Private Krankenversicherung Vergleich

In die private Krankenversicherung (PKV) wechseln können freiwillig versicherte Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse: Selbstständige, Freiberufler und Angestellte über der Beitragsbemessungsgrenze.

Wer als freiwillig Versicherter der GKV den Rücken kehren möchte, muss seine Mitgliedschaft in der Krankenkasse durch eine schriftliche Kündigung beenden.

Als Arbeitnehmer/Angestellter müssen Sie mit Ihrem Jahresbruttoeinkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) liegen, die 59.400 Euro (2018) beträgt.

Zum Arbeitseinkommen zählen alle regelmässigen Zahlungen, auch Sonderzahlungen (zum Beispiel Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) gehören dazu.

Bereits nach einmaligem Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze ist der Wechsel in die private Krankenversicherung möglich.

Beitragsberechnung in der PKV und steuerliche Behandlung

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge abhängig vom Eintrittsalter, dem Geschlecht, dem Umfang der tariflich vereinbarten Leistungen, einer eventuellen Selbstbeteiligung sowie dem Gesundheitszustand des Versicherten berechnet. Das Einkommen spielt keine Rolle und jeder Versicherte muss seinen eigenen Beitrag bezahlen.

Beitragskalkulation in der PKV

Die Private Krankenversicherung ist ein kapitalgedecktes System und die Grundlage für die Beitragskalkulation bildet das so genannte Äquivalenzprinzip.

Das bedeutet, dass Beitrag und Versicherungsleistung in einer gegenseitigen Beziehung zueinander stehen. Durch die Beiträge werden alle zu erwartenden Versicherungsleistungen gedeckt, die während der gesamten Vertragsdauer anfallen.

Eine altersbedingte Ausgabensteigerung wird durch eine bereits im Beitrag enthaltene Rücklage, die Alterungsrückstellung berücksichtigt. Neben dem Äquivalenzprinzip, haben die Kalkulationsverordnung und die Vorschriften zur Überschussverwendung Einfluss auf die Beitragskalkulation.

Während das Äquivalenzprinzip für das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben für den einzelnen Versicherten sorgt, regelt die Kalkulationsverordnung den einheitlichen Qualitätsstandard für die Beitragsberechnung, der für alle privaten Krankenversicherer gilt.

Die Vorschriften zur Überschussverwendung legen fest, wie die Krankenversicherer die rechnungsmäßigen und die überrechnungmäßigen Überschüsse (Zinsen) verwenden müssen.

So fließen beispielsweise 80 Prozent der rechnungsmäßigen Zinsen in die Alterungsrückstellung. Überrechnungsmäßige Kapitalerträge aus den Alterungsrückstellungen hingegen müssen zur Beitragsstabilität eingesetzt werden.

4 Berechnungsfaktoren

Die Höhe des zu zahlenden Beitrags in der privaten Krankenversicherung hängt von den folgenden 4 Faktoren eines Antragstellers ab:

1. Einrittsalter
Das Ziel in der privaten Krankenversicherung ist, dass jeder die von ihm zu verursachenden Kosten für medizinische Versorgung im Laufe der gesamten Versicherungsdauer durch seine Beiträge anspart.

Die Krankenversicherung ist bis zum statistisch wahrscheinlichen Lebensende kalkuliert. Je jünger jemand beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist, desto länger hat er Zeit, um den kalkulierten Betrag zu erreichen und daraus folgt: Je jünger das Eintrittsalter, desto geringer der Beitrag.

2. Geschlecht
Die Tarife werden für Männer und Frauen jeweils unterschiedlich kalkuliert. Eine Krankenversicherung hat man bis zu seinem Lebensende und aufgrund der höheren Lebenserwartungen von Frauen, ist der Krankenversicherer länger im Kostenrisiko.

Das führt zu höheren Beiträgen. Aufgrund des AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) werden die Schwangerschafts- und Entbindungskosten auf die Beiträge von Männern und Frauen gleichermaßen verteilt.

3. Leistungsumfang
Je umfassender der gewählte Versicherungsschutz ist, desto höher ist der dafür zu zahlende Beitrag.

4. Gesundheitszustand
Hierbei handelt es sich um das objektive Risiko, dass eine Person mitbringt. Eine Risikoeinschätzung erfolgt durch die Risikoprüfung mithilfe der Antworten auf die Gesundheitsfragen im Antragsformular. Sind dort keine Auffälligkeiten festzustellen, kann der Antrag angenommen werden.

In anderen Fällen erfolgt eine Anfrage zu einer Diagnose beim behandelnden Arzt. Erhöhen Vorerkrankungen das objektive Risiko des Versicherers, erfolgt die Vereinbarung eines Risikozuschlags.

Reicht ein Risikozuschlag nicht aus, kann der Versicherer auch einen Leistungsverzicht anbieten. Ist der Versicherer nicht in der Lage Versicherungsschutz zu bieten, erfolgt die Ablehnung des Antrags.

Beitrag und Gesundheitsprüfung

Die Beitragsberechnung und die damit verbundene Gesundheitsprüfung findet nur bei Antragstellung statt. Während der Versicherungszeit eintretende Veränderungen der Gesundheitsverhältnisse haben keinen nachteiligen Einfluss auf den Beitrag.

Sollte der Versicherungsumfang erweitert werden, beispielsweise durch einen Tarifwechsel oder den Abschluss einer Krankenzusatzversicherung, hat der Krankenversicherer das Recht sowohl eine erneute Gesundheitsprüfung, als auch eine neue Beitragskalkulation durchzuführen.

Die Gesundheitsprüfung bezieht sich allerdings ausschließlich auf den zusätzlichen Leistungsumfang. Darüber hinaus ist er berechtigt eine Wartezeit für den höheren Leistungsumfang zu verlangen.

Bei der Beitragskalkulation wird genauso berücksichtigt, dass ein Teil der Alterungsrückstellung bei einem Wechsel des Anbieters zur Mitnahme bereitgestellt werden muss, wie auch den brancheneinheitlichen Basistarif und seine Auswirkungen auf die gesamte Versichertengemeinschaft.

Beitragsstabilität

Die Krankenversicherer haben ihre Beiträge so berechnet, dass sie während der gesamten Versicherungsdauer konstant bleiben, sofern sich die Berechnungsgrundlagen nicht verändern.

Durch steigende Lebenserwartung, die Fortschritte in der Medizin und die dadurch bedingte Teuerungsrate im Gesundheitswesen sind die ausschlaggebenden Kalkulationsfaktoren für die Beitragsberechnung ständig in Bewegung.

Die Krankenversicherer müssen darauf angemessen reagieren und passen den Beitrag an die veränderte Situation an, so dass zukünftige Versicherungsleistungen erbracht werden können.

Die Beiträge zur Krankenversicherung können als „Sonstige Vorsorgeaufwendungen“ im Rahmen der Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden. Dabei gelten bestimmte Höchstbeträge.

PKV: Preiskampf drückt das Leistungsangebot

Nach einer Studie bieten viele Tarife der privaten Krankenversicherung nicht den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung, da sie vorrangig nach Preisgesichtspunkten erstellt wurden.

Im Krankheitsfall könnten sich für die Versicherten somit gravierende Nachteile ergeben. Selbst aus der PKV-Branche werden Stimmen nach Mindeststandards laut.

Die Untersuchung, durchgeführt von einem Gesundheitsökonomen und einer Wirtschaftsberatung, erstreckte sich über 32 private Krankenversicherer. In ihrem Rahmen wurden insgesamt über 200 Tarife beleuchtet, mit dem Ergebnis, dass vier von fünf Tarife in der Gesamtheit weniger als der GKV-Katalog leisten.

Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von erheblichen Leistungsausschlüssen, kein Tarifsystem vermochte die 85 an die GKV angelehnten Kriterien allesamt zu erfüllen.

So weisen vor allem die Bereich Psychotherapie, Hilfsmittel und Anschlussbehandlungen große Lücken auf, zudem wird die häusliche Krankenpflege nur eingeschränkt abgedeckt.

Diese Ergebnisse sind das Resumee einer Entwicklung, in deren Verlauf vor allem der Preis einer privaten Krankenversicherung zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor mutierte.

Experten vermuten, dass viele PKV-Versicherte die Spätfolgen ihrer Wahlfreiheit bei den Tarifen noch nicht überblicken, wenn zum Beispiel im Alter relevante Leistungen fehlen.

Der Chef des größten Krankenversicherer DKV fordert nun Mindeststandards auf dem Niveau des GKV-Leistungsumfangs und eine höhere Gesamtqualität der Tarife. Diese Meinung teilt er mit Gesundheitspolitikern, die sich in die Debatte eingeschaltet haben.