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Gesetzliche Krankenkassen vor der Insolvenz
Jennifer Gregorian - 31.10.2011
Die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen schrumpft stetig. Zahlreiche Einrichtungen stehen vor dem Aus. Das soll auf die Reform des Finanzausgleichs zwischen den Kassen von 2009 zurückzuführen sein.

© aldorado / fotolia.com
In der Bundesrepublik reduziert sich die Anzahl der öffentlich-rechtlichen Krankenkassen Jahr für Jahr drastisch. Noch gibt es über 160 Einrichtungen, doch Pessimisten sehen uns auf ein Einkassen-System zusteuern. Die Ursache soll bei der Reform des Finanzausgleichs zwischen den Kassen von 2009 liegen.
Die wesentlichen Änderungen seit der Reform des Finanzausgleichs der Krankenkassen
Der Finanzausgleich ist nichts Neues, er existiert bereits seit den 90ern. 2009 wurde er lediglich geändert. Die wesentlichen Neuerungen: 1. Die Vereinheitlichung des Beitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung. 2. Die Einführung eines Gesundheitsfonds, in den alle Krankenkassen ihre Beitragseinnahmen abführen müssen.
Aus diesem gemeinsamen Topf bekommen die Versicherungsanstalten pro Mitglied eine Pauschale zuzüglich der Zuschläge, die je nach Alter und Geschlecht leicht variieren. Eine weitere Differenzierung bei der Kostenerstattung bezieht sich auf die einzelnen Erkrankungen: Zurzeit wird zwischen 80 Krankheiten unterschieden. Dadurch soll verhindert werden, dass Einrichtungen mit weniger alten, kranken und behinderten Versicherten im Vorteil sind.
Lücken der Gesundheitsreform
Das Ziel, die Kassen durch den reformierten Finanzausgleich zu stärken und die Benachteiligung einzelner Einrichtungen zu unterbinden, soll eindeutig nach hinten losgegangen sein. Zumindest wenn man dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs Glauben schenken möchte, welches laut dem „Handelsblatt“ vier Monate unter Verschluss gehalten wurde, und selbigem seit Ende September diesen Jahres vorliegt. Der krankheitsorientierte soll zu einem kranker Ausgleich mutiert sein: „Auf Einzelkassenebene reicht die Spanne der Deckungsquoten von 90,6 bis 124,8 Prozent.“, steht im Gutachten. Folglich werden einige Kassen übervorteilt, was zu Lasten der anderen geschieht. Inzwischen soll fast die Hälfte vor der Insolvenz stehen.
Eine Reform der Reform des Finanzausgleichs?
Nach Thomas Drabrinski, Leiter des Instituts für Mikrodatenanalyse in Kiel, sollen die Pleitekassen, ihre Kosten nicht mehr decken können, womit wir auf eine Einheitskasse zusteuern.
Die Regierung plant nun, die Reform des Finanzausgleichs abermals zu reformieren. Und zwar sollen anstatt der 80 nur noch 50 oder gar 30 Krankheiten ausgeglichen werden, um den Gesundheitsfonds zu entlasten. Das dies nur auf Kosten der Versicherten geschehen kann, ist offensichtlich. Noch soll es Gutachter geben, die diese Maßnahme ablehnen. Wie sich die Sache jedoch weiter entwickelt, bleibt spannend.
Grafik: SPIEGEL ONLINE
Quelle: Spitzenverband Bund der Krankenkassen
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