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Ungebrochene Macht der Ratingagenturen
Mathias Bartsch - 27.06.2011
Nach der Finanzkrise war man sich einig, die übermächtigen Ratingagenturen, denen man eine Mitschuld an der Krise gab, da sie wertlose Papiere bis zum Schluss mit besten Noten bedachten, sollten enger an die Leine genommen werden.

Doch passiert ist wenig, stattdessen zeigt die Euro-Krise, dass die Agenturen noch immer am längeren Hebel sitzen. Ganze Staaten, ob klein wie Griechenland oder groß wie die USA, zittern vielmehr vor den Einschätzungen und deren Folgen durch die Ratingagenturen.
Als vor wenigen Wochen Standard & Poor’s (S&P), eine der mächtigsten Ratingagenturen auf der Welt, die Kreditwürdigkeit der USA absenkte, hatte dies einen enormen Kurssturz an den wichtigsten globalen Börsen ausgelöst. Einmal mehr zeigte sich in diesen Tagen, dass die Macht der Ratingagenturen nichts eingebüßt hat.
Dies liegt darin begründet, dass viele Investmentfonds an die Ratings der Agenturen gekoppelt sind. Dadurch werden durch die Entscheidungen Milliarden an Euro oder US-Dollar in die jeweilige Richtung in Bewegung gesetzt. Ein Mechanismus, der längst fast automatisch abläuft.
Nur drei Agenturen bestimmen den Markt
Die Macht der Agenturen begründet sich auch darin, dass es aktuell nur rund drei Unternehmen gibt, die sich den Markt für die Einschätzung der Bonität von Staaten aber auch Firmen oder Banken aufteilen. Neben der erwähnten amerikanischen Firma S&P, sind dies noch Moody’s und Fitch, die ebenfalls aus den USA stammen.
Reformschritte sind überfällig
Zwar ist die Macht der Ratingagenturen bekannt, doch die Politiker tun sich mit konkreten Gegenmaßnahmen immer noch schwer. Dabei liegen sinnvolle Vorschläge bereits auf dem Tisch. So hat beispielsweise das Financial Stability Board (FSB), ein Gremium, welches seit 2009 eingesetzt ist und die Überwachung des Weltfinanzsystems zur Aufgabe hat, verschiedene Empfehlungen ausgearbeitet. Unter anderen sollen Investmentfonds nicht mehr in ihren Handlungen an Ratings gebunden sein.
Dadurch vermeidet man den oben beschriebenen Automatismus der Geldverschiebungen, wenn einmal wieder eine Agentur die Bonitätseinschätzung für ein Land senkt. Zudem sollen Zentralbanken und andere große Finanzinstitute die Ratings selbst durchführen und dafür personelle Kapazitäten schaffen. So würde man den großen Agenturen einen großen Teil ihrer Markmacht nehmen. Sinnvoll erscheint auch der Vorschlag, dass die Ratingagenturen keinen exklusiven Zugang mehr zu bestimmten Wirtschaftsinformationen erhalten.
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