Handyversicherung sinnvoll?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Viele Anbieter wollen Sie direkt beim Kauf eines neuen Smartphones von ihrer Handyversicherung überzeugen.
  • Prüfen Sie, welche Schäden und Diebstähle von der Versicherung abgedeckt werden. Umfangreiche Handyversicherungen sind teuer, versichern dafür aber auch Reparaturen durch Herunterfallen, Feuchtigkeit oder Diebstahl.
  • Unverschuldete Schäden sind durch die gesetzliche Garantie ohnehin mindestens 2 Jahre lang vom Anbieterservice abgedeckt.
  • Bei Diebstahl ist die Chance gering, das Handy zurückzubekommen. Versicherungen ersetzen nur den materiellen Wert.
  • Wir raten von einer allgemeinen Handyversicherung für private Anwender ab.

Die Vorgehensweise

  • Überlegen Sie beim Kauf, für wie lange Sie sich an dieses eine Mobilgerät binden und wie Sie es nutzen wollen.
  • Private Geräte werden in der Regel nach 2 bis 3 Jahren ersetzt, weil neue Modelle und Betriebssysteme besseren Service bieten.
  • Wie häufig wurde Ihr Handy in den letzten Jahren gestohlen oder wie teuer waren die letzten Reparaturen?
  • Schließen Sie beim Kauf vor Ort oder online nie eine vorgeschlagene Handyversicherung ab, sondern vergleichen Sie Handyversicherungen mit verschiedenen Kostenmodellen und Konditionen.
  • Nutzen Sie Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht, um ungewollt abgeschlossene Versicherungen zu kündigen und nehmen Sie sich die Zeit für Vergleiche.

In unserem Ratgeber


Für wen lohnt sich eine Handyversicherung?

Das Szenario verläuft online ebenso wie in Geschäften häufig ähnlich. Sie entscheiden sich für ein neues Handy oder Tablet, und beim Checkout oder sobald Sie mit einem Kundenberater die Formalien erledigen, werden Sie gefragt, ob Sie das neue Gerät versichern möchten.

Online müssen Sie häufig nur ein Häkchen setzen und schon erscheint die Versicherung mit auf Ihrer Rechnung. Im Ladengeschäft wird Ihnen der Verkäufer erzählen, was Ihrem neuen Smartphone alles widerfahren kann. Dabei wird mit psychologischen Verkaufstricks gearbeitet.

Sie wollen doch nicht, dass die Fotos Ihres Enkels für immer verschwinden wegen eines Technikdefektes. Über die Versicherung wird Ihr Gerät jederzeit repariert. Soweit die Theorie. Doch die wenigsten Handyversicherungen halten, was Ihnen im Verkaufsgespräch versprochen wird.

Nur wenige Nutzer benötigen eine Handyversicherung

Der durchschnittliche private Nutzer kaufte alle zweieinhalb Jahre ein neues Handy. Doch die Technik wird immer günstiger und asiatische Billigmodelle halten nur noch die versprochenen 2 Jahre nach dem Kauf, wenn sie täglich Alltagsbelastungen ausgesetzt sind.

Markengeräte schaffen 3 Jahre, bis ihr Akku langsam in der Leistung nachlässt, das Gerät häufiger geladen werden muss und sich schneller entlädt. Je mehr Leistung neue Apps und Spiele benötigen, desto häufiger muss die Hardware überarbeitet werden. Der Durchschnitt allein sagt zudem noch nichts darüber aus, wie und wie lange Sie Ihr Handy nutzen.

Wer auf sein Handy existentiell angewiesen ist, beispielsweise weil er einen medizinischen Notruf jederzeit erreichen muss, oder das Gerät Kunden zum Zahlen und Unterschreiben von Belegen vorlegt, lässt sich eher dazu verleiten, die Handyversicherung für eine gute Sache zu halten.

Tatsächlich ist jedoch der Service rund um Reparaturen für die ersten 2 Jahre nach dem Kauf gesetzlich geregelt. Ein Akku, der nach einem Jahr bereits aufgibt, ist ein Garantiefall und wird vom Hersteller ausgetauscht. Immer öfter senden die Hersteller in einem solchen Fall ein neues Gerät zu, da die Reparatur zu teuer wäre. “Gorillaglas”-Displayfolien sorgen gegen das früher häufige Springen des Glases vor, Outdoorhüllen schützen beim Fall.

Wenn überhaupt ist die Handyversicherung also für Menschen geeignet, die häufig selbst verschuldete Reparaturfälle vorliegen haben und ihr Handy beruflich dringend benötigen.

Sie sollten jedoch wissen, dass die Versicherung für 2 Jahre bei den meisten Anbietern in etwa so teuer ist, wie das einmalige Ersetzen eines Displays.


Handy im Falle eines Diebstahls absichern

Besonders attraktiv scheinen Handyversicherungen, die auch bei Diebstahl das Gerät versichern. Aber was passiert eigentlich, wenn das Handy doch einmal geklaut wird? Wird Ihr Handy in belebter Umgebung aus Ihrer Tasche oder Hosentasche entwendet und Sie können den Dieb in der Menge nicht ausmachen, liegt ein klassischer Diebstahl vor, den Sie nicht zu verantworten haben.

Sie sind dann gesetzlich verpflichtet, diesen Diebstahl zur Anzeige zu bringen. Das ist zeitaufwendig und kaum von Erfolg gekrönt. Selbst wenn die Polizei den Dieb am nächsten Tag aufgrund eines anderen Deliktes fasst, ist Ihr Handy wahrscheinlich längst verkauft. Mit der IMEI und Seriennummer lässt es sich theoretisch jederzeit wieder Ihrem Kauf zuordnen, doch Diebesgut bleibt meist verschwunden.

Melden Sie den Diebstahl nach der Anzeige Ihrer Versicherung, können weitere Fragen auf Sie zukommen:

  • Wo und wie haben Sie das Handy aufbewahrt? Lag es beispielsweise offen auf dem Tisch, während Sie sich im Café einen Kaffee geholt haben?
  • Wie viel Zeit ist zwischen Diebstahl und Anzeige vergangen?
  • Wie lange haben Sie das Handy zuvor genutzt und in welchem Zustand war es?

Vor allem dieser Punkt ist wichtig, denn die Versicherung ersetzt stets nur einen geschätzten aktuellen Zeitwert.

Beispiel: Haben Sie 1.000 Euro für das Gerät bezahlt, das heute für 700 Euro neu verfügbar ist, und das Handy ein Jahr lang genutzt, kann der Zeitwert bei rund 400 Euro liegen. Von diesem Geld können Sie kein neues Handy kaufen.

Teure Handyversicherungen versprechen Ihnen, dass Sie bei Diebstahl ein Ersatzgerät erhalten. Je nach Formulierung im Vertrag muss es sich dabei nicht um ein ähnliches Modell handeln, Sie sind nur wieder erreichbar.

Private und berufliche Daten bleiben verschwunden

Im Falle eines Diebstahls erhalten Sie also eine geringe Summe oder ein Ersatzgerät. Was verschwunden bleibt, ist Ihr Handy mit allen enthaltenen Daten.

Konten zu sperren, Logins zu ändern und Vorgesetzte und Freunde zu informieren, dass private und professionelle Daten nun eventuell für einen Dritten offen liegen, all das nimmt Ihnen die Versicherung nicht ab.

Die Summe, die Sie im Falle eines Diebstahls erhalten, kann sogar niedriger sein als die bisher eingezahlten Beträge. Bei Diebstahl ist die Handyversicherung also nur eine kleine Hilfe, aber kann keinen Ersatz für das Gerät anbieten.


Was deckt die Handyversicherung ab?

Handyschäden lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Nicht alle Schäden werden von allen Versicherungen bezahlt. Die meisten Schäden kann die Versicherung gar nicht komplett abdecken, da Sie als Nutzer in der konkreten Beweispflicht sind, was mit dem Gerät geschehen ist.

Wir raten eher davon ab, eine Handyversicherung abzuschließen

Bruchschäden und Herunterfallen:
Jedem Nutzer fällt von Zeit zu Zeit das Mobilgerät zu Boden. Glücklich, wer in diesem Moment Teppichboden, PVC oder Laminat unter den Füßen hat. Bereits ein Holzboden kann zum Aufbrechen des Gehäuses führen, Fliesen und Asphalt sorgen für Sprünge im Display. Fast alle Handyversicherer listen diesen häufigsten Schadensfall als versichert.

Das gilt zumindest dann, wenn Sie nachweisen können, dass das Gerät unbeabsichtigt und ohne Fremdeinwirkung heruntergefallen ist und ausreichend geschützt war. Wurden Sie angerempelt oder haben sich erschreckt, wäre die Haftpflichtversicherung des Gegenübers zuständig.

Selbst offensichtliche Defekte können von Seiten der Versicherung abgelehnt werden, da eine mutwillige Beschädigung vermutet wird. Sie könnten in diesem Fall klagen, doch der Streitwert richtet sich nach den Kosten einer Reparatur, die nicht hunderte Euro kostet.

Feuchtigkeit im Handy
Nach dem letzten Regenguss funktionieren die Lautsprecher Ihres Mobilgerätes nicht mehr vernünftig. Sie melden dem Versicherer den Schaden durch Feuchtigkeit. Fast alle Verträge bezahlen für diesen Schaden, aber auch für diese Art von Beschädigung? Nicht, wenn Witterungseinflüsse ausgenommen werden. Im Zweifel kann bei Schäden dieser Art im Wohnbereich sogar die Hausratversicherung zuständig sein.

Diebstahl des Handys
Die Diebstahlversicherung, die nicht überall enthalten ist, greift nur dann, wenn Sie das Handy an sich hatten, als es gestohlen wurde. Lag es offen herum oder war in einer Außentasche des Rucksacks verstaut, ist das zwar ein Fall für die Polizei, aber nicht für die Handyversicherung.

Anwenderfehler
Nachdem Sie eine fehlerhafte App installiert haben, fährt das Gerät nicht mehr hoch. In diesem Fall liegt ganz klar ein Anwenderfehler vor, aber wahrscheinlich kein Versicherungsfall. Listet die Versicherung Anwender- oder Bedienungsfehler, schließt sie solche Szenarien aus, die in der Anleitung des Handys aufgeführt sind.

Fast alle Hersteller warnen nicht nur dort, sondern auch in den Nutzungsbedingungen für Betriebssystem und App-Stores vor der Installation unbekannter Inhalte. Mit der Praxis haben diese Tipps häufig nichts zu tun. Die Versicherung wird dennoch einen Weg finden, den Schaden abzulehnen.

Versicherungsklauseln, die Sie kennen sollten

Im Schadensfall geht es nicht nur um die Art des Schadens, sondern auch darum, was die Versicherung angibt, in einem solchen Fall zu tun. Viele Handyversicherer verlangen beispielsweise auch für Reparaturen eine Selbstbeteiligung in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes oder “bis xx Euro”. Selbst wenn ein Schaden als Versicherungsfall akzeptiert wird, kann es sein, dass Sie einen festen Betrag zu der Reparatur zuzahlen müssen.

Automatische Vertragsverlängerungen sind ebenfalls eine Falle. Eine Versicherung mit einer Mindestlaufzeit von 2 Jahren verlängert sich danach häufig automatisch. Übersehen Sie den Posten, zahlen Sie noch lange nach Kauf eines neuen Gerätes die Versicherung für das alte Handy.


Für den Notfall: So erhalten Sie schnell Hilfe

Ihr Handy ist kaputt gegangen, startet nicht mehr, oder wurde gestohlen und Sie haben sich aus Kosten- und Konditionsgründen gegen eine Versicherung entschieden? Jetzt können Ihnen folgende Stellen helfen:

Die Verkaufsstelle
In den ersten 2 Jahren nach dem Kauf haben Sie eine Garantie auf die Funktionstüchtigkeit Ihres Handys. Im Notfall können Sie sich an den Verkäufer online oder vor Ort wenden. Dieser kann für Sie den Support kontaktieren, um zu erfahren, wohin Sie das Gerät schicken können.

Markengeschäfte können Ihnen manchmal auch ein Ersatzgerät zum festen Mietpreis ausgeben, das Sie bis zur Reparatur nutzen können.

Der Hersteller
Hersteller garantieren Ihnen, dass das Gerät aus Ihrer Produktion funktioniert. Das gilt zumindest für Kunden innerhalb der EU, auch wenn der Hersteller im Ausland sitzt.

Alle Mobilgerätehersteller verfügen über einen Kundenservice mit Reparaturservice. Dort können Sie das Gerät einschicken und begutachten lassen. Je nach Kondition des Kaufvertrags erhalten Sie einen Kostenvoranschlag, wenn die Garantie nicht greift, oder automatisch eine Rechnung für die Reparatur.

In jedem Fall nehmen Prüfung und Reparatur mehrere Tage in Anspruch. Mit zwischengeschaltetem Versicherer kann der Fall noch länger dauern.


Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Ich habe aus Versehen eine Handyversicherung abgeschlossen. Was tun?
Innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss können Sie den Vertrag formlos widerrufen. Danach unterliegen Sie der Beweispflicht, dass Sie nicht über die Zusatzkosten informiert wurden, da zum Beispiel die Versicherung nur nebenher im Vertrag erwähnt wurde und keine zusätzliche Unterzeichnung bedingte.
Meine Versicherung zahlt den Handyschaden nicht, kann ich klagen?
Sie können im abgelehnten Schadensfall einen Anwalt die Verträge der Versicherung gegenprüfen lassen. Das ist teuer und aufwendig. Selbst wenn Sie im Recht sind, erhalten Sie nur die Reparaturkosten erstattet.

Auch ein Versicherungsombudsmann kann mit Ihrem Fall betraut werden. In jedem Fall benötigen Sie Zeugen und die Dokumentation der Schäden, um überhaupt eine Chance zu haben.

Gibt es auch gute Versicherungen für Handys?
Einige Handyversicherungen sind schlechter als andere. Im Großen und Ganzen lässt sich jedoch kein Versicherer besonders positiv hervorheben, da Handyschäden sich oft günstig vom Hersteller beheben lassen und innerhalb der Garantieleistung viele Schäden bereits kostenfrei abgedeckt sind.
Was muss ich im Schadensfall tun?
  • Bewegen Sie das Handy nicht weiter. Fertigen Sie Fotos vom Schaden und dem Umfeld an.
  • Bei Diebstahl sprechen Sie Sicherheitspersonal an und erstatten Sie Anzeige unter Hinweis auf den Zeugen.
  • Ändern Sie alle Passwörter, sperren Sie das Gerät in Clouds und Accounts.
  • Dokumentieren Sie Schriftverkehr mit Polizei und Versicherung.
  • Ziehen Sie bei unbegründeter Ablehnung des Antrags auf Ersatz oder Reparatur einen Anwalt hinzu, wenn sich der finanzielle Aufwand lohnt.