Pflegezusatzversicherung

Aktualisiert: 13. Januar 2020 | Redaktion
Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nicht alle Pflegekosten ab. Der anfallende Eigenanteil kann unterschiedlich hoch sein.
  • Die Pflegezusatzversicherung ist ein Möglichkeit Finanzierungslücken bei Pflegebedürftigkeit zu schließen. Sie ist aber nicht immer die beste Option zur Vorsorge.
  • Es gibt verschiedene Varianten der Pflegezusatzversicherung mit unterschiedlichen Konditionen. Wer sie abschließen möchte, sollte deshalb die Vertragsbedingungen genau prüfen.
  • Wer ohne Pflegezusatzversicherung auskommen will oder muss, kann in anderer Weise für das Alter vorplanen.

Klicken Sie auf einen der beiden Buttons, um zu dem für Sie relevanten Inhalt zu gelangen:

Alles Wissenswerte » Anbieter finden »

In unserem Ratgeber “Wissenswertes”

Eigenanteil bei Pflegebedürftigkeit – wie hoch ist er?

Die Grundversorgung bei Pflegebedarf ist in Deutschland durch den Gesetzgeber geregelt. Zusätzlich zur Krankenversicherung ist seit 1995 auch die Pflegeversicherung Pflicht. Sowohl privat als auch gesetzlich Versicherte zahlen in ihre jeweilige Pflegeversicherung ein.

Allerdings decken die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung die Pflegekosten nur teilweise ab. Deshalb müssen Sie einen Teil der Pflegekosten selbst tragen.

Ist es Ihnen nicht möglich den Eigenanteil selbst zu zahlen, können Ihre Kinder zur Zahlung von Elternunterhalt verpflichtet werden, um die Pflegekosten zu decken. Dies trifft allerdings nur oberhalb eines relativ hohen Schonbetrags für Ihre Kinder zu. Können die Pflegekosten weder durch Sie noch durch Ihre Kinder getragen werden, zahlt das Sozialamt die Beihilfe zur Pflege.

Gespartes Geld für Pflegezusatzversicherung neben Kasse

Unversorgt bleibt im Pflegebedarfsfall in Deutschland also zunächst einmal niemand. Wer nicht auf diese Finanzierungshilfe angewiesen sein und das eigene Ersparte oder das Vermögen seiner Kinder schützen möchte, sollte aber rechtzeitig Vorsorge für eventuelle Pflegekosten treffen.

Welche Kosten die Pflegeversicherung übernimmt und wie hoch der Eigenanteil ist, hängt vom Unterstützungsbedarf des Pflegebedürftigen ab. Außerdem spielt eine Rolle, ob die Betreuung durch Angehörige, in einem Pflegeheim oder durch einen ambulanten Pflegedienst erfolgt.

Bei Unterbringung in einem Pflegeheim liegen die Zahlungen der Pflegeversicherung zwischen 770 Euro bei Pflegegrad 2 und 2.005 Euro bei Pflegegrad 5. Die Kosten sind dadurch allerdings nicht gedeckt. Als Pflegebedürftiger müssen Sie deshalb, falls möglich, einen Teil der Pflegekosten übernehmen und zudem für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten aufkommen.

Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) errechnete 2020 für Heimbewohner als durchschnittlichen monatlichen Kostenbeitrag 1.940 Euro. Dies ist jedoch nur ein Mittelwert. Die Zahlungen der Pflegeversicherung sind zwar bundesweit einheitlich geregelt, die tatsächlichen Kosten variieren jedoch regional und so fällt der Eigenanteil unterschiedlich aus.

Laut VDEK ist er beispielsweise in NRW mit durchschnittlich 2.357 Euro besonders hoch, während er in Sachsen-Anhalt mit 1.359 Euro vergleichsweise niedrig ausfällt. Auch zwischen ländlichen Regionen und urbanen Gegenden gibt es Unterschiede.

Eigenanteil im Monat bei stationärer Pflege

Ohne Ausbildungsumlage/individuelle Ausbildungskosten.

Sachsen-Anhalt1.359 €
Sachsen1.436 €
Mecklenburg-Vorpommern1.442 €
Thüringen1.490 €
Niedersachsen1.612 €
Brandenburg1.622 €
Schleswig-Holstein1.769 €
Bremen1.891 €
Hessen1.905 €
Berlin1.919 €
Bayern1.969 €
Hamburg1.974 €
Rheinland-Pfalz1.994 €
Baden-Württemberg2.278 €
Saarland2.310 €
Nordrhein-Westfalen2.357 €
Quelle: VDEK (Stand: 01.01.2020).

Findet die Pflege ambulant statt, entweder durch Angehörige oder durch einen Pflegedienst, richten sich die Kosten nach dem Pflegegrad und dem Bedarf an Unterstützung. Die Pflegekassen übernehmen bei der Versorgung durch den Pflegedienst zwischen 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 1.995 Euro bei Pflegegrad 5.

Zusätzlich entstehende Kosten müssen Sie als Pflegebedürftiger auch hier selbst tragen. Der dabei möglicherweise anfallende Eigenanteil variiert aber stark und lässt sich kaum verallgemeinern.

Pflegezusatzversicherung – unter welchen Voraussetzungen ist sie sinnvoll?

Die Zusatzversicherung ist eine Option, um Finanzierungslücken bei Pflegebedarf zu schließen. Sie kann, je nach Modell und Vertragsart, jene Kosten abdecken, die über die Finanzierung durch die gesetzliche Pflegeversicherung hinaus gehen. Verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob eine Pflegezusatzversicherung für Sie persönlich Sinn machen kann.

Praxis-Tipp: Prüfen Sie, welche anderen Vorsorgeoptionen sich Ihnen bieten und ob Sie die Pflegezusatzversicherung dauerhaft finanzieren könnten.

Sinnvolle Vorsorgeplanung

Der erste wichtige Schritt ist, sich einen Überblick über die aktuelle und vor allem zukünftige Finanzsituation zu verschaffen. Dabei sollten Sie die voraussichtlichen Rentenansprüche, Spar- und Anlageformen, Lebens- und Rentenversicherungen berücksichtigen.

Denken Sie auch an andere mögliche Einnahmequellen, wie Mieteinkünfte oder ein voraussichtliches größeres Erbe. Auch ob Sie in Zukunft in Eigentum oder zur Miete wohnen werden, spielt eine Rolle.

Beschäftigen Sie sich auch mit dem Betrag, den Sie möglicherweise jetzt schon monatlich für Ihre Altersversorgung zurücklegen und erwägen Sie, ob dieser sich noch erhöhen ließe. Wer regelmäßig anspart und geschickt anlegt, kann im Alter relativ gute Rücklagen vorweisen, die eine Zusatzversicherung unter Umständen unnötig machen. Diese dürfen dann aber natürlich nicht im Vorfeld für andere Zwecke verwendet werden.

Wenn sich bei Ihren Überlegungen herausstellt, dass sie den Eigenanteil an möglichen zukünftigen Pflegekosten problemlos finanzieren werden können und dies auch tun möchten, können Sie auf eine Pflegezusatzversicherung verzichten.

Da es sich bei der Pflegezusatzversicherung um eine Risikoabsicherung handelt, die sich nur auszahlt, wenn tatsächliche ein Pflegebedarf eintritt, kann diese Option von Vorteil sein. Werden Sie nicht, kaum oder nur kurz pflegebedürftig, bleibt Ihnen das entsprechende Geld in diesem Fall nämlich erhalten und Sie können es anderweitig nutzen oder Ihren Erben zugute kommen lassen.

Hand auf Händen von Seniorin mit Pflegezusatzversicherung

Und das ist immerhin nicht gänzlich unwahrscheinlich, wie Erhebungen des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2017 belegen. Von Pflegebedürftigkeit betroffen war nur jeder Sechste zwischen 75 und 85 Jahren. Bei den 85-90 Jährigen waren es 45% und erst bei den über 90 Jährigen war mit 71% die Mehrheit pflegebedürftig.

Das Risiko auf Pflege angewiesen zu sein, steigt also erst mit einem hohen Alter deutlich an. Auch in Intensität und Dauer kann der Pflegebedarf unterschiedlich ausfallen und muss deshalb nicht zwingend mit dauerhaft hohen Kosten verbunden sein. Andererseits schließt eine Statistik natürlich nicht aus, dass gerade Sie von langer und intensiver Pflegebedürftigkeit betroffen sein könnten.

Die meist erst spät eintretende Pflegebedürftigkeit kann rechnerisch aber dennoch gegen eine Pflegezusatzversicherung sprechen, denn in diesem Fall kann die vorherige Lebenszeit genutzt werden, um entsprechende Geldbeträge selbst anzusparen, statt sie in eine Versicherung einzuzahlen.

Finanzierung der Pflegezusatzversicherung

Pflegezusatzversicherungen sind in der Regel nicht gerade günstig und weisen oft unschöne Vertragsbedingungen auf. Laut Stiftung Warentest fallen beispielsweise für einen Vertrag im Bereich Pflegetagegeld, der mit 55 Jahren abgeschlossen wird, etwa 90 Euro monatlich an.

Einzahlungspausen, beispielsweise wegen vorübergehender Arbeitslosigkeit, gewähren Versicherer meist nur für kurze Zeiträume und mit der Bedingung einer späteren vollständigen Nachzahlung. Manchmal müssen sogar dann noch Beiträge entrichtet werden, wenn die Pflegebedürftigkeit bereits eingetreten ist. Können Beiträge nicht mehr gezahlt werden und die Versicherung wird gekündigt, gehen alle bisherigen Einzahlungen und auch der Versicherungsschutz verloren.

Wenn Sie also mit dem Gedanken spielen, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen, sollten Sie sich der langfristigen Finanzierbarkeit der Beiträge sicher sein. Bedenken Sie dabei auch Ihre möglicherweise geringeren Alterseinkünfte und die Wahrscheinlichkeit noch steigender Beiträge.

Obwohl die Beitragsentwicklung in den nächsten Jahrzehnten kaum vorhersagbar ist, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Ansteigen der Beiträge nicht gerade gering. Durch höhere Anforderungen und steigende Löhne, wird Pflege in Zukunft teurer werden. Bessere Versorgungsleistungen durch Pflegereformen können Versicherungsanbietern weitere Kosten verursachen, die dann auf die Kunden abgewälzt werden.

Rotes und gelbes Sparschwein für Beiträge Pflegezusatzversicherung

Ein solches Szenario hat sich bereits 2017 abgespielt, als das Einstufungssystem zum Pflegebedarf reformiert wurde und aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade wurden. Für viele Betroffene bedeutete das eine Verbesserung in der Einstufung ihres Pflegebedarfs und höhere Zahlungen, worauf die Versicherer entsprechend reagierten. Sie passten ihre Verträge an und erhöhten die Beiträge.

Falls die dauerhafte Finanzierung für Sie ein Problem darstellen könnte, sollten andere Versicherungs- und Vorsorgebelange zunächst im Vordergrund stehen. Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- und Wohngebäudeversicherung (bei Immobilienbesitz) sollten Priorität haben. Ebenso sieht es bei der allgemeinen Altersvorsorge aus. Was Sie hierfür ansparen, steht Ihnen später im Zweifelsfall auch für die Pflege zur Verfügung.

Besteht gar kein Spielraum für Ansparungen, sodass weder Geld für die Pflege zurückgelegt noch in eine Pflegezusatzversicherung investiert werden kann, können praktische Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Praxis-Tipp: Richten Sie Ihr Leben so ein, dass Sie später auf möglichst wenig professionelle Hilfe angewiesen sind und dadurch Pflegekosten einsparen können. Altersgerechter Wohnraum kann hier ein entscheidender Faktor sein.

Welche Formen der Pflegezusatzversicherung werden angeboten?

Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, wenn Sie eine Pflegezusatzversicherung in Betracht ziehen. Es gibt die Pflegekosten-Versicherung, die Pflege-Rentenversicherung und die Pflegetagegeld-Versicherung. Als Sonderform kommt noch die sogenannte Pflege-Bahr, hinzu, bei der nach bestimmten Voraussetzungen eine staatliche Förderung, ähnlich wie bei der bekannten Riester-Rente, möglich ist.

Grundsätzlich gilt: Abhängig von der späteren Zahlungshöhe, Alter und Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss variieren die Kosten für die Versicherung.

Bei bestehenden Vorerkrankungen wird meist ein Risikozuschlag fällig. Wird die Versicherung erst im fortgeschrittenem Alter abgeschlossen, fallen die Beiträge höher aus. Ist man hingegen bei Vertragsabschluss noch vergleichsweise jung, besteht die Gefahr jahrzehntelang sinnlos Beiträge zu zahlen.

Es gilt also abzuwägen, wann gegebenenfalls der richtige Zeitpunkt zum Abschluss ist und welches Modell sich am besten eignet.

Hier die vier Varianten zur privaten Pflegevorsoge im Überblick:

1. Das Pflegetagegeld

Bei diesem Vertragsmodell wird mit der Versicherung ein Betrag vereinbart, der für jeden Tag der Pflegebedürftigkeit gezahlt wird. Voll ausgezahlt wird dieser bei hohem Pflegebedarf. Ist er geringer, fällt auch die ausgezahlte Summe kleiner aus. Entscheidend ist dabei der Pflegegrad, der entsprechend auch offiziell belegt sein muss.

Das Pflegetagegeld hat vor allem einen großen Vorteil. Es steht Ihnen zur freien Verfügung und Sie können es flexibel nach eigenem Ermessen nutzen. Es kann für die Kosten von Pflegeheim oder Pflegedienst genauso verwendet werden, wie für Essenslieferungen oder Haushaltshilfen. Auch private Unterstützer können Sie hiermit entlohnen, falls Sie das möchten.

Rechnungen oder andere Nachweise über die Verwendung des Geldes werden nicht eingefordert. Der Betrag muss sich auch nicht mit tatsächlichen Aufwendungen decken, sodass Überschüsse durchaus auch wieder angespart werden können.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die freie Entscheidungsgewalt über die Verwendung des Geldes ganz nach dem individuellen Wunsch oder Bedarf, machen das Pflegetagegeld zu einer sehr vorteilhaften Vorsorgevariante.

2. Die Pflegekostenversicherung

Sie gibt es in verschiedenen Varianten. Es gibt beispielsweise Tarife, bei denen die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse pauschal verdoppelt werden. Die Versicherung zahlt also jeweils das, was entsprechend des Pflegegrades von der Pflichtversicherung erstattet wird noch einmal zusätzlich.

Bei privater Pflege durch Angehörige können die Zahlungen allerdings deutlich verringert werden. Belege über tatsächliche Aufwendungen sind hier im Regelfall nicht erforderlich.

Bei einer anderen Variante übernimmt die Versicherung jene Kosten, die durch die gesetzliche Absicherung nicht gedeckt sind. Entsprechende Kosten müssen also nachgewiesen und belegt werden und es kann nicht beliebig über das Geld verfügt werden. Es werden nur die Leistungen abgedeckt, die dem Leistungskatalog der Pflichtversicherung entsprechen. Oft sind die finanziellen Leistungen außerdem durch eine Zahlungshöchstgrenze eingeschränkt.

Insgesamt sind Pflegekostenversicherungen normalerweise günstiger als Tagegeld-Verträge. Bei der Pflege durch Angehörige zahlen diese Versicherungen zwar normalerweise einen bestimmten Pflegegeldbetrag, der fällt aber deutlich geringer aus als bei der Pflegetagegeld-Variante.

Praxis-Tipp: Wirklich sinnvoll sind sie aber nur, wenn für Sie nur die Pflege im Heim oder durch einen Pflegedienst in Betracht kommt.

3. Die Pflege-Rentenversicherung

Dieses Modell ist etwas anders konzipiert als die anderen Varianten. Zunächst sind die Beitragszahlungen hier von vornherein festgelegt und unveränderlich. Sie können also nicht ansteigen. Allerdings fallen die Beiträge dafür auch vergleichsweise hoch aus.

Die spätere Auszahlung erfolgt in Form einer monatlichen Rente, wenn Pflegebedarf eintritt. Das dabei gezahlte Geld steht zur freien Verfügung und auch die Form der Pflege, ob durch Angehörige oder professionelle Anbieter, ist hier nicht relevant.

Diese Regelung greift allerdings häufig nicht bei den niedrigen Pflegegraden. Einige Versicherer zahlen erst ab dem Pflegegrad 3. Da statistisch gesehen beinah die Hälfte der Pflegebedürftigen die Grade 1 oder 2 haben, fallen hier also viele Betroffene durch das Raster.

Weiterhin richten sich die Zahlungen nach dem Pflegegrad, sodass vielfach erst bei Pflegegrad 5 die volle Summe gezahlt wird. Die genauen Auszahlungskonditionen sind allerdings bei einigen Anbietern individuell anpassbar. Die hohen Beitragskosten und die vielfach ungünstigen Auszahlungskonditionen sprechen insgesamt eher gegen diese Variante.

4. Die Pflege-Bahr mit staatlicher Förderung

Dieses Modell greift ausschließlich bei Pflegetagegeld-Versicherungen. Werden mindestens zehn Euro monatlich in eine entsprechende Versicherung eingezahlt, wird dies mit zusätzlichen fünf Euro pro Monat durch den Staat aufgestockt.

Die Beantragung der Zulage erfolgt dabei durch die Versicherung. Dafür müssen durch die jeweilige Versicherung einige Kriterien erfüllt werden. Die Versicherung darf niemanden ablehnen und entsprechend auch keine Gesundheitsprüfung durchführen. Bei Pflegegrad 5 muss sie einen Betrag von mindestens 600 Euro monatlich, bei den anderen Pflegegraden entsprechend gestaffelte Leistungen auszahlen.

Aufgereihte Münzen für Pflegezusatzversicherung

Die staatliche Förderung kann die Nachteile dieser Variante aber nicht aufwiegen. Die Zahlungen sind im Pflegefall häufig nicht ausreichend. Versicherer versuchen deshalb oft, dies mit Kombi-Tarifen aus geförderten und ungeförderten Anteilen auszugleichen. Dabei sind die Beiträge hier vergleichsweise hoch und es ist mit weiteren Beitragssteigerungen zu rechnen.

Wegen des Ablehnungsverbots rechnen die Versicherungen mit höheren Ausgaben für bereits Vorerkrankte, die in die Versicherung eintreten. Dies versuchen sie durch hohe Beiträge abzufangen, die auch nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit weiterhin gezahlt werden müssen. Bei der Pflege-Bahr ist deshalb rechnerisch nicht einmal ausgeschlossen, dass in einigen Fällen die Beitragszahlungen höher ausfallen könnten, als die jeweilige Auszahlung.

Was gilt es bei der Pflegezusatzversicherung zu beachten?

Vor allem zwei Punkte sind bei der Auswahl einer passenden Pflegezusatzversicherung entscheidend: sie sollte finanzielle Lücken im Falle eines Pflegebedarfs optimal abdecken und gleichzeitig auf lange Sicht hin gut finanzierbar sein.

Hier kommt es also darauf an, was Ihnen jetzt und in Zukunft zur Verfügung steht. Schätzen Sie Ihre zukünftigen (Alters-) Einkünfte, zur Verfügung stehende Ersparnisse und anfallenden Ausgaben grob ab. Der im Pflegebedarfsfall anfallende Eigenanteil muss entweder durch eigene finanzielle Überschüsse oder eben durch eine Zusatzversicherung gedeckt werden.

Zahlen der Stiftung Warentest, die beispielsweise bei Heimunterbringung unabhängig vom Pflegegrad eine Finanzierungslücke von etwa 1.500 Euro angeben, können hier als Orientierung dienen. Für die ambulante Pflege liegen dazu folgende Zahlen vor:

PflegegradFinanzierungslücke
1125 €
2500 €
31.100 €
42.200 €
52.200 €
Quelle:Stiftung Warentest (Stand: 2017).

Bei Vertragsabschluss kommt es aber nicht nur auf eine angemessene Absicherung an. Auch die folgenden Punkte sollten idealerweise im Vertrag erfüllt sein:

  • Gesetzliche Pflegebedürftigkeit als Maßstab: Um Leistungen aus der Zusatzversicherung zu erhalten, muss die Pflegebedürftigkeit und ihr Umfang nachgewiesen sein. Versicherungsanbieter sollten sich dabei nach den gesetzlichen Pflegegraden richten und eine entsprechende Einstufung anerkennen ohne eine zusätzliche Feststellung durch eigene Ärzte zu verlangen.
  • Zahlungen bei allen Pflegegraden- und arten: Egal ob häuslich, stationär oder ambulant, die Leistungen der Versicherung sollten stimmig sein. Das gilt auch bei den Pflegegraden: alle, nicht nur die hohen, sollten durch Leistungen abgedeckt sein.
  • Gleiches Geld für gleiche Pflege: Viele Versicherungen sehen bei der Pflege durch Angehörige niedrigere Leistungen vor als bei der Versorgung durch ambulante Dienste. Sie sollten jedoch gleich berechnet werden.
  • Beitragsfrei im Versicherungsfall: Vielfach werden auch dann noch Beiträge fällig, wenn der Pflegebedarf bereits eingetreten ist und Sie Leistungen aus der Versicherung erhalten. Finanziell vorteilhafter und besser zu kalkulieren sind Angebote, bei denen Sie beitragsfrei sind, sobald Sie Leistungen erhalten.
  • Leistungen auch Rückwirkend erhalten: Viele Versicherungen zahlen erst ab dem Zeitpunkt, an dem der Versicherungsfall gemeldet, bzw. die Leistung beantragt wurde. Besser ist es jedoch, wenn rückwirkend ab Feststellung des Pflegebedarfs Zahlungen getätigt werden. Gerade bei plötzlich eintretendem Pflegebedarf verschafft Ihnen das etwas organisatorischen Spielraum und verhindert finanzielle Einbußen.
  • Keine Wartezeit bis zur Leistungsbeantragung: Der Vertrag sollte keine Wartezeit vorsehen, die nach Vertragsabschluss verstreichen muss, um Leistungen erhalten zu können. Dann sind Sie auch abgesichert, falls der Pflegebedarf zeitnah eintritt.
  • Faire Zahlungspausen: Finanzielle Engpässe können sich immer ergeben. Sie sollten dann die Möglichkeit haben, mit der Versicherung eine Zahlungspause für die Beiträge zu vereinbaren. Die Regelungen dafür müssen möglichst unkompliziert sein. Der Versicherungsanbieter sollte viele Begründungen für die Einrichtung einer Zahlpause akzeptieren und dabei möglichst unbürokratisch vorgehen. Achten Sie auch auf unvorteilhafte Vertragsklauseln, die eine Nacherstattung der Beiträge beinhalten oder den Versicherungsschutz während der Beitragspause aufheben.
  • Option auf Erhöhung: Die Leistungsoptionen des Vertrages sollten nicht “in Stein gemeißelt” sein. Ihre finanzielle und persönliche Zukunft kann sich stetig ändern, sodass Sie Ihre Vorsorge weiter ausbauen möchten. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Angehöriger verstirbt, der sie hätte unterstützen können. Sie sollten die Versicherungsleistung deshalb bei Bedarf heraufsetzen können, möglichst ohne einen weiteren Gesundheitscheck. Achten Die dabei auch auf festgelegte Altersgrenzen und das Verhältnis zum Beitragsanstieg.

Bei Versicherungsabschluss mit Vorerkrankungen

Die Versicherung ist – außer bei der Pflege-Bahr – nicht zu einem Vertragsschluss mit Ihnen verpflichtet und wird sich in der Regel im Vorfeld ein Bild von Ihrer Gesundheit machen wollen, um das Risiko eines baldigen Pflegebedarfs abzuschätzen. Bei Vorerkrankungen kann ein Risikozuschlag bei den Beiträgen die Folge sein.

Trotzdem sollten Sie im Antrag alle Fragen gewissenhaft und wahrheitsgemäß beantworten und Vorerkrankungen in jedem Fall angeben. Unzutreffende oder mangelhafte Angaben können unschöne Konsequenzen haben, wenn sie herauskommen. Kündigt die Versicherung deshalb Ihren Vertrag, sind bereits gezahlte Beiträge und Versicherungsschutz verloren.

Praxis-Tipp: Bei Vorerkrankungen können Sie die sogenannte anonyme Risikoanfrage nutzen, um auf Sie zugeschnittene Konditionen und Angebote zu erfragen, ohne sich identifizieren zu müssen. Wenden Sie sich dazu am besten an einen Versicherungsmakler.

Was tun, wenn die Pflegezusatzversicherung keine Option ist?

Nicht für jeden ist es sinnvoll oder möglich, in eine Pflegezusatzversicherung zu investieren. Aber es gibt andere Vorkehrungen, die Sie für den Fall einer Pflegebedürftigkeit treffen können. Ein solides finanzielles Polster für das Alter ist in jedem Fall empfehlenswert.

Pfleger über Pflegezusatzversicherung schiebt Frau in Rollstuhl

Ist dies nicht gegeben, springt zur Finanzierung der Pflege das Sozialamt ein. Dort können Sie “Hilfe zur Pflege” beantragen. Dafür müssen Sie aber – bis auf einen Schonbetrag von 5.000 Euro – zunächst Ihr gesamtes Vermögen aufbrauchen. Auch Ihre Kinder können in diesem Fall im Rahmen ihrer Möglichkeiten vom Sozialamt für Ihren Unterhalt herangezogen werden. Dabei hat das Amt jedoch gewisse Freibeträge zu berücksichtigen.

Wer im Alter mit wenig Geld auskommen muss, sollte im Vorfeld dafür sorgen, dass der Pflegebedarf möglichst spät eintritt und gering bleibt, um die Kosten niedrig zu halten. Folgende Maßnahmen sollten Sie in Betracht ziehen:

  • Wohnraum vorausschauend organisieren: Wer in eine altersgerechte Wohnung zieht oder das eigene zu Hause – vielleicht im Zuge ohnehin notwendiger Renovierungsarbeiten – entsprechend gestaltet, kommt länger ohne Hilfe zurecht. Informationen zu geeigneten Maßnahmen und möglichen Finanzierungshilfen für entsprechende Umbauten gibt es unter anderem bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung.
  • Kostengünstige Hilfen nutzen: Falls Sie noch Platz im Haus haben, kann auch das bereits in mehreren Städten etablierte “Wohnen für Hilfe” eine Möglichkeit sein, Hilfe im Alltag zu bekommen. Dabei wird Studenten günstig eine Unterkunft zu Verfügung gestellt, die im Gegenzug Hilfeleistungen in Haus und Garten erbringen. Möglicherweise kommt für Sie ja auch eine alternative Wohnform, wie etwa ein Mehrgenerationen-Haus in Frage, bei dem private Hilfen organisierbar sind.
  • Spezielle Wohnformen nutzen: In Wohngemeinschaften mit anderen Betroffenen lässt sich Pflege und Unterstützung leichter und kostengünstiger organisieren. Es gibt spezielle Anbieter für solche WGs. Sie können aber auch aus eigener Initiative etwas entsprechendes auf die Beine stellen.

Praxis-Tipp: Anregungen und Informationen zu diesen und weiteren Möglichkeiten und Hilfen das Leben im Alter zu gestalten, finden Sie auf dem Serviceportal Zuhause im Alter des Bundesfamilienministeriums und auch bei vielen anderen Anlaufstellen und Verbänden.

Wichtige Fragen – kurze Antworten

Wie viel kostet eine Pflegezusatzversicherung?
Das ist von verschiedenen Faktoren, wie Alter, Gesundheit und Versicherungskonditionen abhängig und lässt sich pauschal nicht beantworten.
Kann ich meine private Pflegeversicherung von der Steuer absetzen?
Ja, gezahlte Beiträge zur gesetzlichen und zur privaten Pflegeversicherung sind von der Steuer absetzbar.
Ist Pflegetagegeld steuerpflichtig?
Für den Pflegebedürftigen ist das Geld steuerfrei. Auch wenn das Geld an pflegende Angehörige weitergegeben wird, müssen diese es nicht versteuern, falls sie keine sonstige Vergütung für die Pflege erhalten.
Ist eine Pflegezusatzversicherung für Beamte sinnvoll?
Für Beamte und Beamtenanwärter gelten grundsätzlich die gleichen Pflegeversicherungskonditionen. Auch für sie kann also unter Umständen die Pflegezusatzversicherung eine Option sein.

Hier beginnen nun die Praxistipps zur Findung eines geeigneten Anbieters:

Die beste Vorgehensweise

  • Prüfen Sie, welche Finanzierungslücken für Sie im Pflegebedarfsfall entstehen könnten und ziehen Sie verschiedene Möglichkeiten in Betracht, um diese zu schließen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Zusatzversicherung für Sie dauerhaft finanzierbar ist.
  • Gleichen Sie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Versicherungsvarianten mit Ihren persönlichen Möglichkeiten und Wünschen ab.
  • Prüfen Sie vor Abschluss die Vertragsbedingungen.
  • Erwägen Sie Möglichkeiten auch ohne die Zusatzversicherung im Alter zurecht zu kommen, falls diese keine Option für Sie ist.

Unsere aktuelle Tarifempfehlung

DFV Pflegezusatzversicherung*

DFV-DeutschlandPflege

  • Ausgezeichnet von Stiftung Warentest (Note 1,6)
  • Beitragsbefreiung im Leistungsfall ab Pflegegrad 1
  • verdoppelt die staatlichen Leistungen für ambulante Pflege bis 100%
zum Anbieter »

Tarifvergleich der Anbieter

Nutzen Sie zudem den Tarifvergleich für Pflegetagegeldversicherungen um auch hier sicher zu gehen, dass Sie den besten Anbieter für sich gefunden haben. Unser Versicherungsvergleich bietet:

  • Ausführlicher Leistungsvergleich
  • Günstige Tarife mit geprüfter Qualität
  • Individuelle Beratung, Vergleichs- oder Angebotserstellung
  • Informationsbroschüre bei Anfrage einer Beratung