Reise stornieren

Aktualisiert: 14. Dezember 2019 | Redaktion

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Grundsätzlich kann ein Urlauber eine Buchung für eine Reise nur dann kostenlos stornieren, wenn es sich um höhere Gewalt handelt.
  • Als höhere Gewalt gelten Naturkatastrophen, politische Unruhen oder Kriege.
  • Findet ein Terroranschlag oder staatliche Gewalt in einem Reiseland statt, so ist dies zumeist nicht ausreichend, um eine Reise kostenlos zu stornieren.
  • Viele Reiseveranstalter zeigen jedoch oftmals Kulanz und bieten den Kunden eine kostenlose Reisestornierung oder Umbuchung.

Die beste Vorgehensweise

  • Beachten Sie Warnungen des Auswärtigen Amtes und führen Sie diese in der Reisestornierung auf.
  • Formulieren Sie eine schriftliche Kündigung des Reisevertrages und senden Sie diese per Einschreiben an den Reiseveranstalter.
  • Setzen Sie dem Reiseveranstalter eine Frist für die Rückerstattung der Reisekosten.
  • Befassen Sie sich vor Abschluss einer Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung mit den Leistungen im Schadensfall.
  • Nutzen Sie Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht, um ungewollt abgeschlossene Versicherungen zu kündigen und nehmen Sie sich die Zeit für Vergleiche.

In unserem Ratgeber

Wann kann eine Reise kostenlos storniert werden?

Nur, wenn höhere Gewalt eine Reise erheblich beeinträchtigt oder gefährdet und diese zum Buchungszeitpunkt nicht absehbar war, können Urlauber kostenfrei von einem Pauschalurlaub zurücktreten ((§ 651h Abs. 3 BGB). Unter höherer Gewalt werden Kriege, politische Unruhen und Naturkatastrophen verstanden.

Terroranschläge zählen als hinnehmbares allgemeines Lebensrisiko, außer das Auswärtige Amt hat eine konkrete Warnung für die Reiseregion bzw. das Urlaubsdomizil herausgegeben.

Viele Reiseveranstalter zeigen sich kulant und ermöglichen Reisenden nach einem Terroranschlag eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung. Urlauber, die verunsichert sind, ob sie im Falle eines Terroranschlags die Reise antreten möchten, sollten sich umgehend mit dem Reiseveranstalter in Verbindung setzen, da eine Umbuchung oder Stornierung nur innerhalb von kurzer Zeit möglich ist.

Übrigens: Bei Kriegen und Terroranschlägen greift die Reiserücktrittsversicherung zumeist nicht. In den Verträgen werden derartige Fälle ausgeschlossen.

Was ist zu beachten, wenn das Auswärtige Amt Sicherheitshinweise gibt?

Höhere Gewalt ist als Begriff nicht eindeutig definiert. Letztendlich muss ein Gericht entscheiden, ob der Grund für eine kostenlose Reisestornierung ausreichend ist. Um festzustellen, ob eine Reise für Urlauber zu gefährlich ist, beziehen sich Richter oftmals auf die vom Auswärtigen Amt herausgegebenen Reisehinweise. Diese unterteilen sich in drei Rubriken.

1. Reisehinweise
Hierzu zählen medizinische Hinweise, besondere Zollvorschriften, Einreisebestimmungen des Ziellandes oder auch Informationen zu Besonderheiten der Zieldestination.

2. Sicherheitshinweise
Hierbei weist das Auswärtige Amt Urlauber auf eventuelle Risiken hin, beispielsweise auf eine terroristische Bedrohung. Oftmals wird vom Ministerium abgeraten, eine Reise durchzuführen, sofern diese nicht unbedingt erforderlich ist. Außerdem wird häufig empfohlen große Menschenansammlungen und öffentliche Plätze zu meiden.

3. Reisewarnungen
Droht Urlaubern eine Gefahr für Leben und Leib, dann spricht das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für ein Land oder eine Region aus. Reiseveranstalter nehmen hierbei an, dass die vorherrschenden Umstände eine kostenlose Reisestornierung rechtfertigen. Derartige Reisewarnungen werden nur sehr selten ausgesprochen. Reisende können diese auf der Webseite des Auswärtigen Amtes einsehen.

Eine erhebliche Gefährdung für Touristen kann auch im Falle einer Epidemie vorliegen. Das Amtsgericht Augsburg entschied in einem Urteil vom 9.11.2004, Aktenzeichen 14 C 4608/03, dass eine Epidemie wie SARS, einen kostenlosen Reiserücktritt rechtfertigt.

Besteht in Regionen eine extreme Gesundheitsgefährdung, gibt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) entsprechende Reisewarnungen heraus. Diese Reisehinweise gewähren allerdings nur einen Anhaltspunkt, schlussendlich wird der Einzelfall von einem Gericht betrachtet.

Wie beeinträchtigt Covid-19 meine Reisepläne?

Das neuartige Corona-Virus legt im Frühjahr 2020 nicht nur den Alltag vieler lahm, sondern zwingt Reisende auch zur Stornierung bzw. Umbuchung.

Corona Virus Covid19 und Reise Einschränkungen

Der Virus Sars-CoV-2, oder auch Corona-Virus genannt, löst die Krankheit Covid-19 aus, welche sich durch Atemwegsbeschwerden auszeichnet, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Da sich der Erreger rasant schnell über Tröpfcheninfektion ausbreitet, haben ein Großteil der Länder auf der ganzen Welt scharfe Vorsichtsmaßnahmen ins Leben gerufen – unter Anderem Quarantäne- und Einreisebestimmungen.

Am 17. März 2020 hat auch das Auswärtige Amt hier in Deutschland eine generelle Reisewarnung für alle Länder ausgesprochen. Dies liegt vor allem an der Ungewissheit über die Möglichkeit der Rückreise und die sich stetig verschärfenden Quarantänevorgaben.

Mit den vielen Unklarheiten bezüglich der Rückreise und der allgemeinen Ansteckungsgefahr, stellen sich nun natürlich viele die Frage: Kann ich meinen Urlaub stornieren?

Kann ich eine selbst zusammengestellte Reise stornieren?

Ganz so einfach geht das leider nicht. Oft müssen Sie hier auf die Kulanz Ihres Gegenüber hoffen.

Laut deutschem Recht muss zwar, z. B. für eine nicht genutzte Unterkunft, nicht gezahlt werden, allerdings gilt für den Betreiber der Unterkunft das Recht seines Landes. Hier kann es schwierig werden Beträge einzuklagen. Auch Flüge können Sie nicht einfach ohne Weiteres stornieren und darauf Bestehen Ihr Geld zurückzubekommen.

Dennoch ist hier nicht alles Geld verloren. Viele Unterkunftsbetreiber und Fluggesellschaften zeigen sich in dieser schweren Zeit äußerst kulant. So werden viele Flüge oder Übernachtungen direkt von den jeweiligen Anbietern storniert, womit Sie auch Ihr Geld zurückbekommen.

Andere Betreiber bieten Umbuchungen ohne Zusatzkosten an. Informieren Sie sich hierzu auf der jeweiligen Website Ihrer Unterkunft oder Fluggesellschaft und wenden Sie sich bei Fragen zu Ihrem individuellen Fall an die unternehmenseigenen Servicemitarbeiter.

Praxis-Tipp: Auch die Deutsche Bahn bietet flexible Umbuchungsmöglichkeiten für ihre Tickets an. Sollte der Reisegrund aufgrund des Corona-Virus wegfallen, können Sie Tickets sogar kostenlos stornieren.

Kann ich eine Pauschalreise stornieren?

Bei Pauschalreisen ist es schon etwas leichter Geld zurückzubekommen, da Sie keine einzelnen Verträge mit Fluggesellschaften, Hotelbetreibern etc. eingegangen sind, sondern lediglich einen einzigen Vertrag mit einem Reiseveranstalter abgeschlossen haben.

Hinzu kommt, dass Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes in der Vergangenheit nicht selten die Grundlage für Rechtsprechungen zugunsten der Reisenden waren.

Allerdings muss es in den meisten Fällen gar nicht erst bis hin zur gerichtlichen Verhandlung kommen, denn ein Großteil der Reiseveranstalter hat seinen Kunden bereits angeboten, Pauschalreisen umzubuchen oder sogar kostenlos zu stornieren. Setzen Sie sich mit Ihrem Reiseveranstalter in Verbindung und klären Sie hier Ihre individuellen Möglichkeiten ab.

Hier noch weitere Tipps in Bezug auf das Reisen während der Corona-Krise:

  • Auch für Reisen in Deutschland werden nach und nach Einschränkungen von den Ländern durchgesetzt. Viele Unterkunftsbetreiber und Transportunternehmen werden hier daher in naher Zukunft Ihre Buchung stornieren oder Ihnen eine Umbuchung anbieten müssen. Informieren Sie sich zum neustem Stand im jeweiligen Bundesland!
  • Sollten Sie sich gerade in Ausland aufhalten, dann bleiben Sie unbedingt top informiert! Setzen Sie sich mit Reiseveranstaltern beziehungsweise Fluganbietern in Verbindung, um herauszufinden wie genau und ob Ihre Rückreise stattfindet.
  • Sollten Sie während Ihrer Auslandsreise unter Quarantäne gestellt werden, dann befolgen Sie unbedingt die Anweisungen der Behörden vor Ort. Sie können in jedem Fall erst nach Beendigung der Quarantänemaßnahmen wieder nach Deutschland einreisen. Mit zusätzlichen Unterkunftskosten für den verlängerten Aufenthalt können Hotels etc. an die landeseigenen Behörden verwiesen werden.

Wann zahlt meine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt, wenn Sie z. B. einen Krankheitsfall nachweisen können. Haben Sie sich also bestätigter weise mit dem Corona-Virus infiziert, so greift Ihre Versicherung. Sind Sie gesund, wollen aber, zu Recht, aufgrund der aktuellen Lage Ihre Reise nicht antreten, wird Ihre Reiserücktrittsversicherung den Ausfall nicht übernehmen.

Viele Versicherungen sind genau gegen solche Fälle allerdings über die geschlossenen Verträge abgesichert, sodass Sie auch vor Gericht nur wenig Chancen haben, eine Kostenübernahme durchzusetzen.

Erlaubt eine Naturkatastrophe einen Reiserücktritt?

Überschwemmungen, Erdbeben oder Hurrikans können ausreichen, um eine Reise zu stornieren. Entscheidend hierbei ist immer das Ausmaß. So können Touristen eine Reise kostenfrei stornieren, wenn der Urlaubsort schwer verwüstet wurde und Aufräumarbeiten zu einer starken Beeinträchtigung des Urlaubs führen würden.

In einem Urteil vom 08.10.2012 (Az. 21 U 519/12) stellte das Oberlandesgericht München fest, dass eine Reisestornierung aufgrund einer Unwetterwarnung vor anhaltenden und sehr starken Regenfällen durch das Auswärtige Amt gerechtfertigt war. Ebenso wurde die Kündigung einer Kreuzfahrt durch die Region Fukushima wegen etwaiger Gesundheitsrisiken in Folge des Reaktorunfalls als berechtigt bewertet (Urteil vom 09.11.2012, Oberlandessgericht Bremen, Az. 2 U 41/12).

Selbst, wenn Urlauber bereits im Reiseland angekommen sind, ist ein Rücktritt vom Reisevertrag aufgrund von höherer Gewalt möglich. Reisende zahlen dann anteilig für die bereits in Anspruch genommenen Leistungen. Kommen Extrakosten für den Rücktransport bzw. die Heimreise auf, so werden diese jeweils zur Hälfte vom Reiseveranstalter und vom Reisenden erbracht. Eine Reiseabbruchversicherung übernimmt die Kosten.

Wie kann ich eine gebuchte Reise stornieren?

Eine Reise muss nicht via Brief gekündigt werden, oftmals reicht auch eine digitale Nachricht an den Reiseanbieter aus. Es wird empfohlen eine Kündigung per Einschreiben zu versenden, da so sichergestellt werden kann, dass die Kündigung eingeht.

Als Kündigungsgrund sollte höhere Gewalt angegeben werden. Gleichzeitig sollten Sie den Reiseveranstalter auffordern, innerhalb von 3 Wochen den Reisepreis zurückzuerstatten. Eine Begründung der Kündigung ist nicht erforderlich.

Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Wie funktioniert die Reiserücktrittsversicherung?
Die Reiserücktrittversicherung übernimmt die Kosten für einen Reiserücktritt, wenn Reisende eine Reise nicht wahrnehmen können. Zumeist handelt es sich um Stornierungskosten, die abhängig vom Zeitpunkt der Stornierung bis zu 90% der Reisekosten ausmachen können.
Was sind Gründe für Reiserücktritt?
Die häufigsten Gründe für eine Stornierung sind Schwangerschaftskomplikationen, Todesfälle, Unfälle oder schwere Erkrankungen. Hier werden die Stornokosten von der Reiserücktrittsversicherung für die versicherte Person übernommen.
Wie lange vor Reiseantritt kann ich eine Reiserücktrittsversicherung abschließen?
Eine Reiserücktrittsversicherung oder eine Reiseabbruchversicherung kann grundsätzlich noch bis zu 30 Tage vor dem Reisebeginn abgeschlossen werden, wenn der Abschluss entweder direkt am Tag der Buchung oder spätestens drei Werktage später vorgenommen wird.