ETFs – Indexfonds

Aktualisiert: 19. Mai 2020 | Thomas Nissen
Das Wichtigste auf einen Blick:

  • ETFs (Exchange Traded Funds) sind sogenannte Indexfonds und werden in letzter Zeit immer beliebter. Sie dienen dem Vermögensaufbau.
  • ETFs bilden dabei einen Indizes ab. Gängige Indizes sind Aktienbörsen wie der deutsche DAX, der amerikanische S&P 500 oder der Weltaktienindex MSCI World.
  • Mit einem ETF sichern Sie sich dabei die gleiche Durchschnittsrendite, die der ausgewählte Index erreicht.
  • Dadurch können Sie verhältnismäßig günstig und vor allem passiv an steigenden Aktienkursen mitverdienen, ohne dabei aktiv eingreifen zu müssen.
  • ETFs sind dabei genauso abgesichert wie aktiv verwaltete Fonds: ETFs sind Sondervermögen und bei Anbieterkonkurs geschützt.
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ETFs: Hype oder Gamechanger?

ETFs werden immer beliebter und prominenter, wenn es um Fragen des individuellen Vermögensaufbaus geht.

Entgegen der allgemeinen Bekanntheit, sind diese Produkte nicht neu. Die ersten ETFs gab es bereits ab der 1980ern auf dem US-Markt. Der wachsende Zulauf seit einigen Jahren hat aber mit der zunehmenden Vermarktung, primär durch Direktbanken, für KleinanlegerInnen zu tun.

ETFs bieten nahezu jedem bereits mit kleinen Beträgen einen Zugang zum Aktienhandel. Sie bieten zahlreiche Vorteile, sollten aber von Anlegern immer auch im Vorfeld verstanden werden. Nachfolgend werden die wichtigsten Eckpunkte behandelt.

Wie funktionieren ETFs?

ETFs sind Indexfonds, also börsengehandelte Fonds, die ihr zur Verfügung stehendes Kapital an den Aktienbörsen investieren. In aller Regeln handelt es sich dabei um passiv verwaltete Indexfonds

Es gibt demnach keine aktiven Fondsmanager, welche die Aktientitel individuell selektieren, sondern es wird immer direkt in einen ganzen Index investiert. Bereits heute werden 1/7 jedes investierten Euros in Deutschland in einem ETF platziert.

Bei ETFs ist häufig die Rede davon, dass sie „den Markt abbilden“.

Ein Index kann ganz unterschiedlich ausfallen. In den allermeisten Fällen werden jedoch ganze Märkte oder Regionen abgedeckt. Sehr beliebte Indizes sind der deutsche DAX, der amerikanische S&P 500 oder der Weltaktienindex MSCI World. Welche Aktien im Index enthalten sind, wird regelmäßig automatisch angepasst.

Konstruktionsarten und Ausschüttung

Es gibt zwei unterschiedliche Konstruktionsarten von ETFs:
(a) synthetische und (b) physische ETFs.

Synthetischer ETF:
Als Anleger können Sie sich beim ETF-Anbieter die angepeilte Wertentwicklung über eine Bank mit Hilfe eines Sicherheitskorbes (englisch: “collateral”) absichern lassen.

Synthetisch replizierende ETFs nutzen Finanzprodukte wie Derivate. Das können Tauschhandel wie “Swaps” sein, um die Wertentwicklung des eigentlich zugrunde liegenden Index abzubilden.

Der Tausch kann für beide Anleger und Anbieter am Ende günstiger sein, als die physische Abbildung eines ETFs. Allerdings besteht die Gefahr eines Zahlungsausfalls des Swap-Partners.

Physischer ETF:
Eine Vollreplikation ist die 100%-ige Nachbildung eines Index. Die Aktien werden in der Folge gemäß der Gewichtung im selektierten Aktienindex gekauft.

Für kleine Indizes wie bspw. dem DAX mit 30 Unternehmen ist dies gut möglich. Bei großen Indizes wie dem MSCI World mit mehr als 1.600 Unternehmen, wiederum nur äußerst aufwendig.

Folglich wird eine Teilreplikation genutzt. Dabei werden zur Nachbildung lediglich repräsentative Index-Titel ausgewählt, also nur eine optimierte Auswahl (optimized sampling).

Diese Selektion wird oftmals auch nach Korrelation mit anderen Aktientiteln, die den Indextiteln gleichen, ausgewählt. Gerade die Vollreplikation ist gut nachvollziehbar und transparent.

Unterschiede synthetische und physische ETF

synthetische ETFsphysische ETFs
Indexentwicklung wird über ein Tauschgeschäft (Swap) von einer Bank abgesichert und einem eigenen TrägerportfolioDie Aktien, die im Originalindex vertreten sind werden ganz (Vollreplikation) oder teilweise optimiert (Teilreplikation) abgebildet.
Tauschgeschäfte zur kostengünstigeren NachbildungAktienverleih am Kapitalmarkt für Mehreinnahmen
Beischerte Tauschgeschäfte: bei Insolvenz des Swappartners wird Trägerportfolio liquidiertBesicherte Wertpapierleihe: meist tägliche Ausgleichung

Des Weiteren kann auch die Anlegerbeteiligung an den Dividenden variieren:

Wiederanlegender ETF:
Bei einem wiederanlegenden oder thesaurierenden ETF werden die eingenommenen Dividenden direkt wieder dem Fondsvermögen zur Verfügung gestellt. Dadurch profitieren Sie idealerweise von stetig wachsenden Kapitalerträgen.

Ausschüttender ETF:
Wenn die ETF-Aktienunternehmen Gewinne ausschütten, sogenannte Dividenden, gehen diese zuerst an den ETF-Fonds. Je nach Konstellation können die Ausschüttungen dann an Sie als Anleger weitergereicht werden.

Vor- und Nachteile

Je nach Konstruktions- und Ausschüttungsart gibt es klare Vorteile von ETFs.

  • ETFs vereinen die Vorteile von Aktien und Fonds in einem Produkt und sind dabei ein kostengünstiger Zugang zu den Aktienmärkten.
  • ETFs sind als passives Investment besonders billig. Man braucht keine aktiven Fondsmanager mit Researchaufgaben.
  • Gerade bei ETF Sparplänen kann man als Anleger bereits für kleines Geld einsteigen und sich günstig am Börsengeschehen zum langfristigen Vermögensaufbau beteiligen.
  • Die niedrige Einstiegshürde, besonders bei leicht verständlichen physischen ETFs, ermöglicht einen guten Einstieg an die Börse und in das eigenständige Kapitalinvestment.
  • Besonders bei einer detaillierten Beschäftigung mit den verschiedenen ETF-Varianten sind Indexfonds ein sinnvoller Baustein einer risikoärmeren Diversifizierungsstrategie.

Langzeitstudien zeigen, dass aktive Fonds (inkl. deren Verwaltungskosten) im Durchschnitt schlechter als große ETF-Indexfonds abschneiden.

In diesem Zusammenhang ist die gesamtwirtschaftliche Betrachtung jedoch entscheidend. Wenn die Aktienmärkte, in Zeiten von wirtschaftlichem Aufschwung und “billigem Geld” in der Niedrigzinsphase, tendenziell florieren, dann profitieren Indexfonds besonders stark.

In Zeiten von Wirtschaftskrisen, in denen die Aktienkurse gesamtheitlich fallen, muss jedoch abgewogen werden. In der Folge gibt es auch Kritik und Nachteile am boomenden ETF-Geschäft.

  • Viele Anleger verstehen die unterschiedlichen ETF-Konstruktionen und damit die tatsächliche Indexabbildung nicht. Das gilt besonders für die synthetische Nachbildung.
  • Bei synthetischen ETFs besteht ein Kontrahentenrisiko, dass der Swap-Partner insolvent wird.
  • Aus gesamtheitlicher Sicht sind ETFs in Krisenzeiten noch relativ unerforscht.
  • Bei phyischen ETFs: Bei Teilreplikationen kann es kleineren Abweichungen vom Index kommen (Tracking Error). Die physische Nachbildung ist zudem aufwendiger und verursacht folglich höhrere Gebühren.
  • Für risikoreiche Anleger: Aktive Fondsmanager verursachen zwar mehr Kosten, können aber im Gegensatz zu ETFs auch vereinzelt die Märkte schlagen.
  • Aus nachhaltiger und ökologischer Sicht werden ETFs teilweise kritisch bewertet. Der Begriff “Nachhaltigkeit” ist rechtlich nicht geschützt und wird daher oft irreführend verwendet.

Den richtigen Index auswählen

Ausschlaggebend für die Wahl des richtigen Indexfonds sind, aus unserer Sicht, folgende Kriterien:

  • Den ETF sollte es schon mehrere Jahre erfolgreich an der Börse geben.
  • Prüfen Sie die Berichterstattung über den Anbieter und die Zahlen in den zurückliegenden Jahren des präferierten ETF.
  • Der Nettoindex ist die wichtigste Kennzahl. Sie zeigt den Wert aller Aktien, zieht Quellensteuern davon ab und addiert Dividenden.
  • Ein gewisses Anlagevolumen von mehreren Millionen Euro ist ein starkes Indiz dafür, dass der ETF nicht bald wieder vom Markt genommen wird.
  • Alle wichtigen Anlegerinformationen sollten transparent vorliegen und verstanden werden. In diesem Zusammenhang ist auch ein entsprechender Support (telefonisch etc.) durch den Anbieter wichtig.
  • Achten Sie auf die Kosten und Gebühren, wenn gleich diese nicht ausschlaggebend sein müssen. Niedrigere Fixkosten sind kein Garant für höhere Renditen.

Wie sicher sind ETFs?

Nachfolgend wollen wir gängige Risiken und häufige Argumente zu ETFs näher betrachten (Quelle: Stiftung Warentest 03.12.2018).

(1) ETFs sind nicht risikofrei.
Antwort: Kein Investment ist ohne Risiko. Das bedeutendste ETF-Risiko sind die börsenüblichen Kurs­schwankungen, gegen die Anleger niemals abgesichert sein können. Aktien bilden zukünftige Entwicklungen ab und diese Entwicklungen sind ihrer Natur nach unverhorsehbar. ETF wiederum sind eine bequeme und güns­tige Art, Geld passiv anzu­legen. Dabei schneiden Sie so ab wie “der Markt”, den Sie als ETF auswählen.

(2) Synthetische ETFs per Swap, also ein Tausch­geschäft, sind gefähr­lich.
Antwort: Bei ETF mit Swap-Partner sorgt der Swap dafür, dass sich der ETF so wie der Index entwickelt. Das kann güns­tiger und genauer sein als die direkte Nachbildung der Index­titel. Das Ausfallrisiko ist eher theoretischer Natur, besonders wenn Sie auf die Empfehlungen aus dem Kapitel “Den richtigen Index auswählen” achten.

(3) ETF können Finanzkrisen verstärken.
Antwort: Massenpsyschologische Effekte sind an der Börse immer vorhanden. Bei ETFs wird bei stark schwankenden Kursen nicht automatisch verkauft oder gekauft, sondern nur wenn die ETF-Anleger entsprechend reagieren. Das ist allerdings nicht ETF-spezifisch, sondern auch bei aktiven Fonds der Fall.

(4) ETFs stören die Preisfindung am Markt.
Antwort: Das passive Anlegen könnte grundsätzlich die Preisfindung stören. Allerdings nur solange keiner aktiv mehr handelt oder ETFs den Markt dominieren. Aktive Investoren, mit höherem Risiko, gibt es aber in ausreichender Größe. Marktverzerrende Mechanismen gibt es zudem unabhängig von ETFs.

Was kostet ein ETF?

Die sogenannte Total Expense Ratio (TER) ist für die Kosten aussagekräftig. Als Effektivkostenquote zeigt sie die Minderung der Rendite durch die verursachten Kosten.

Praxis-Tipp: In den Anlegerinformationen, auf der Website oder im Wertpapierprospekt, können Sie die Effektivkostenquote in Erfahrung bringen.

Die TER umfasst alle Pauschalgebühren für Verwaltung, Depotbank, Mehrwertsteuer und die Anlegerinformationen. Als Richtwert dient hierbei eine TER von 0,1-0,5 % pro Jahr.

Transaktionskosten beim Handel sind nicht im TER enthalten. Die tatsächlichen ETF-Kosten können demnach immer erst rückwirkend festgestellt werden und werden im Vorfeld für ein Jahr oder Quartal immer auf den Vorjahresdaten geschätzt.

Steuerliche Betrachtung

Seit 2018 ist die steuerliche Behandlung von ETFs neu und damit deutlich einfacher geregelt. Folgende steuerliche Aspekte müssen Sie bei ETF-Investitionen berücksichtigen.

Die Abgeltungsteuer ist die elementarste Steuer bei Kapitalerträgen und Investments. Sie beträgt 25% bei Erträgen und Kursgewinnen aus ETFs. Der Solidaritätszuschlag von 5,5% auf die Abgeltungsteuer sowie optional die Kirchensteuer kommen ergänzend hinzu. Mit einem Sparerpauschbetrag oder Verlustvorträgen lässt sich die Steuerlast ggf. reduzieren.

Liegen Ihre jährlichen Kapitalerträge unter 801 Euro als Privatperson, greift der Sparerpauschbetrag und Sie müssen keine Abgeltungsteuer abführen. Dies schließt auch Kinder und deren Junior Depots ein.

Zusätzlich kann eine sog. Quellensteuer bei Erträgen aus ausländischen Aktien und anderen ausländischen Wertpapieren fällig werden. Dabei sind ETFs noch verhältnismäßig vorteilhaft.

Praxis-Tipp: Professionelle Beratung oder Unterstützung in Steuerfragen ist bei größeren Investitionen und Erträgen immer ratsam.

Wichtige Fragen – kurz beantwortet

Was sind ETFs?
Ein ETF ist die englische Abkürzung für „Exchange Traded Fund”. Als ein an der Börse gehandelter Indexfonds wird die Wertentwicklung eines ausgewählten Index (bspw. des DAX) abgebildet. ETFs sind für passive Investoren geeignet und verbinden die Vorteile von Aktien und Fonds.
Wo kann man ETFs kaufen?
ETFs können Sie überall kaufen, wo Sie auch Aktien erwerben können. Zu den Anbietern eines benötigten Online-Depots zählen demnach Online Broker, spezielle Fondsgesellschaften, klassische Banken sowie mittlerweile auch Fonds-Discounter, die jedoch keinen Börsenhandel anbieten.
Was ist ein ETF-Sparplan?
Der ETF-Sparplan ist an einen klassischen Banksparplan angelegt. Sie investieren dabei monatlich in einen ausgewählten Indexfonds (ETF). Der Vorteil liegt in der niedrigen Einstiegshürde, da Sie bereits oft mit einem Sparbetrag von 25 Euro einsteigen können und von der Wertentwicklung ganzer Märkte profitieren können.
Welche ETFs erzielen die höchste Rendite?
Es gibt unzählige Indexfonds. Bei generell steigenden Kursen und Wirtschaftswachstum performen meist die großen, ganzheitlichen ETFs wie bspw. der MSCI World von Morgan Stanley, welcher die Entwicklung der Aktien weltweit abbildet, sehr gut und verhältnismäßig stabil.

Die beste Vorgehensweise

  • Machen Sie sich über die verschiedenen Anlageformen und Anbieter kundig.
  • Entscheiden Sie zunächst, ob Sie in (1) größerem Umfang in ETF-Anteile investieren oder (2) monatlich mit einem ETF-Sparplan sparen möchten.
  • Für den langfristigen Vermögensaufbau raten wir zu einem ETF, bei dem die Dividenden automatisch für Sie thesauriert werden. So profitieren Sie von steigenden Zinseinnahmen.
  • Eröffnen Sie zunächst ein Online-Depot. Wir empfehlen Ihnen hierzu folgenden Anbieter: Trade Republic.

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ETFs ordern leicht gemacht

Nach der Depoteröffnung und der Entscheidung, in welchen Indexfond Sie investieren möchten, brauchen Sie nur noch folgendes: Die Wertpapier-Identifikationsnummer (ISIN) oder die Kennnummer (WKN). Diese geben Sie in die Depotsuchfunktion ein und folgen den weiteren Hinweisen Ihres Anbieters.