Betriebliche Altersvorsorge

Aktualisiert: 13. Januar 2020 | Redaktion
Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mit der normalen Rentenversicherung kann der gewohnte Lebensstandard seltenst aufrechterhalten werden.
  • Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist ein wichtiger Baustein, um die Altersrente zu erhöhen.
  • Die bAV wird zusammen mit dem Arbeitgeber aufgebaut.
  • Die betriebliche Altersversorgung kann der Arbeitgeber vollständig übernehmen.
  • Beteiligt er sich nicht oder nur zu einem Teil an der Altersversorgung, zahlt der Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttogehalts in die Versicherung ein. Dies nennt man Entgeltumwandlung.
  • Bei der Entgeltumwandlung zahlt der Arbeitnehmer bis 276 Euro keine Sozialabgabe. Steuern sind erst ab 552 Euro fällig.
  • Die Betriebsrente vollständig selbst zu bezahlen, lohnt sich kaum. Bezahlt der Arbeitgeber zumindest 20 Prozent der Kosten (was ungefähr den gesparten Sozialbeiträgen entspricht), ist das Modell wesentlich lohnender.
  • Bei der Rentenauszahlung muss die Betriebsrente versteuert werden. Sind Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung, fallen darüber hinaus die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung an.

Die beste Vorgehensweise

  • Erkundigen Sie sich zunächst, ob es schon eine betriebliche Altersvorsorge in Ihrer Firma gibt.
  • Sollte die Rentenversicherung Ihr Arbeitgeber finanzieren, dann sollten Sie möglichst schnell einen entsprechenden Vertrag abschließen.
  • Falls in Ihrer Firma bisher keine Altersversorgung besteht, haben Sie das Recht auf eine Entgeltumwandlung. Die meisten Arbeitgeber wissen das. Falls nicht, machen Sie ihn darauf aufmerksam.
  • Ihr Arbeitgeber muss mindestens 15 Prozent zuzahlen. Viele Chefs zahlen mehr. Fragen Sie einfach danach.
  • Wollen Sie in Zukunft häufiger den Arbeitgeber wechseln, sollten Sie sich überlegen, ob sich eine betriebliche Absicherung über den Arbeitgeber überhaupt lohnt. Die Verträge lassen sich nicht immer auf einen neuen Arbeitgeber übertragen.
  • Kommt für Sie eine betriebliche Altersvorsorge nicht in Frage, lassen Sie sich über Alternativen beraten. Denkbar wäre eine Riester-Rente oder eine lohnende Geldanlage.

In unserem Ratgeber

Die betriebliche Altersvorsorge verkleinert die Versorgungslücke im Alter

30 Millionen Angestellte und Arbeiter zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhoffen sich am Ende ihres Berufslebens eine gute Rente. Früher reichte diese Versorgung aus, doch in den letzten Jahren ist immer häufiger von einer Versorgungslücke die Rede.

Die Rentenversicherung funktioniert nach dem Prinzip, dass die aktiv Arbeitenden die Rente für die Älteren bezahlen. Die Menschen werden immer älter und immer mehr junge müssen für ein großes Heer an Rentnern bezahlen.

Vier Münzstapel auf welche weitere Münzen gelegt werden als Betriebliche Altersvorsorge

Das Rentensystem funktioniert nicht mehr und die meisten Rentner können mit der gesetzlichen Rentenversicherung ihren gewohnten Lebensstandard nicht aufrechterhalten.

Um diese Versorgungslücke zu verkleinern ist es notwendig, zusätzlich vorzusorgen. Eine Möglichkeit ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Ob sich das für den Einzelnen lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ende 2017 hatten mehr als die Hälfte – nämlich 18 Millionen Angestellte – einen entsprechenden Vertrag.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) in Deutschland

 20172013
sozialversicherungspflichtige Jobs32,6 Mio.29,9 Mio.
mit betrieblicher Altersvorsorge18,1 Mio.17,6 Mio.
Prozentualer Anteil55,6 %58,9 %
Quelle: Forschungsbericht 523 des Bundesarbeitsministeriums (Stand: 28. November 2018)

Lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge?

Wichtig ist es für das Alter noch zusätzlich vorzusorgen. Die bAV ist dabei ein wichtiger Baustein, doch nicht in jedem Fall lohnt es sich. Attraktiv ist die Riester-Rente, da diese vom Staat gefördert wird. Falls Ihnen keine der Möglichkeiten zusagt, können Sie sich auch privat Geld ansparen.

Die Entscheidung für oder wider eine betriebliche Altersvorsorge hängt damit zusammen, ob und in welcher Höhe sich der Chef daran beteiligt. Einen nicht unerheblichen Einfluss haben Ihre beruflichen Pläne.

Die folgende drei Situationen sind dabei besonders wichtig:

1. Der Arbeitgeber finanziert Ihre betriebliche Altersvorsorge.
Den meisten Chefs geht es dabei um die Bindung des Mitarbeiters an die Firma. Bietet Ihnen Ihr Arbeitgeber diese Möglichkeit an, dann nehmen Sie sie an. Ohne finanziellen Aufwand erhöhen Sie damit Ihre Rente.

2. Sie zahlen von Ihrem Bruttogehalt einen Teil in eine betriebliche Altersvorsorge.
Diese Möglichkeit muss Ihnen Ihr Chef bieten. Diese Verträge waren bis vor ein paar Jahren nicht sonderlich interessant, da der Arbeitnehmer auf die Rente Steuern und Sozialabgaben zahlen muss. Seit 2019 ist Ihr Chef verpflichtet, mindestens 15 Prozent als Zuschuss zu zahlen. Dies gilt ab 2022 auch für bereits bestehende Verträge. Unter dieser Voraussetzung ist die sogenannte Entgeltumwandlung eine lohnende Alternative.

3. Bei einem häufigen Arbeitsplatzwechsel lohnt sich eine Entgeltumwandlung oft nicht.
Nicht immer übernimmt der neue Arbeitgeber den Vertrag. Am Ende des Berufslebens haben Sie eine große Anzahl unterschiedlicher Verträge und verlieren den Überblick. Weiter unten im Text finden Sie eine genaue Darstellung der Problematik.

Die betriebliche Altersvorsorge ist für Menschen mit geringem Verdienst interessant.

Wer heute wenig verdient, bekommt im Alter eine entsprechend geringere Rente. Reicht diese dann zum Leben nicht aus, bekommt der Rentner eine Grundsicherung.

Bis 2018 wurde für die Grundsicherung als Basis die Rente und die betriebliche Altersvorsorge herangezogen. Der Sparaufwand war also umsonst, da sich an der Höhe der Rente nichts änderte. Das hat sich ab 2018 geändert. Jetzt können Rentner mindestens 100 und höchstens 200 Euro ihrer betrieblichen Altersvorsorge behalten.

In diesem Fall lohnt sich eine Betriebsrente

Zahlt der Unternehmer Ihre Rente vollständig, stellt sich die Frage, ob Sie sich daran beteiligen sollten, nicht. Sie bekommen vom Arbeitgeber Monat für Monat ein Geldgeschenk, das Sie nicht ausschlagen sollten. Die spätere Rente wird zwar durch die Einkommenssteuer und die Sozialabgaben geschmälert, doch da Sie selbst keinen Cent bezahlt haben, ist das unerheblich.

Geöffnete Hände halten Euroscheine

Wie der Chef die Höhe der zukünftigen Rente kommuniziert ist bei jeder Firma anders. Früher sagte er Ihnen einfach eine konkrete Rente für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit zu. Da sich die genaue Rendite kaum vorhersagen lässt, versprechen viele Betriebe lediglich einen bestimmten Betrag, den sie in die Rentenkasse einzahlen.

Seit 2018 können Arbeitgeber, die Mitglied in einem Arbeitgeberverband in, nur noch Beiträge angeben. Sie müssen keine Zusagen über eine bestimmte Auszahlungshöhe machen.

Praxis-Tipp: Bei vielen Rentenversicherung gibt es die Option, eine Kapitalauszahlung zu wählen. Sie bekommen dann am Beginn der Rente das angesparte Vermögen auf einmal überwiesen.

Sie müssen dem Unternehmen die Treue halten.

Für Mitarbeiter, die jedes Jahr die Firma wechseln, ist die arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente keine Option. Der Chef erwartet eine gewisse Treue zur Firma. Erst dann haben Sie Anspruch auf eine Betriebsrente.

Bis Ende 2017 war es Vorschrift, dass der Mitarbeiter mindestens fünf Jahre bei der Firma sein musste. Außerdem war wichtig, dass er mindestens 25 Jahre alt war, als er die Firma verließ.

Seit 2018 sind die Regeln nicht mehr ganz so streng. Jetzt genügen drei Jahre Betriebszugehörigkeit und beim Ausscheiden aus der Firma ist ein Mindestalter von 21 Jahren vorgeschrieben.

Was ist, wenn die Firma Konkurs anmeldet?

Eine Rentenversicherung läuft nicht nur einige Jahre. Viele Betriebsrenten haben eine Laufzeit von 35 Jahre und länger. Während dieser Zeit ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass Ihre Firma Konkurs anmeldet. Was geschieht dann aber mit Ihren Rentenansprüchen? Diese bleiben Ihnen natürlich erhalten.

Im Falle einer Insolvenz übernimmt der Pensionssicherungsverein die Zahlung der Rente. In diesen Verein zahlen alle Unternehmen ein, die in ihrer Firma eine Betriebsrente anbieten.

Manchmal lohnt es sich, über eine Betriebsrente zu verhandeln

Es gibt nicht mehr viele Firmen, die eine betriebliche Altersvorsorge selbst finanzieren. Manchen ist einfach das Risiko zu groß, ein Versprechen über eine bestimmte Rentenhöhe abzugeben. Es dauert dreißig oder vierzig Jahre, bis sie das Versprechen einlösen müssen und während dieser Zeit kann sich die wirtschaftliche Lage grundlegend ändern.

Möchte sich der Mitarbeiter trotzdem eine betriebliche Altersvorsorge aufbauen, kann er in jeden geförderten Vertrag einzahlen. Diese sogenannte Entgeltumwandlung steht jedem Arbeitnehmer zu. Ihm wird einfach ein fester Betrag vom Bruttolohn abgezogen und in eine Lebensversicherung eingezahlt.

Nach einigen Jahren bekommt der Arbeitnehmer eine monatliche Rente oder kann sich (wenn der Vertrag das zulässt) den ganzen Betrag auszahlen lassen.

Für den Arbeitnehmer ergeben sich dabei zwei Vorteile:

1. Der Arbeitnehmer spart Sozialversicherungsabgaben und Steuern.
Der Arbeitgeber zieht den vereinbarten Betrag vom Bruttogehalt ab. Die Berechnung der Steuer bezieht sich auf das restliche Gehalt. Das bedeutet, dass Sie mehr einbezahlen als Ihnen abgezogen wird.

2. Oft bekommen Arbeitnehmer einen höheren Rabatt.
Arbeitnehmer arbeiten in der Regel mit bestimmten Versicherungsgesellschaften zusammen. Vor allem bei größeren Firmen kann es sein, dass der Arbeitgeber mit der Versicherungsgesellschaft besonders gute Rabatte vereinbart hat. Das bedeutet konkret, dass Sie sich auf eine höhere Rente freuen können.

Ein besonderer Anreiz ist eine Gesetzesänderung, die seit 2019 gilt. Der Arbeitgeber muss seitdem mindesten 15 Prozent des Beitrages als Zuschuss leisten. Selbst wenn der Vertrag vor diesem Datum geschlossen wurde, geht der Versicherungsnehmer nicht leer aus.

Ab 2022 gilt das nämlich auch für ältere Verträge. Viele Chefs zahlen freiwillig sogar mehr. Ist die Verzinsung des Vertrages gut und zahlt der Chef einen hohen Anteil, dann lohnt sich der Vertrag besonders.

Die Entgeltumwandlung – ein genauerer Einblick

Die bAV hat für Sie den Vorteil, dass Sie heute weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Die Beiträge sind aber nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Wenn Sie den Betrag ausbezahlt bekommen, müssen Sie diese Abgaben nachholen.

Ab einem Grundbetrag zahlen Sie für die Beträge Steuern. Dieser Betrag betrug 2019 rund 156 Euro und liegt seit dem 1. Januar 2020 nun bei rund 159 Euro. Damit sich die bAV lohnt, muss das Ersparnis größer sein als die Belastung durch die spätere Besteuerung. Das ist nur möglich, wenn der Betrag gut verzinst wird.

Versicherungsexperten empfehlen, dass die bAV mindestens eine Verzinsung von 2 Prozent haben sollte. Der Gewinn steigt, wenn der Arbeitgeber zusätzlich noch einen Betrag beisteuert.

Die Entgeltumwandlung ist nicht grenzenlos möglich. Der Höchstbetrag orientiert sich immer an der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung. Diese ändert sich jedes Jahr. Bis zu 4 Prozent dieses Betrages müssen Sie keine Sozialabgaben bezahlen. Das sind im Jahr 2020 276 Euro. Steuerfrei können Sie sogar bis zu 8 Prozent einzahlen. 2020 sind das 552 Euro.

Sozialabgaben freie betriebliche Altersvorsorge

 2020201920182017
Beitragsbemessungsrenze gesetzliche
Rentenversicherung / Monat
6.900 €6.700 €6.500 €6.350 €
davon 4 % als höchstens geförderter Beitrag

aus Entgeltumwandlung
276 €268 €260 €254 €
Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: 29. Januar 2019)

Dazu ein Beispiel:
Angenommen Sie sind ledig und verdienen 3.150 Euro brutto im Monat. Sie entscheiden sind, nicht den maximalen Betrag einzuzahlen, sondern nur 184 Euro. Dieser Betrag wird vom Bruttolohn abgezogen. Es bleiben Ihnen also noch 2.966 Euro, auf die Sie Steuern und Abgaben zahlen müssen.

Sie zahlen 84 Euro weniger Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Unterm Strich zahlen Sie nur 100 Euro ein, obwohl Ihr angespartes Vermögen jeden Monat um 184 Euro wächst.

Die Belastung beim Rentenbezug: Angenommen, Sie zahlen jeden Monat 100 Euro netto in die Rentenkasse ein. Danach gehen Sie in den wohlverdienten Ruhestand und bekommen die Betriebsrente ausbezahlt. Nun müssen Sie auf diesen Betrag Steuern bezahlen und die Abgaben zur gesetzlichen Krankenkasse.

Da Sie jetzt keinen Arbeitgeber mehr haben, wird der gesamte Betrag fällig. Aktuell sind das 15,4 Prozent. Dieser Betrag kann je nach dem Zusatzbeitrag, den Ihre Kasse verlangt, ein wenig höher oder niedriger sein.

Sie dürfen dabei nicht vergessen, dass die monatliche Einzahlung Ihr Bruttogehalt verringert. Dieses ist aber für die Höhe Ihrer normalen Rente ausschlaggebend. Sie verzichten also nicht nur auf einen Teil Ihres Einkommens, sondern verringern dadurch auch Ihre Rente.

Ab wann lohnt sich die bAV – ein Beispiel:

In diesem Beispiel wird der oben aufgeführte Fall weitergeführt. Seit 2019 ist es Vorschrift, dass der Arbeitgeber 15 Prozent zuzahlen muss. Somit zahlen Sie im Monat 210 Euro in den Versicherungsvertrag ein. Leider schließt Ihr Arbeitgeber einen sehr teuren Vertrag ab, sodass es zu keiner Verzinsung kommt.

Eine Rentenversicherung lohnt sich dann, wenn er mindestens das Geld, das er einbezahlt hat, wieder herausbekommt. In dem Beispiel würden Sie nach 30 Jahren eine Rente von 102 Euro bekommen.

Um mindestens den einbezahlten Betrag wieder herauszubekommen müssten Sie noch 29 Jahre leben. Wenn Sie also mit 67 Jahren in Rente gehen, müssten Sie das stattliche Alter von 96 Jahren erreichen. Das ist eine Lebensspanne, mit der Sie nicht unbedingt rechnen können.

Anders sieht die Sache bei einer Verzinsung des Vertrages schon wieder anders aus. Bekommen Sie nur 2 Prozent Zinsen im Jahr, erhöht sich die Nettorente auf 154 Euro. Nun reichen schon 19 Jahre aus, um das einbezahlte Geld wieder herauszubekommen. Sie wären dann 86 Jahre alt. Immer noch ein hohes Alter, aber durchaus realistisch.

Zusammen mit dem Arbeitgeber höhere Erträge erzielen

Das oben angeführte Beispiel zeigt, dass sich die Verträge lohnen, wenn der Arbeitnehmer sehr alt wird. Wer eine höhere Rente möchte, sollte mit dem Arbeitgeber reden, dass dieser mehr dazuzahlt.

15 Prozent sind nicht sehr viel und wenn dem Chef an seinem Mitarbeiter etwas liegt, sollte er den Zuschuss auf mindestens 20 Prozent aufstocken. Schließlich spart sich der Arbeitgeber die Sozialversicherungsabgaben. Mindestens die Höhe des gesparten Beitrages sollte er Ihnen als Zuschuss bezahlen.

Wenn Sie jeden Monat 180 Euro Einkommen umwandeln, spart Ihr Arbeitgeber 36 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen. Er muss Ihnen aber nur 28 Euro zahlen.

Zahlt Ihr Arbeitgeber den Mindestbetrag, sollten Sie ihn zumindest darauf ansprechen, ob er nicht wenigstens die gesparten Sozialversicherungsbeiträge einbezahlt. Möglicherweise zahlt er sogar ein paar Euro mehr. Dadurch lohnt sich die Betriebsrente einige Jahre früher.

Die bAV als Argument für eine Gehaltserhöhung

Gehaltsverhandlungen sind nervig und wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlen will, muss man das entweder hinnehmen oder die Firma wechseln. Die betriebliche Altersvorsorge liefert Ihnen noch ein zusätzliches Argument bei den Lohnverhandlungen. Fragen Sie einfach, ob er Ihnen statt der Lohnerhöhung einfach ein wenig mehr Geld in die bAV einzahlt. Dadurch hat er weniger Lohnnebenkosten (20 Cent/Euro).

Die Beitragsbemessungsgrenzen von Rentenversicherung und Krankenversicherung sind unterschiedlich.

Wie oben erwähnt ist die Entgeltumwandlung bis zu einem gewissen Betrag möglich, der sich an der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze orientiert. Problematisch ist es, wenn Sie im Monat zwischen 4.687 und 6.900 Euro (Stand: 2020) verdienen. Dieser Betrag liegt nämlich genau zwischen der Beitragsbemessungsgrenze von Krankenversicherung (4.687,50 Euro) und Rentenversicherung (6.900 Euro).

Münze wird in rosa Sparschwein geworfen

Bei der Krankenversicherung haben Sie keinen Vorteil, denn Sie zahlen ohnehin schon den Höchstbetrag. Lediglich bei der Rentenversicherung haben Sie einen geringen Vorteil, da hier der Höchstbetrag noch nicht erreicht ist. In diesem Fall lohnt sich die bAV nicht besonders.

Weniger ist manchmal mehr, das gilt auch für die bAV. Zahlen Sie wenig ein, sodass die Rente unter 159 Euro beträgt, zahlen Sie keine Sozialabgaben. Dieser Freibetrag ist allerdings nicht festgeschrieben. Er ändert sich jedes Jahr.

Was geschieht bei einer Insolvenz?

Der Vertrag für eine betriebliche Altersversorgung läuft über viele Jahre. Niemand kann vorhersehen, ob die Firma auch noch nach Jahren wirtschaftlich erfolgreich ist. Immer wieder kommt es vor, dass eine Firma, die für ihre Mitarbeiter in eine Betriebsrente einzahlt und die roten Zahlen rutscht und Insolvenz anmelden muss.

Selbstverständlich bleiben in diesem Fall Ihre Ansprüche bestehen. Sie bekommen Ihre Rente entweder von der Versicherungsgesellschaft oder vom Pensionssicherungsverein (PSV) ausbezahlt.

Ist eine bAV bei einem häufigen Jobwechsel sinnvoll?

Viele Arbeitnehmer wechseln nur selten bis gar nicht die Arbeitsstelle. Wer die Abwechslung liebt und häufiger den Job wechseln will, sollte sich genau überlegen, ob der beschriebene Weg für die Altersversorgung für ihn die beste Lösung ist. Dies gilt auch, wenn Sie planen, sich später selbstständig zu machen.

Grundsätzlich ist ein Jobwechsel kein Problem. Wenn Sie in eine private Altersversorgung einzahlen, zählt das zur Rente hinzu. Wie lange Sie bei der Firma waren, spielt dabei keine Rolle.

Handschlag zweier Männer über Betriebliche Altersvorsorge

Bei einem Jobwechsel haben Sie mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, wenn der neue Arbeitgeber einfach den Vertrag weiterführt. Das wollen viele Arbeitgeber allerdings nicht, da sie mit vielen verschiedenen Gesellschaften zusammenarbeiten müssen.

In diesem Fall können Sie den Vertrag ruhen lassen und bekommen später eine geringe Rente ausbezahlt. Es steht Ihnen frei, in den Vertrag weiter privat einzuzahlen. Das Geld wird dann jedoch normal von ihrem Konto und von Ihrem Nettogehalt abgezogen.

Falls Sie bei Ihrem neuen Arbeitgeber einen bAV abschließen, besteht die Möglichkeit, den angesparten Geldbetrag auf den neuen Vertrag zu übertragen. Das lohnt sich jedoch häufig nicht. Sie müssen mit Gebühren bei der Übertragung rechnen.

Sollten in den letzten Jahren die Zinsen gesunken sein, bekommen Sie oft sogar schlechtere Konditionen. Der Wechsel eines Vertrages ist in vielen Fällen nur innerhalb einer gewissen Zeitspanne möglich. Versäumen Sie diese, lässt die Gesellschaft keinen Wechsel mehr zu.

Falls Sie mehrmals den Arbeitgeber wechseln und Verträge zur betrieblichen Altersversorgung abschließen, haben Sie am Ende Ihres Berufslebens mehrere Verträge. Dabei fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren.

Praxis-Tipp: Bei einer kurzen Berufszugehörigkeit können Sie sich Ihren angesparten Anteil auszahlen lassen. Das ist jedoch nur bis zu einer gewissen Höhe der Rentenbezüge möglich.

Wie hoch diese im Jahr sind, erfragen Sie am besten von Ihrer Rentenversicherung. Im Jahr 2020 liegt der Betrag bei ungefähr 32 Euro im Monat. Das ändert sich aber jedes Jahr.

Welche Alternativen gibt es zur betrieblichen Altersversorgung?

Wie oben beschrieben lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge als Kapitallebensversicherung oft nicht. Bei häufigem Berufswechsel ist es sinnvoll, über andere Möglichkeiten der Altersversorgung nachzudenken.

Lassen Sie sich von Ihrem Anlageberater die verschiedenen Methoden genau erklären. Auch in unserem Ratgeber finden Sie wertvolle Hilfestellungen. Empfehlenswert sind eine Riester-Rente und ein normaler Sparplan. Bei einem Sparplan sollten Sie auf eine Variante mit einer höheren Verzinsung setzen, etwa einen ETF-Sparplan.

So kann der Arbeitgeber die bAV praktisch durchführen

Die Durchführung der betrieblichen Altersvorsorge liegt in der Hand Ihres Arbeitgebers. Dabei hat er folgende Möglichkeiten mit Verteilung in Bezug auf das Jahr 2015, anhand der Bundesarbeitsministeriums-Daten:

DurchführungswegBezugsjahr 2015
Zusatzversorgung öffentlicher Dienst5,37 %
Pensionskassen4,77 %
Direkversicherungen5,12 %
Direktzusage/
Unterstützungskasse
4,71 %
Pensionsfonds0,44 %
Quelle: Bundesarbeitsministerium (Stand: November 2016).

Der Arbeitgeber finanziert die bAV durch eigenes Investment oder Unterstützungskassen.

Zahlt der Chef die Altersvorsorge aus der Firmenkasse, hat er grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Er kann sich selbst um die Anlage des Geldes kümmern. Möglicherweise investiert er es in die eigene Firma, wenn er sich gute Gewinne davon verspricht. Einige Chefs zahlen einen Teil des Geldes in eine Rückdeckungsversicherung ein, sodass ein Teil des Geldes sicher angelegt ist. Sie bekommen von Ihrem Arbeitgeber eine Direktzusage über die Rente.
  • Die andere Methode ist das Geld in eine Unterstützungskasse zu investieren. Diese legt das Geld an und zahlt Ihnen am Ende Ihres Berufslebens eine Rente. Manchmal holt sich der Arbeitgeber von dieser Bank auch Geld für seine Firmenprojekte. So wird das Vermögen in der Firma wieder angelegt.
  • Die beiden genannten Wege hängen eng mit der Firma zusammen. Aus diesem Grund heißen sie interne Durchführungswege.

    Was bedeuten Beitragszusage und Leistungszusage?

    Bei den genannten Möglichkeiten sichert Ihnen Ihr Chef oft einen bestimmten Betrag als Rente zu. Die Aussagen über die Höhe können sich unterscheiden. Möglicherweise bekommen Sie einen festen monatlichen Betrag pro Jahr der Betriebszugehörigkeit oder Sie bekommen einfach einen bestimmten Prozentsatz vom letzten Gehalt.

    Viele Firmen haben sich in den letzten Jahren für diese Art der Zusage entschieden. Diese birgt jedoch ein nicht unerhebliches betriebliches Risiko.

    Die Zinsen sind in den letzten Jahren gesunken, die zugesagten Renten mussten trotzdem in der vereinbarten Höhe gezahlt werden. Die Firmen müssen hohe Summen aus ihrem Betriebskapital an die ehemaligen Mitarbeiter auszahlen. Dazu ist ein Sicherheitspuffer in der Bilanz notwendig.

    Für die Firmen ist eine sogenannte Beitragszusage wesentlich besser zu kalkulieren. Die Arbeitnehmer erhalten nicht mehr eine Zusage über einen bestimmten Betrag, sondern über eine bestimmte Mindestverzinsung. Dieser kann sich am Gewinn des Unternehmens oder an dem garantierten Zins der Lebensversicherungen orientieren. Dieser ändert sich regelmäßig und betrug 2017 0,9 Prozent.

    Mit einem Pensionsfond haben Unternehmer ein geringeres Risiko.

    Viele Firmen lagern die betriebliche Altersvorsorge auf einem sogenannten Pensionsfonds ein. Dieser legt das Geld gewinnbringend an. Wie genau die Anlage erfolgt, entscheidet der Fondsmanager. Einige achten darauf, dass der Wert des Geldes sicher ist. Andere Fonds suchen nach Anlagemöglichkeiten mit einem höheren Risiko.

    Dabei spielt oft die Betriebszugehörigkeit eine Rolle. Ist der Mitarbeiter noch längere Zeit in der Firma, suchen sie anfangs ein höheres Risiko. Erst gegen Ende des Berufslebens achten Sie auf eine wertstabilere Anlage, damit das angesparte Geld zum Beginn der Rente zur Verfügung steht.

    Ein Pensionsfonds hat für den Unternehmer folgende Vorteile:

    • Der Unternehmer spart sich Arbeit, da er das Geld nicht mehr selbst anlegen muss.
    • Ein Sicherheitspuffer ist nicht notwendig.
    • Der Unternehmer garantiert keine bestimmte Höhe der Verzinsung. Notwendig ist nur die Zusicherung einer Mindestverzinsung.
    • Es sind keine Beiträge an den Pensionssicherungsverein notwendig.

    Praxis-Tipp: Wenn der Arbeitgeber die Leistungen bezahlt, dann nehmen Sie diesen zusätzlichen Lohn an.

    Der Unternehmer haftet für die geleisteten Beträge. Sollte die Firma selbst zahlungsunfähig werden, bekommen Sie Ihr Geld vom Pensionssicherungsverein.

    Der Arbeitnehmer zahlt in eine Direktversicherung oder in eine Pensionskasse ein.

    Für den Arbeitgeber ist der einfachere Weg, sich nur an den Kosten zu beteiligen. Den größten Teil tragen jedoch Sie durch Ihre Entgeltumwandlung. In Frage kommen dabei Direktversicherungen und Pensionskassen.

    Bei den Versicherungsgesellschaften handelt es sich oft um große Gesellschaften. Vor allem bei großen Firmen ist das ein lukratives Geschäft. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick bekommt der Chef sogar einen günstigen Rabatt, sodass die Mitarbeiter mit einer höheren Betriebsrente rechnen können.

    Firmen ohne einen festen Tarifvertrag wenden sich oft an eine Direktversicherung. Mit dieser schließen sie dann zusammen mit dem Mitarbeiter einen Vertrag ab. Mögliche Gesellschaften sind Gothaer, Ergo, Swisslife oder Allianz.

    Pensionskassen arbeiten oft für bestimmte Branchen. Es gibt zum Beispiel Kassen für Mitarbeiter der Finanzwirtschaft, für Kirchenangestellte oder Arbeiter im Brauereiwesen.

    Gehaltsverhandlung über Betriebliche Altersvorsorge zwischen zwei Frauen

    Meist sind die Bedingungen bei einer Pensionskasse besser. Oft bieten private Versicherungsgesellschaften auch eine Pensionskasse an. Diese Art der Vorsorge wählen Firmen, die an einen Tarifvertrag gebunden sind.

    Manche Tarifverträge schreiben sogar vor, dass der Chef einen bestimmten Beitrag bezahlen muss. Ist kein Tarifvertrag vorhanden, kommt es auf die Kulanz des Firmeninhabers an, ob dieser über den Pflichtbeitrag hinaus noch Zahlungen leistet.

    Der Arbeitgeber haftet notfalls für die Zahlungen, falls die Versicherungsgesellschaft dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Notfalls muss er dazu das Firmenvermögen verwenden.

    Falls der Arbeitgeber nicht zahlen will, muss der Arbeitnehmer das Geld einfordern. Nicht immer mit Erfolg, denn 29 von 40 Pensionskassen, die sich in Zahlungsschwierigkeiten befanden, durften die Renten kürzen.

    Meldet der Arbeitgeber Insolvenz an, zahlt die Lebensversicherung weiter. Kann diese ebenfalls nicht mehr zahlen, übernimmt die Auffanggesellschaft Protektor die Überweisungen der monatlichen Rente.

    Ab 2018: Beitragszusage mit Zielrente

    Seit 2018 gilt das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz. Dies soll vor allem die betriebliche Altersversorgung für kleinere Unternehmen interessanter machen.

    Dem Arbeitnehmer wird dabei keine bestimmte Rentenhöhe mehr zugesichert. Stattdessen bekommt er eine Beitragszusage mit Zielrente.

    Da der Arbeitgeber keine Rente mehr garantiert, muss er auch nicht dafür haften. Dies soll die betriebliche Altersversorgung auch für kleinere tarifgebundene Betriebe attraktiver machen.

    Diese Form der Anlage ist sehr flexibel. Der Gesetzgeber rechnet damit, dass viele tarifgebundene Firmen sehr lange in den Rententopf einzahlen. Das Geld soll zentral verwaltet und über Länder, Branchen und Anlageklassen breit gestreut werden. Dadurch werden Schwankungen am Finanzmarkt ausgeglichen.

    Sehr erfolgreich war die Gesetzesinitiative bislang jedoch nicht. Bislang gibt es die Zielrente ohne Garantie noch in keiner Branche.

    Wichtige Fragen – kurz beantwortet

    Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge?
    Der Arbeitnehmer wendet für diese Form der Altersvorsorge das Bruttogehalt auf, das er noch nicht versteuert hat. Dadurch reduzieren sich seine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Doch auch der Unternehmer spart sich dabei Geld, welches er seit 2019 an seine Mitarbeiter weitergeben muss.
    Was versteht man unter Entgeltumwandlung?
    Unter Entgeltumwandlung versteht man eine bestimmte Form der betrieblichen Altersvorsorge. Die Rechtsgrundlage bildet der §1 BetrAVG. Danach hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf, dass ein Teil seines Verdienstes in eine betriebliche Altersvorsorge einbezahlt wird.
    Wie wird die betriebliche Altersvorsorge versteuert?
    Diese Rente müssen Sie vollständig versteuern. Wie hoch die Steuer ist, hängt vom persönlichen Steuersatz ab. Bei einer Betriebsrente von 200 Euro im Monat hat der Rentner ein zusätzlich zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 2.400 Euro.
    Ist eine betriebliche Altersvorsorge Pflicht?
    Seit 2019 ist der Unternehmer gesetzlich verpflichtet, die gesparten Sozialversicherungsbeiträge an den Mitarbeiter weiterzugeben. Zu diesem Zweck zahlt der 15 Prozent in den bAV Vertrag ein.