Recht

Stornokosten bei Reiserücktritt

Die schlechte Nachricht vorweg: Wenn keine Reisekostenrücktrittsversicherung vorliegt und die Reise muss kurzfristig aufgrund eines Notfalls, einer Krankheit oder eines anderen wichtigen Grundes abgesagt werden, müssen hohe Stornokosten, abhängig von den Vertragsbedingungen auch der gesamte Reisebetrag, bezahlt werden.

Ein kostenfreier Reiserücktritt wird nur dann gewährt, wenn ein Fall höherer Gewalt vorliegt, wie beispielsweise ein Kriegsausbruch oder verheerende Naturkatastrophen im Urlaubsland.

Aber: Ein Fall höherer Gewalt liegt erst dann vor, wenn die Reise durch Krieg, Aufstände oder Naturkatastrophen beeinträchtigt wird, das heißt, wenn die Reise direkt ins Katastrophengebiet führt und das Leben der Urlauber gefährdet ist.

Praxis-Tipp: Das Auswärtige Amt gibt auf seiner Website unter der Rubrik Reise & Sicherheit Warnhinweise für besonders gefährliche Regionen. Wird das Urlaubsziel in der Liste genannt, besteht Aussicht, dass die Reise wegen höherer Gewalt kostenlos storniert werden kann.

Aber: Es muss sich dabei um eine Reisewarnung handeln – nur Sicherheitshinweise oder u.U. auch Teilreisewarnungen* berechtigen nicht zum kostenfreien Reiserücktritt.

*Eine Teilreisewarnung besteht dann, wenn nur ein Teil des Landes von höherer Gewalt betroffen ist. Kommt es z.B. im Osten eines Landes zu einer Naturkatastrophe, das Reiseziel befindet sich jedoch im Westen, ist der Reisende nicht direkt davon betroffen und kann die Reise daher nicht kostenfrei stornieren.

Wie hoch sind die Stornokosten bei Reiserücktritt?

Wie hoch die Stornokosten letztendlich sind, hängt von der Art des Reisevertrages ab.

So können die Rücktrittskosten für Billigreisen, Kreuzfahrten und Ferienhausverträge deutlich höher ausfallen als die für Pauschalflugreisen.

Aufschluss darüber gibt das Kleingedruckte unter dem Punkt „Allgemeine Reisebedingungen“ im Reisevertrag.

In der Regel sind die Stornogebühren gestaffelt und betragen beispielsweise bei Pauschalflugreisen bis zu 30 Tage vor Reiseantritt 15-20 % des Gesamtreisepreises, bei kurzfristiger Absage sieben Tage vor Reiseantritt im Schnitt 50-70 %.

Die Kosten können jedoch, je nach Vertrag, auch weitaus höher ausfallen. Bei Stornierung von Billig- und Last Minute-Reisen muss der Reisepreis meistens in voller Höhe gezahlt werden.

Paragraph § 651i des BGB (Rücktritt vor Reisebeginn) besagt:

(1) Vor Reisebeginn kann der Reisende jederzeit vom Vertrag zurücktreten.

(2) Tritt der Reisende vom Vertrag zurück, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Höhe der Entschädigung bestimmt sich nach dem Reisepreis unter Abzug des Wertes der vom Reiseveranstalter ersparten Aufwendungen sowie dessen, was er durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen erwerben kann.

(3) Im Vertrag kann für jede Reiseart unter Berücksichtigung der gewöhnlich ersparten Aufwendungen und des durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen gewöhnlich möglichen Erwerbs ein vom Hundertsatz des Reisepreises als Entschädigung festgesetzt werden.

Welche Kosten übernimmt die Reisekostenrücktrittsversicherung?

Der Abschluss einer Reisekostenrücktrittsversicherung bedeutet nicht, dass die Versicherung automatisch die Stornokosten bei Reiserücktritt übernimmt.

Die Voraussetzungen für eine Kostenerstattung sind relativ eng gefasst, denn die Versicherung greift nur dann, wenn gute Gründe für den Reiserücktritt vorliegen, wie z.B. Krankheit, Tod eines Angehörigen, Schwangerschaft, fehlender Urlaub, plötzliche Arbeitslosigkeit und, wie bereits oben erwähnt, höhere Gewalt. Außerdem müssen Versicherte oft einen Selbstbehalt von 20 % zahlen.

Aber: Nicht jede Reisekostenrücktrittsversicherung bietet dieselben Leistungen. So gibt es Policen mit Basis- und Vollschutz. Bei einer Police mit Vollschutz entfällt der Selbstbehalt und die Versicherung übernimmt bei einem plötzlichen Reiseabbruch am Urlaubsort (wegen Krankheit oder Notfall in der Heimat) zusätzlich die Umbuchungskosten bei verfrühtem Rückflug sowie sonstige entgangene Urlaubsleistungen. Auch das Reisegepäck ist mit versichert.

Praxis-Tipp: Für Vielreisende lohnt sich eine ganzjährige Reisekostenrücktrittsversicherung, was im Endeffekt billiger ist, als vor jeder Reise eine neue Police abzuschließen.

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Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

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