Kreditkarten

Kreditkarte für Kinder

Die Kleinen zahlen für ihre Einkäufe. Das sollen sie auch. Wenn die Eltern dabei sind oder es nur um ein Brötchen oder einen Radiergummi geht. Aber Geldinstitute sehen weitaus mehr Potenzial. Denn wenn junge Kunden nur früh genug an die Erwachsenenwelt herangeführt werden, gewöhnen sie sich an ein Finanz-Werkzeug der Eltern: Kreditkarten.

In der Prepaid-Variante bieten manche Banken diese Karten auch schon Kindern und jungen Jugendlichen an. Und ob die Karten auch tatsächlich eine reine Prepaid-Funktion haben, steht im besten Falle im Kleingedruckten, in den Geschäfts- oder Zahlungsbedingungen.

Eigentlich funktioniert ein sinnvolles, faires System so: 300 Euro befinden sich zum Beispiel als Guthaben auf der Karte. Und wenn Sie für 300 Euro eingekauft haben, ist die Karte einfach leer. Überziehen geht nicht. Ihr Guthaben ist aufgebraucht. Sofort.

Trotzdem sieht Rechtsanwalt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Gefahr bei Prepaid Kreditkarten darin, dass Kinder und Jugendliche ins Minus rutschen: wenn sie per Lastschrift zahlen und kein Guthaben mehr haben.

„Das darf nicht sein“, kritisiert der Verbraucherschützer. Denn die Lastschrift werde wenige Tage später bei der kartenausgebenden Bank eingereicht. Zu diesem Zeitpunkt könne das Guthaben anderweitig verbraucht worden sein.

„Wird die Lastschrift eingelöst, gewährt man den Kindern ein Darlehen“, sagt Markus Feck. „Rein rechtlich ist dies aber gar nicht möglich, da über die Vergabe eines Darlehens ein Vormundschaftsgericht entscheiden muss.“ Er kritisiert, dass bei einigen Anbietern die AGBs ein Überschreiten der „finanziellen Nutzungsgrenze“ vorsehen.

Auf Missstand hinweisen

Und was bedeutet das nun im Alltag, wenn das Kind mit seiner Karte etwas gekauft hat? Welche Konsequenz hat das für das Rechtsgeschäft? Wie sollten sich Eltern dann am besten verhalten – gegenüber Bank und Händler? Markus Feck: „Die Eltern sollten sowohl das zugrunde liegende Geschäft als auch die Belastung des Kontos nicht genehmigen; die erworbene Sache muss also zurückgegeben werden.“

Zudem sollten Eltern die Bank auf den skizzierten Missstand ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen hinweisen, keinesfalls aber abwarten, wie sich die Bank bei etwaigen „Ins-Minus-Rutschern“ verhält.

Aber eigentlich lautet die wichtigste Frage der Eltern schon im Vorfeld: Warum sollte mein Kind solch eine Karte eigentlich besitzen? Denn Erziehung in Finanzfragen des Alltags darf ruhig etwas altmodischer ablaufen.

„Eltern können Bezahlen und den Umgang mit Geld auch vorleben, indem sie in Geschäften zum Beispiel häufiger mit Bargeld bezahlen“, sagt der Finanzexperte Markus Feck. Zudem sollten seiner Ansicht nach auch Kinder und Jugendliche mit echtem Geld zahlen.

Beim Zahlen mit Karte verlieren die Kinder den Bezug zum Geld – und zu Ausgaben

Sonderfälle Job und Ausland

Mit rechtlichen und Erziehungsfragen verknüpft ist die Frage nach dem richtigen Alter, ab dem ein Konto samt Karte durchaus sinnvoll sein kann. Pauschal werden Sie darauf allerdings keine Antwort finden.

Sie können sich als Eltern höchstens zum Beispiel daran orientieren, ob der Jugendliche bereits ein eigenes Einkommen hat – und sei es wegen des Schülerjobs als Zeitungsausträger. „Das sollte frühestens mit 14 der Fall sein“, rät Markus Feck.

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Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

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