Berufsstart: Finanztipps für Berufsanfänger

Der Schulabschluss ist der Start eines neuen Lebensabschnitts. Wer eine praktische Berufsausbildung beginnt, muss Entscheidungen zu Finanzen und Versicherungen treffen. Und auch Studenten müssen sich mit Abschluss von Studium und mit Beginn der Berufstätigkeit um diese Themen Gedanken machen.

Welche Konten brauchen Berufseinsteiger?

Spätestens für die Gehaltszahlung wird ein Girokonto notwendig.

Achten Sie darauf, dass das Girokonto kostenfrei ist. Auch für die Versorgung mit Bargeld an Automaten sollten keine Gebühren anfallen. Für Auszubildende bieten viele Banken kostenfreie Konten an. Danach können Gebühren von der Höhe des monatlichen Geldeingangs abhängen. Suchen Sie am besten gleich eine Bank, bei der dies nicht der Fall ist.

Bei regelmäßigen Gehaltseingängen räumen die meisten Kreditinstitute einen Dispositionskredit ein. Dies bedeutet, dass das Konto in Höhe von etwa zwei bis drei Gehaltseingängen auch ins Minus gehen darf. Aber Vorsicht! Für die Inanspruchnahme des Dispos sind hohe Zinsen an die Bank zu zahlen und der Überblick geht schnell verloren.

Praxis-Tipp

Nehmen Sie einen Dispo nur im Notfall für kurze Zeit in Anspruch. Möchten Sie keinen Dispo auf Ihrem Konto, informieren Sie Ihre Bank, dass Sie nur ein Guthabenkonto führen wollen.

Ein Tagesgeldkonto ist sehr sinnvoll, um flexibel Geld aus dem Lohn anzusparen. Im Bedarfsfall kann darüber jederzeit verfügt werden. Egal, ob für die Autoreparatur oder den nächsten Urlaub. Suchen Sie sich ein Angebot mit einem attraktiven Zinssatz für Ihr Tagesgeldkonto. Vergessen Sie nicht einen Freistellungsauftrag zu stellen.

Sparen nicht vergessen

Eine gute Basis, um Geld anzusparen, sind Vermögenswirksame Leistungen (VL). Unternehmen zahlen in der Regel zwischen 6 und 40 Euro im Monat zusätzlich zum Lohn – je nach Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung. Dies jedoch nur, wenn ein VL-Vertrag besteht.

Ein solcher kann abgeschlossen werden als Fonds-, Bauspar- oder Banksparvertrag. Letzterer enthält meist keine Kosten und ist zuverlässig kalkulierbar, jedoch nicht bei jeder Bank zu bekommen. Er lässt sich aber finden. Nach einer Sperrfrist von 7 Jahren ist eine Verfügung über das Geld möglich.

Praxis-Tipp

Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob Sie vermögenswirksame Leistungen erhalten und schließen Sie einen Vertrag dazu ab.

Der Einstieg in die Altersvorsorge mit der Riester-Rente kann interessant sein, zuvor sind jedoch alle anderen Ausgaben wichtiger. Um Prämien und Steuervorteile auf Dauer zu behalten, kann über den Vertrag erst ab dem 62. Lebensjahr verfügt werden. Das ist eine lange Zeit. Dessen sollten sich Riester-Sparer bewusst sein. Die Auswahl eines Vertrages kann sehr schwierig werden. Kostenschlank ist häufig ein Banksparvertrag.

Bei Fondssparverträgen mindern Verwaltungsgebühren und Ausgabeaufschläge die Wertentwicklung. Rentenverträge sind häufig teuer. Für Riester-Verträge gibt es eine staatliche Zulage von jährlich 154 Euro, wenn 4 % des rentenversicherungspflichtigen Einkommens in den Vertrag fliessen. Junge Arbeitnehmer bis zum 25. Lebensjahr erhalten einmalig einen Bonus von 200 Euro.

Über welche Versicherungen sich Berufsanfänger informieren sollten

Die private Haftpflichtversicherung ist die wichtigste Versicherung überhaupt. Denn durch eine Unachtsamkeit können Schäden in Millionenhöhe entstehen. Ein Auszubildender ist jedoch bis zum Ende der ersten Ausbildung, dies gilt auch für ein Studium direkt nach der Schule, über den Vertrag der Eltern mitversichert. Allerdings nur, wenn er nicht verheiratet ist.

Vorausgesetzt ist auch, dass die Eltern eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Es lohnt sich sicher, dies zu überprüfen.

Praxis-Tipp

Überprüfen Sie, ob Ihre Eltern eine private Haftpflichtversicherung besitzen.

Das Risiko, nicht mehr arbeiten zu können und infolge dessen kein Einkommen mehr zu haben, ist existenziell. Daher ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wichtig. Je früher im Leben sie abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Mit zunehmendem Alter steigen sie an.

Sinnvoll sind Verträge, bei denen sich die BU-Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen lässt. Die Bedingungen für die Versicherung müssen auf den ausgeübten Beruf abgestimmt sein. Eine ausführliche unabhängige Beratung ist hier sinnvoll. Nicht empfehlenswert ist es, eine BU in Kombination mit einer Lebensversicherung abzuschließen. Eine Lebensversicherung ist ohnehin erst nach Familiengründung in Erwägung zu ziehen.

Wer gefährlichen Hobbies, wie Motorrad fahren, nachgeht, könnte über den Abschluss einer privaten Unfallversicherung nachdenken. Sie ist günstiger als eine BU-Versicherung, zahlt jedoch auch nur bei einem Unfall mit dauerhafter Gesundheitsschädigung und meist nur eine einmalige Summe. Bei ausreichenden Einnahmen ist daher eine BU vorzuziehen.

Bei einem eigenen Auto lohnt sich für die Kfz-Versicherung auf alle Fälle ein Vergleich der verschiedenen Gesellschaften.

Ist ausreichend Einkommen für die laufenden Ausgaben und zum Ansparen vorhanden und besteht schon ein ansehnlicher Hausrat, kann dieser mit einer Hausratversicherung abgesichert werden.

Praxis-Tipp

Eine neutrale Beratung ist in allen Vermögensfragen sinnvoll. Hier bieten sich freie Makler, Honorarberater oder auch Verbraucherzentralen an. Hilfreich ist es, wenn Sie sich vorab auch selbst informieren. Dazu möchte Ihnen die Arbeitsgemeinschaft-Finanzen.de eine erste Basis geben.

Was es sonst noch zu wissen gilt

Mit Ausbildungsbeginn ist auch die Entscheidung für eine gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nötig. Davon gibt es über Hundert. Der Beitrag ist in der Regel gleich. Einige wenige Kassen verlangen noch einen Zusatzbeitrag von bis zu 8 Euro im Monat. Die Leistungen der GKV sind zu rund 95 % identisch. Entscheidungskriterien sind dann Service und Erreichbarkeit sowie Bonus- und Präventionsprogramme oder auch Wahltarife.

Tests und Bewertungen, beispielsweise von der Stiftung Warentest, können für einen Überblick hilfreich sein: www.test.de/Gesetzliche-Krankenkasse-Die-beste-Kasse-fuer-Sie-1801418-0 Link zum Test der gesetzlichen Krankenkassen

Berufsstarter sind sozialversicherungspflichtig. Dies bedeutet vom ersten Lohn fliessen rund 20 % in diese Pflichtversicherungen. Neben der GKV mit 8,2 % zählen dazu Pflegeversicherung mit 1,25 %, die gesetzliche Rentenversicherung mit 9,8 % und die Arbeitslosenversicherung mit 1,5 %. Der Arbeitgeber zahlt etwa den gleichen Betrag nochmals dazu.

Beläuft sich die Ausbildungsvergütung jedoch auf nicht mehr als 325 Euro im Monat, erfolgt kein Abzug von Sozialversicherungsabgaben. Diese werden pauschal vom Arbeitgeber gezahlt.

Um zu wissen, wie viel Netto vom Brutto-Lohn übrig bleibt, hilft ein Gehaltsrechner. Ein solchen finden Sie hier www.spiegel.de/wirtschaft/service/brutto-netto-rechner-was-von-ihrem-lohn-noch-uebrig-bleibt-a-223811.html Link zum Gehaltsrechner

Damit der Arbeitgeber die Lohnsteuer berechnen kann, benötigt er die elektronische Lohnsteuerkarte.

Praxis-Tipp

Wenn Sie Lohnsteuer zahlen, sammeln Sie Belege, z.B. von Fachliteratur, Arbeitsmitteln und Bewerbungskosten. Haben Sie zudem hohe Fahrtkosten (einfache Entfernung zur Arbeit in Kilometer x 0,30 Euro x 220 Tage > 1.000 Euro) lohnt sich in der Regel das Einreichen einer Einkommensteuererklärung.

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