Interview

Interview mit Barbara Kettl-Römer
„Was macht mein Kind im Netz? Der Social-Media-Ratgeber für Eltern“

Barbara Kettl-Römer

Barbara Kettl-Römer (Jahrgang 1968) ist Diplom-Kauffrau und gelernte Redakteurin. Seit 1998 schreibt und lehrt sie freiberuflich. Sie ist Autorin mehrerer Bücher und legt besonderen Wert auf Praxisbezug, Verständlichkeit und Umsetzbarkeit der Informationen und Tipps. Als Mutter von drei Kindern beschäftigt sie sich eingehend mit der Vermittlung von Finanz- und Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche.

Alle Jugendlichen und immer mehr auch jüngere Kinder drängt es ins Internet. Sie möchten sich beteiligen an den Möglichkeiten der Social Media. Viele Eltern sind zu diesem Thema verunsichert und fragen sich, wie sie ihre Kinder vor Gefahren im Netz schützen können. Zu diesem Thema hat Barbara Kettl-Römer den Ratgeber „Was macht mein Kind im Netz? Der Social-Media-Ratgeber für Eltern“ veröffentlicht. Er ist Mitte September 2012 erschienen.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Frau Kettl-Römer, Ist Social Media ein Thema mit dem Eltern sich beschäftigen müssen? Ab welchem Alter der Kinder wird das Thema interessant?

Barbara Kettl-Römer:
Für die Kinder sind soziale Medien, insbesondere Facebook, heute ein soziales Muss, und deswegen müssen wir Eltern uns damit beschäftigen, ob wir das nun wollen oder nicht. Offiziell ist die Mitgliedschaft bei Facebook zwar erst ab 13 Jahren erlaubt, faktisch aber sind schon Grundschulkinder dort aktiv.

Auch andere Chatforen oder Internetspiele werden schon im Grundschulalter genutzt, dazu kommen all die tollen Sachen, die man mit einem Smartphone machen kann. Spätestens ab der 5. Klasse sind Social Media ein Thema, an dem wir nicht mehr vorbeikommen.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Was sind die Gefahren von Social Media für Kinder und Jugendliche?

Barbara Kettl-Römer:
Zunächst einmal bieten Social Media viele Chancen: Sie eignen sich dazu, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, ermöglichen den schnellen und bequemen Austausch mit anderen und lassen sich auch für die Schule oder Vereine sinnvoll nutzen, etwa um gemeinsame Projekte zu koordinieren oder sicherzustellen, dass jeder weiß, welche Hausaufgaben zu machen sind.

Aber die „Sozialen Medien“ können auch ganz schön unsozial sein. Sie sind ein Tummelplatz für Internet-Kriminelle, die Daten ausspähen und gutgläubige Nutzer in Abo-Fallen locken oder auf andere Arten abzocken. Andere nutzen die Anonymität des Netzes, um Kinder und Jugendliche sexuell zu belästigen, sie als Stalker zu verfolgen und einzuschüchtern, sie zu mobben oder sie für extremistisches Gedankengut zu gewinnen.

Gefahren liegen aber nicht nur darin, dass unsere Kinder Opfer von Rechtsverletzungen werden, sondern auch darin, dass sie selbst zu Tätern werden. Sehr schnell werden in sozialen Netzwerken Persönlichkeits- oder Urheberrechte verletzt – und das kann am Ende für die Eltern richtig teuer werden, etwa wenn Abmahnungen für illegale Downloads ins Haus flattern.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Facebook ist bei Jugendlichen ein großes Thema. „Müssen“ Kinder mitmachen? Wie sollen sich Eltern verhalten?

Barbara Kettl-Römer:
Der Gruppendruck ist bei Teenagern schon sehr groß. Wenn das Kind mit 13 dann zu Facebook möchte, würde ich es nicht verbieten. Sonst meldet es sich am Ende heimlich vom Computer eines Freundes oder von seinem Smartphone aus dort an. Wichtig ist, das Kind bei der Anmeldung und der Nutzung zu begleiten, über die Gefahren zu sprechen, Regeln festzulegen und die Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam vorzunehmen. Dazu müssen Eltern sich aber informieren, sich selbst mit Facebook beschäftigen und sich auch einmal von ihrem Kind zeigen lassen, was es dort macht.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Die häufige Nutzung von Social Media birgt ein Suchtpotenzial. Wie sollen Eltern dem entgegentreten?

Barbara Kettl-Römer:
Der Computer gehört nicht ins Kinderzimmer, und Smartphones sollten abends bei den Eltern abgegeben werden. Sinnvoll ist es auch, die Mediennutzungszeiten zu begrenzen und zwischendrin auf internetfreie Tagen zu bestehen. Grundsätzlich ist es das Wichtigste, dass Eltern und Kinder miteinander im Gespräch bleiben. Aber manchmal müssen Eltern auch konsequent durchgreifen und die Kinder vor sich selbst schützen.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Halten Sie Cybermobbing für eine große Gefahr?

Barbara Kettl-Römer:
Cybermobbing entsteht relativ selten im Internet, sondern ist meist eine Fortsetzung von Mobbing, das im realen Leben, etwa in der Schule, begonnen hat. Gefährlich ist es vor allem deswegen, weil das Mobbing dadurch eben nicht am Schultor aufhört, sondern sich rund um die Uhr bis ins Zuhause fortsetzen und viel weitere Kreise ziehen kann. Wenn Eltern so etwas mitbekommen, sollten sie sich sofort an die Schule wenden und darauf bestehen, dass dort reagiert wird, etwa indem ein Schulpsychologe eingeschaltet wird.

Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de:
Frau Kettl-Römer, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Was macht mein Kind im Netz? Der Social-Media-Ratgeber für Eltern
  • Barbara Kettl-Römer
  • Herausgeber: Linde, Wien
  • Auflage Nr. 1 (17.09.2012)
  • Taschenbuch: 160 Seiten

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Über den Autor

Thomas Nissen

Thomas Nissen

Experte für Finanzthemen beim unabhängigen Wissensportal Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de

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