Interview

Interview mit Stefanie Kühn
„Geldanlage für Fleißige“

Stefanie Kühn

Stefanie Kühn (Jahrgang 1973) ist Finanzberaterin auf Honorarbasis. Als Autorin hat sie mehrere Finanzratgeber verfasst. Seit Jahren erhält sie jährlich eine Auszeichnung vom Finanzmagazin „Eurouro“ als eine der besten Finanzberater Deutschlands.

Kühn hat Finanzökonomie an der European Business School studiert und trägt das Gütesiegel einer zertifizierten Finanzplanerin (CFP). Sie schreibt auch den Finanz-Blog: Kühn empfiehlt.

Stefanie Kühn spricht über Geldanlagen im Internet und herkömmliche Bankberater. Zudem gibt sie grundlegende Tipps für Verbraucher, vom Berufseinsteiger, über junge Familien bis zu Senioren. Ihr neuester Ratgeber „Geldanlage für Fleißige“ ist 2012 im Verlag der Stiftung Warentest erschienen.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Frau Kühn, ist es grundsätzlich empfehlenswert Geldanlagen über das Internet vorzunehmen? Worauf sollten private Verbraucher bei Geldgeschäften im Internet achten?

Stefanie Kühn:
„Wer seine Geldanlagen über Direktbanken steuert, profitiert von meist besseren Konditionen (beispielsweise beim Tagesgeld oder bei Festgeldern) und von niedrigeren Gebühren (kostenfreies Depot, niedrige Transaktionskosten). Schon aus diesen Gründen kommt der Anleger von heute am Internet nicht vorbei. Der Anleger muss aber natürlich auf die Sicherheit achten (Anti-Virenschutz etc.) und sich an die „Spielregeln“ für sicheres Banking halten (nie zwei Tans eingeben, Passwörter oft wechseln etc.). Wer im Internet Geldgeschäfte tätigt, erhält meist keine Beratung, Anleger müssen sich also gut auskennen und regelmäßig kümmern.“

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Ist ein Bankberater heute überflüssig?

Stefanie Kühn:
Wer sich gut auskennt oder willens ist, das nötige 1×1 zu lernen, benötigt keinen Bankberater. In der Realität ist es ja auch meist ein Bankverkäufer und kein Bankberater, der einem gegenüber sitzt. Rat kann sich der online-affine Anleger bei Honorarberatern suchen, die nichts verkaufen müssen. Honorarberater sind Finanzberater, die ausschließlich Rat erteilen und dafür bezahlt werden. Sie leben nicht von Provisionen. Das macht sie in ihrem Rat natürlich deutlich unabhängiger.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Mit Banken, Werbung, Internet und Medien strömt auf Verbraucher eine Informationsflut ein. Wie kann da der Durchblick erhalten bleiben? Welche Informationsquellen empfehlen sie?

Stefanie Kühn:
Der Informationsflut kann man nur durch geschicktes Filtern entkommen. Der 20. Finanznewsletter am Tag verspricht sicherlich keinen Gewinn mehr. Vor heißen Tipps per Newslettern sei sowieso gewarnt. Ich empfehle eine wöchentliche oder monatliche Zeitschrift wie die Wirtschaftswoche oder Euro, dazu ein Onlineportal für die Fakten zu Fonds und Aktien (www.finanznachrichten.de, www.comdirect.de als Beispiele).

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Wie können Verbraucher vorgehen, um ihre Finanzen zu ordnen? Was empfehlen Sie dafür beispielsweise jungen Menschen, die gerade in den Beruf starten?

Stefanie Kühn:
Wer seine Finanzen ordnen will, beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Diese ist das A und O, denn alle weiteren Anlagen sollten dazu passen. Über die Ziele geht es dann weiter zu möglichen neuen Anlagen und Umschichtungen. Berufsstarter sorgen zunächst für den nötigen Versicherungsschutz, wie beispielsweise die wichtige private Haftpflichtversicherung und die Berufsunfähigkeitsabsicherung, die der Existenzsicherung dient. Der Aufbau einer Notfallreserve ist auch unumgänglich. Erst dann geht es an das weitere Sparen und die Altersvorsorge.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Was sollten Paare bei Finanzen und Versicherungen beachten, die gerade eine Familie gründen?

Stefanie Kühn:
Junge Familien können zunächst den Versicherungsschutz optimieren. Einiges ist oft doppelt vorhanden und kann gekündigt werden. Dann muss auch hier die Absicherung bei Berufsunfähigkeit abgesichert werden und ggf. das Todesfallrisiko. Das ist wichtig, wenn Kinder da sind.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Senioren zählen in Bankkreisen als lukrative Zielgruppe. Welche Anlageprodukte und Versicherungen benötigen Senioren / Rentner nicht?

Stefanie Kühn:
Viele Senioren möchten mit ihren Geldanlagen ruhig schlafen. Wenn ich mir die Anlagen aber ansehe, bekomme ich dagegen eher Angst. Wichtig ist es, dass die Senioren nur die Risiken eingehen, die sie auch eingehen möchten. Dazu zählt auch, dass Festgeld in Ordnung ist und es nicht schlimm ist, wenn man die Aktienquote auf Null setzt. Allerdings muss man aufpassen, dass man nach Steuern und Inflation noch eine positive Rendite erzielt. Die Anleger, denen Börse Spaß macht, die sollen natürlich weiter dabei bleiben. Bei den Anlagen gibt es keine speziellen Tabus. Bei den Versicherungen dagegen kann aufgeräumt werden. Berufsunfähigkeitsversicherungen enden oft sowieso oder können bei genügend Vermögen einige Jahre vor dem Ruhestand herausgenommen werden. Auch eine Risikolebensversicherung wird dann oft überflüssig.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Was empfehlen Sie Verbrauchern zu beachten, um sich ihre Geldanlagen so zu stricken, dass sie den persönlichen Bedürfnissen entsprechen?

Stefanie Kühn:
Verbraucher sollten sich zunächst über ihre kurz-, mittel- und langfristigen Ziele klar werden. Zudem ist es nötig, dass sie sich Gedanken über ihre Risikomentalität machen. Sind sie bereit größere Risiken für eine höhere Rendite einzugehen oder möchten sie lieber konservativ mit einem sicheren Ertrag anlegen. Die Auswahl der passenden Geldanlageprodukte dazu sind dann nur der letzte Schritt. Viel wichtiger ist es, zunächst genau zu spezifizieren, was man möchte.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Herzlichen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!

Angebot
Geldanlage für Fleißige: 2., aktualisierte Auflage
  • Stefanie Kühn, Markus Kühn
  • Herausgeber: Stiftung Warentest
  • Auflage Nr. 2 (25.02.2014)
  • Taschenbuch: 192 Seiten

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Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

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