Kredit

Restschuldversicherung sinnvoll oder nicht?

  • Die Bank wird bei der Kreditaufnahme den Abschluss einer Restschuldversicherung (RSV) – auch als Restkreditversicherung bekannt – anbieten.
  • Ihre Notwendigkeit sollte jedoch zuvor sehr kritisch überprüft werden. Die Policen erhöhen die Kreditkosten oft in unzumutbarer Weise. Zudem gibt es Alternativen.
  • Sollten Sie bereits eine Restschuldversicherung haben, ist unter zwei Voraussetzungen ein Widerruf (auch rückwirkend) möglich.

Der Schein trügt

Auf den ersten Blick erscheinen die Restschuldversicherungen zweckmäßig.
Diese übernimmt die Kreditraten bei

  • Arbeitslosigkeit oder
  • Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit, Unfall oder Invalidität
  • und sichert im Todesfall die Rückführung des Darlehens.

In den Versicherungsbedingungen ist genau festgelegt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die Versicherung greift und es kann Ausschlussklauseln geben.

Beispielsweise ist es möglich, dass keine Zahlung der Raten erfolgt, wenn eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer bereits zu Vertragsbeginn bestehenden Krankheit entstanden ist. Auch kann die Übernahme der Raten zeitlich befristet sein.

Bei Arbeitslosigkeit ist die Zahlung häufig auf 12 bis 18 Monate begrenzt. Zudem kann es zu Beginn eine mehrwöchige Karenzzeit geben, bis die Versicherung zum Tragen kommt.

Überteuerte Restschuldversicherungen

Es gibt erhebliche Unterschiede bei den Versicherungsprämien bei gleicher Leistung. So verlangt nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest der teuerste Anbieter dreimal so viel wie der günstigste.

Der Abschluss einer Restschuldversicherung verteuert den Kredit erheblich. Bei einem Ratenkredit mit Summen von beispielsweise 10.000 Euro oder 15.000 Euro sind die Kosten für Darlehen und Versicherung insgesamt nicht selten doppelt so hoch, wie ohne Versicherung.

In Fällen, in denen die Versicherungsprämie als Einmalbeitrag fällig ist, wird dieser auf den Kreditbetrag aufgeschlagen und so mitfinanziert. Die Bank verdient dann doppelt: Mit der Provision für den Versicherungsabschluss sowie an den Zinsen, die Sie für den erhöhten Betrag zahlen müssen.

Abschluss darf nicht Bedingung sein

Eine Bank darf eine Versicherung für die Restschuld nicht zur Bedingung für die Gewährung des Darlehens machen. Tut sie dies, muss sie die Kosten für die Versicherung mit in den effektiven Jahreszins des Darlehens einrechnen, denn die Beitragszahlungen sind dann Nebenkosten des Kreditvertrags. Erfolgt dies nicht, ist dies ein Verstoß gegen die Preisangabenverordnung.

Praxis-Tipp

Bei einem Ratenkredit (Konsumentenkredit) ist eine Restschuldversicherung häufig zu teuer und in der Regel daher nicht sinnvoll. Lediglich bei höheren Kreditsummen und Risiken können Restschuldversicherungen in Frage kommen.

Möchten Sie trotzdem eine solche Versicherung abschließen, dann lassen Sie sich von Ihrer Bank die gesamten Kosten für den Kredit einmal mit und einmal ohne Versicherung berechnen und vergleichen Sie.

Alternativen zur Restschuldversicherung

Die Absicherung für eventuelle finanzielle Engpässe sowie die Entlastung der Angehörigen von der Kreditrückzahlung im Falle des Ablebens sind nun aber keineswegs unnötig.

Zur Absicherung der Familie für den Todesfall des Kreditnehmers ist eine Risikolebensversicherung zweckmäßiger und meist auch günstiger (Die Prämie ist abhängig vom Alter und Gesundheitszustand).

Bei Immobilienkrediten Notwendigkeit abwägen

Bei Immobilienkrediten kann eine Restschuldversicherung sinnvoll sein, so dass beim Eintritt eines Versicherungsfalls das Haus nicht verkauft werden muss. Berücksichtigt werden sollte vor einem Abschluss aber auch die familiäre Situation, die Kreditsumme sowie bereits vorhandene Versicherungsverträge (beispielsweise Berufsunfähigkeit, Unfall).

Praxis-Tipp

Wer sich bei einem Immobilienkredit unsicher ist, ob eine Restschuldversicherung sinnvoll ist, sollte eine Beratung bei der Verbraucherzentrale in Erwägung ziehen.

Zwei unabhängige Verträge

Bei einem Kreditvertrag und einer Restschuldversicherung handelt es sich um zwei unabhängige Verträge.

Da die Verträge eigenständig sind, kann das Kreditinstitut eigentlich nicht vorschreiben, bei welchem Versicherungsunternehmen die Restschuldversicherung abgeschlossen werden soll. Häufig wird dies jedoch versucht.

Restschuldversicherung widerrufen, auch nachträglich

Unterzeichnete Restschuldversicherungen besitzen eine reguläre Widerrufsfrist von 14 Tagen.

Ist diese verstrichen, kann unter Umständen eine bereits auch länger bestehende Restschuldversicherung noch nachträglich widerrufen werden. Möglich macht dies ein Urteil des BGH aus dem Jahre 2009, Az. XI ZR 45/09.

Für einen erfolgreichen Widerruf sind zwei Voraussetzungen notwendig:

1. Kreditvertrag und Restschuldversicherung sind verbundenes Geschäft

Im § 358 Abs. 3 BGB wird festgestellt, dass ein Verbraucherdarlehensvertrag und die Restschuldversicherung miteinander verbunden sind, wenn das Darlehen ganz oder teilweise der Finanzierung des anderen Vertrags dient und beide Verträge eine wirtschaftliche Einheit bilden.
Bedeutet: Der eine Vertrag wäre demnach ohne den anderen nicht abgeschlossen worden und durch das Darlehen werden die Versicherungsprämien teilweise abbezahlt.

2. Vorliegen einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung

Die Bank oder Sparkasse hat in der Widerrufsbelehrung nicht korrekt darauf hingewiesen, dass gemäß § 358 Abs. 5 BGB (Fassung vor dem 13.05.2014) beide Verträge aufeinander Bezug nehmen und die Kündigung des einen zugleich die des anderen impliziert.

Wirkung

Der Kreditnehmer hat lediglich den Nettodarlehensbetrag und die marktüblichen Zinsen zurückzuzahlen. Berücksichtigt werden hierbei bereits geleistete Zahlungen.

Die Bank hat die gesamte Restschuldversicherung (Prämien und Zinsen) zurückzuerstatten.

Auch falls das Darlehen bereits vollständig getilgt sein sollte, können Sie die Verträge rückwirkend widerrufen. Dann findet eine Rückabwicklung statt. Eine Verjährung ist nicht vorgesehen.

Übrigens: Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt im Gegensatz zu einer Kündigung nicht an.

Restschuldversicherung kündigen

Die Kündigungsfrist einer Restschuldversicherung beträgt in der Regel zwei Wochen zum Monatsende.

Sie können diese kündigen, auch wenn der Darlehensvertrag noch besteht, und erhalten einen Teil der Prämien zurückerstattet.

Durch Umschuldung oder vorzeitige Tilgung entfällt der Versicherungszweck und der Kreditnehmer hat ein Sonderkündigungsrecht. Eine Frist ist hierbei nicht einzuhalten. Bestehen Sie auch hier auf die teilweise Rückerstattung von Prämien!

Die Abschlussprovision ist in beiden Fällen unwiderruflich verloren.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.