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Das Dilemma der EZB mit der EU-Währungsunion und abenteuerliche Lösungsvorschläge
Jennifer Gregorian - 28.12.2011
Mit der EU-Währungsunion geht es bergab und die EZB steckt in der Klemme. Nur undurchdachte Lösungsvorschläge sind reichlich vorhanden.

© egeneralk / fotolia.com
Die europäische Währungsunion steht vor dem Aus. Inzwischen hat sich sogar Frankreich den PIIGS angeschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist vergebens um Auswege bemüht, während es in der Politik- und Medienlandschaft an abenteuerlichen Ideen nicht mangelt.
EZB in der Klemme
Im Gegensatz zu Frankreich, Italien und Portugal will die Bundesrepublik nicht, dass die EZB Pleiteanleihen erwirbt. Aber ganz gleich ob sie kauft oder die Finger davon lässt, die Union steuert auf jeweils ein Dilemma zu.
Beim Erwerb von Pleiteanleihen heizt die EZB die Weltwirtschaft zwar an, muss aber Inflation melden. Für eine niedrige Zinsbelastung der Problemstaaten müsste sie ständig Geld in selbige pumpen. Das käme die Bevölkerung der Hartwährungsstaaten teuer zu stehen. Außerdem würden sich die Krisenländer nicht mehr zum Sparkurs veranlasst sehen.
Beim Boykott von Pleiteanleihen fehlt den Krisenstaaten das Flüssigkapital, so dass die Union von einem Bankrott zum nächsten gerissen würde, bis alle Mitglieder am Ende wären. Danach müssten sie unter Verlusten zur Nationalwährung zurückkehren.
Abenteuerliche Lösungsvorschläge für die Währungsunion
Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer will Griechenland loshaben und den Pleitegeiern den Hahn zudrehen. Damit befindet er sich mit der Kanzlerin im Einklang: Sie möchte eine Gesetzesnovelle, wonach Pleitestaaten nicht mehr unterstützt werden, sobald sie gewisse Auflagen nicht erfüllen. Rauschmeißen kann man ein Land nicht, also hoffen zumindest die Konservativen auf den freiwilligen Rücktritt Griechenlands.
Linke Politiker wollen hingegen alle Problemstaaten mitziehen, denn das sehe die Unionskonzeption vor. Wenn man bedenkt dass selbige auch ein Grund der Krise ist, könnten sie Recht haben. Allerdings gibt es weitaus mehr Pleiteursachen.
Für den Fall, dass Griechenland nicht austritt hat der Wirtschaftshistoriker Hans-Joachim Voth eine Lösung parat: In der Wirtschaftswoche (Heft 47) schlägt er vor, dass der Hartwährungskern die Union kurzfristig und unangekündigt verlassen könnte, ohne sich vom Euro zu verabschieden. Und im Falle eines Konjunkturaufschwungs hätten die Pleitestaaten die Option, an den „harten Kern“ anzudocken.
Weniger verworren ist der Vorschlag der Frankfurter Rundschau: Griechenland soll austreten und wieder eintreten, ohne am Euro-Programm teilzunehmen.
Jedenfalls bleibt bei all den Vorschlägen das Ende offen. Nur Seehofer hat eine förderliche Idee, auch wenn sie nicht vom ihm stammt: Die Finanztransaktionssteuer. Sie würde zumindest eine Abhilfe schaffen und die Lage entschärfen.
Grafik: Effekt Online-Marketing GmbH, Arbeitsgemeinschaft Finanzen
Datenquelle: eurosat Pressemitteilung Euroindikatoren 60/2011, 26.April 2011
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