durch die Absage der Urlaubsreise auf.

Da es nach dem deutschen Reiserecht häufiger zu Streitigkeiten um das Thema Kosten bei Reiserücktritt gekommen ist, gibt es inzwischen dazu auch zahlreiche Urteile. Dieses Wissen kann bei einer Absage für einen Versicherten wichtig sein. Zum einen wird die Höhe der Stornokosten gestaffelt und erhöht sich, je näher der geplante Reisetermin rückt. Das hängt damit zusammen, wie schwierig es für den Anbieter ist, die gebuchten Hotelzimmer oder Flüge jemand anderen anzubieten.

Was bei einer Reiserücktrittsversicherung zu beachten ist

Die meisten Experten empfehlen, die Reiserücktrittsversicherung gleich mit der Buchung abzuschließen. Sie fürchten, dass die Urlauber sie sonst auf die lange Bank schieben und dann ganz vergessen. Allerdings kann eine solche Reiserücktrittsversicherung bis zu 30 Tage vor Reiseantritt abgeschlossen werden. Bei einer Last-Minute-Reise gelten andere Fristen wie bis zu 3 Tagen nach Urlaubsbuchung oder bei einer Bestätigung der Buchung. Wer zu den beliebten Frühbuchern gehört, hat also einige Wochen Zeit, sich über die Reiserücktrittsversicherung zu informieren.

Es ist zwar nicht ratsam, den Abschluss dieser Versicherung wirklich bis zur letzten Sekunde hinaus zu zögern. Allerdings ist die spontane Wahl der meist mit viel Werbung angepriesenen Reiserücktrittsversicherungen oft zu teuer im Vergleich zu anderen Anbietern. Nach der Reiseuchung sollte der Kunde zunächst sein persönliches Risiko realistisch einschätzen und danach seine Entscheidung treffen.

Praxis-Tipp: Ab einem Reisewert von 3.000 Euro waren in unseren Recherchen Einjahresverträge oftmals günstiger. Dieser verlängert sich jedoch ohne Kündigung in der Regel um ein weiteres Jahr.

Beim Abschluss der Reiserücktrittsversicherung ist es wichtig, den kompletten Betrag des Reisepreises anzugeben. Manche Kunden versuchen, die einmalige Zahlung dadurch zu verringern, dass sie nur die Kosten für die Flüge oder für das Hotel angeben und die Flüge nicht mit angeben. Dadurch entsteht eine niedrigere Summe, was auch die Gebühr der Versicherungspolice senkt. Allerdings ist so auch nur der angegebene Betrag versichert und der Kunde bleibt auf den anderen Kosten allein sitzen.

Wer sich für einen Jahresvertrag bei der Reiserücktrittsversicherung entschieden hat, steht meist vor einem ähnlichen Problem. Schließlich muss er schätzen, was ihn die Reisen innerhalb eines Jahres ungefähr kosten werden. Dazu gehört vor allem die möglichst korrekte Schätzung der teuersten geplanten Reise. Für jene Kunden, die eine mehrjährige Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, gilt jedoch, dass die Reisekosten für ein Jahr bei Bedarf geändert werden können und sich der Jahresbeitrag entsprechend anpasst. Wer also in einem Jahr mal nicht so viel verreist, zahlt dann auch einen deutlich geringeren Preis.

Sollte der Ernstfall eintreten und eine Absage der Reise nötig sein, sollte die Versicherung darüber so schnell wie möglich informiert werden. Je eher der Anbieter der Reiserücktrittsversicherung darüber informiert ist, desto geringer sind die entstehenden Kosten. Erkrankt beispielsweise ein Versicherter 2 Wochen vor seinem Reiseantritt schwer, wird es die Versicherung als grob fahrlässig werten, wenn er diese Erkrankung erst eine Woche vor dem Reisetermin angibt. In diesem Fall die Versicherung nur für den Schaden haftbar, der seit Krankheitsbeginn entstanden ist. Den Restbetrag muss der Versicherte trotz seiner Police selber übernahmen, weil er fahrlässig gehandelt hat.

Für solche Fälle haben viele Versicherungen einen Telefon-Service eingerichtet, bei der die Versicherten jederzeit eine telefonischen Beratung zum Thema Stornierung bekommen können. Hier erfahren die Versicherten auch, wie sie am besten in solchen Situationen vorgehen sollen, um ihren vollen Versicherungsschutz zu erhalten und möglichst wenig Strafgebühren zahlen zu müssen.

Reiserücktrittsversicherung für Klassenfahrten oder Gruppenreise für Vereine

Es kommt immer häufiger vor, dass Klassenfahrten bei Teenagern ins Ausland führen. Da gibt es teilweise Reiseziele im Süden Europas, in Afrika oder sogar Südamerika. Die meisten Schulklassen bezeichnen diese Aktionen als den Höhepunkt ihres Schuljahres und es wird neben Aufwand auch viel Geld investiert. Hier sollte unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen werden, damit die Schüler nicht finanziell ausbluten, sollte die Reise nicht wie geplant stattfinden können.

Einige der Versicherungen bieten spezielle Policen für Klassenfahrten an, die mit ihren speziellen Konditionen an diese Bedingungen besonders angepasst sind. Dieser gilt natürlich nicht nur für Schulklassen, sondern auch für Vereine oder andere Gruppierungen, die gern zusammen Urlaub machen wollen oder eine besondere Reise geplant haben.

Zum Leistungsumfang dieser Gruppenreisen oder Klassenfahrten gehört der Schadensersatz für die angefallenen Stornierungskosten wie auch für die Erstattung aller Mehrkosten, falls die Anreise aus bestimmten Gründen verschoben wird. Es können allerdings auch auftretende Umbuchungskosten übernommen werden. Bei diesen Gruppenreisen gibt es einige akzeptable Gründe für eine Absage der Reise, welche bei der Versicherung geltend gemacht werden können. Dazu gehören schwere, plötzlich auftretende Erkrankungen oder schwere Verletzung durch Unfälle. Auch Schwangerschaften werden als Grund für eine Reisestornierung anerkannt und auch eine Organspende gilt als annehmbarer Grund für einen Reiserücktritt. Selbstverständlich gilt das auch für den Tod eines nahen Verwandten oder andere schwerwiegende Gründe.

Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Muss jede Reise durch eine Reiserücktrittsversicherung abgesichert sein?
Sie muss nicht, kann aber. Bei Wochenendtrips oder überaus günstigen Kurztrips lohnt es sich vielleicht gar nicht. Bei teuren Reisen im 4-stelligen Bereich lohnt es sich auf jeden Fall, da die Stornokosten bis zu 80 Prozent des Preises ausmachen können.
Reicht eine Krankenbescheinigung vom Arzt für einen Reiserücktritt?
Nein, die Versicherung verlangen dabei einen ausführlichen Bericht in Form eines Fragebogens durch den Arzt.
Wer zahlt die Stornokosten, wenn die Versicherung den Rücktrittsgrund nicht akzeptiert?
In diesem Fall zahlt der Versicherungsnehmer die Stornogebühren selber. Daher sollte jeder vor Vertragsabschluss genau klären, welche Gründe akzeptiert werden.
Bis wann muss ich eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen haben?
Sie sollte spätestens 30 Tage vor Reiseantritt abgeschlossen sein.

Hier beginnen nun die Praxistipps zur Findung eines geeigneten Anbieters:

Die beste Vorgehensweise

  • Bei längeren und kostspieligen Reisen ist der Abschluss ratsam.
  • Buchen Sie nicht die überteuerten Standardangebote von (Online-)Reiseanbietern und Airlines, welche Ihnen direkt zur Reisebuchung mitangeboten werden.
  • Schließen Sie die Reiserücktrittsversicherung idealerweise spätestens 30 Tage vor Reiseantritt ab.
  • Schließen Sie nur eine Versicherung ab, die auch den Reiseabbruch abdeckt.
  • Informieren Sie sich vorab intensiv über die definierten Versicherungsbedingungen, damit Sie wissen, welche Auslegung der zuständigen Versicherung erwartet werden kann und welche Fälle kritisch werden könnten.
  • Verreisen Sie mehrmals im Jahr, lohnt sich die Prüfung von Jahresverträgen und/oder Familientarifen.
  • Wir empfehlen als Reiserücktrittsversicherung den Testsieger der Stiftung Warentest “TravelSecure” ohne Selbstbeteiligung.
  • Testsieger mit der Note GUT (1,6) im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ 03/2018)
  • Tarif: Topschutz
  • Bei 1.500 € Reisepreis Beitrag 52,00 € für Einzelpersonen
  • Bei 1.500 € Reisepreis Beitrag 58,00 € für Familien
  • Angebot ohne Selbst­betei­ligung
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