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Verschleierungstaktiken um den Goodwill
Jennifer Gregorian - 14.11.2011
Wenn Investoren die Liquidität von Unternehmen nur anhand der Angaben selbiger messen, sind sie vor bösen Überraschungen nicht gefeit. Manager haben bei der Bilanzierung einen großen Spielraum. Der beste Anlegerschutz ist, die Verschleierungstaktiken zu kennen. Eine davon betrifft den Goodwill.

© Robert Kneschke / fotolia.com
Die Wallstreet-Ikone Goldman Sachs verzeichnete neulich einen Verlust von über 400 Millionen Dollar. Auch die Bilanzen der Bank of Amerika sacken in den Keller. Telekom und Post überschätzen sich mit dem US-Business, der Daimler-Chrysler-Zusammenschluss floppt etc.
Die Gründe der Einbrüche sind vielfältig, nicht aber ihr Effekt: Investoren und selbst spezialisierter Analysten sind überrascht.
Wie es zu solchen Fehleinschätzungen kommen kann? Die Bilanzregeln lassen immer mehr Spielraum zu und diesen nutzen Manager natürlich. Wie sie schummeln, ist ebenfalls sehr vielfältig. Eine Methode davon dreht sich jedenfalls um den Goodwill.
Was ist der Goodwill?
Wenn ein Unternehmen ein anders oder einen Firmenanteil kauft, muss es das erworbene Vermögen in alle Einzelposten splitten und bilanztechnisch neu bewerten. Die Differenz zwischen dem Einkaufspreis und dem neu ermittelten Wert der Tochterfirma wird als Goodwill, Firmenwert oder Übernahmeprämie bezeichnet und zählt als Vermögensposten.
Tricks mit dem Firmenwert
Industriekonzerne haben Milliardenschulden durch nicht bilanzierte Schulden sowie durch die Art der Bilanzierung von Übernahmeprämien angehäuft.
Zum zweiten Punkt: Die erworbenen Tochterfirmen verlieren im Laufe der Zeit an Wert. Einst mussten Unternehmen diesen Verlust jährlich mit einer Laufzeit von rund 15 Jahren pauschal abschreiben. Seit März 2004 können sie darauf verzichten und müssen ausschließlich den Impairment Test durchführen. Das heißt, sie sind verpflichtet einmal pro Jahr intern zu prüfen, ob der Firmenwert noch Bestand hat. Dabei existieren zwei Tricks:
- 1. Zusammenfügen schwacher mit erfolgreichen Geschäftseinheiten.
- 2. Verlängerung des Zeitraumes für die im Test verwendeten Planzahlen (gelingt es einem Unternehmen beispielsweise nicht, den Wert 2011 planmäßig zu erhöhen, verschiebt es das Ziel einfach in die Zukunft).
Seit dieser Neuregelung, gibt es angeblich kaum noch Abschreibungsbedarf beim Goodwill. Nach einer Untersuchung der Universität St. Gallen haben Konzerne früher durchschnittlich 11,7 Prozent auf ihre Übernahmeprämien abgeschrieben, seit 2005 jedoch nur noch 1,8 Prozent (siehe Grafiken). Das mutet im Anbetracht der wirtschaftlichen Turbulenzen äußerst merkwürdig an. Alle 30 Dax-Unternehmen nutzen den Spielraum. Die Schulden, die sie allein durch den Goodwill-Bluff angesammelt haben, belaufen sich auf knapp 200 Milliarden Euro. Das entspricht 30 Prozent ihres Börsenwertes.
Fazit für Investoren: Offizielle Angaben sind nicht vertrauenswürdig. Unabhängige Hintergrundinfos sind der beste Schutz.
Grafik: Effekt Online-Marketing GmbH, Arbeitsgemeinschaft Finanzen
Datenquelle: WirtschaftsWoche
BMW: keine Angaben
Grafik: Effekt Online-Marketing GmbH, Arbeitsgemeinschaft Finanzen
Datenquelle: WirtschaftsWoche.
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