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Bürger nehmen höhere Stromkosten für Atomausstieg in Kauf
- 15.04.2011
Allerorten wird dieser Tage darüber diskutiert, wie schnell bei der Energiegewinnung ein Umdenken eigentlich möglich ist. Denn auch wenn sich Verbraucher und weite Teile der Politlandschaft einig sind, dass Atomenergie in Zukunft eine zunehmend geringere Rolle spielen soll, ist die Vorstellung vom richtigen Ansatz für den Umstieg keineswegs generell dieselbe.
Viele Bürger machten sich in den vergangenen Wochen in Befragungen vor allem darüber Gedanken, welche finanziellen Veränderungen durch einen mutmaßlichen Wechsel bei der Strom-Erzeugung auf die Haushalte zukommen könnten. Denn schon ohne den Ausstieg aus der Atomenergie waren die Energiekosten innerhalb weniger Monate deutlich gestiegen. Sie sind nach Einschätzungen von Analysten einer der zentralen Gründe für die derzeit hohe Inflationsrate in Deutschland.
Energiekonzerne warnen vor hohen Ausstiegskosten
Dass die Belastungen für die Bürger steigen werden, wenn es zu einem Wechsel kommt, ist aus Expertensicht vorprogrammiert. Zumal auch die Vertreter der deutschen Energiebranche bereits durchblicken lassen, dass es zu Preiserhöhungen kommen wird, weil die Energiegewinnung aus alternativen bzw. regenerativen Energien mitunter dramatisch kostspieliger als Atomstrom ist. Außerdem seien erst einmal massive Investitionen erforderlich, um überhaupt langfristig eine flächendeckende Stromversorgung ohne Zukauf aus dem Ausland zu erreichen.
Nun befassten sich abermals die Spezialisten des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid mit der Frage, mit welchen Veränderungen sich die deutschen Verbraucher für einen technologischen Umschwung auf sichere Energiequellen abfinden würden. Durchgeführt wurde die Umfrage im Auftrag des Nachrichtensender N24. Das Ergebnis der Befragung kann zumindest weitgehend als positiv bezeichnet werden.
Staat soll als Finanzierer des Energieumstiegs auftreten
Denn 47 Prozent der befragten Personen äußerten bei der repräsentativen Umfrage, sie seien dafür, dass der Umstieg auf die erneuerbaren Energien allein vom Staat finanziert werden sollen. In Kauf nehmen würden die Verbraucher dafür sogar, dass diese Finanzierung im Staatshaushalt an anderen Stellen negative Spuren hinterlässt. In der Vergangenheit hatten die Bürger nicht immer vergleichbares Verständnis für die Kosten aufgebracht. Die Katastrophe in Japan hat also auch in diesem Punkt einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Doch nur 22 Prozent der Bürger wären freiwillig damit einverstanden, mehr Geld für Strom zu bezahlen, wenn dieser im Gegenzug aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Elf von hundert Bürgern sprechen sich gar für eine Erhöhung der Steuern aus. Doch die vermutlich deutlichste Veränderung im Bewusstsein der Bürger bezieht sich auf die optischen Eindrücke, die der Umstieg nach sich ziehen würde.
Mehrheit der Bürger hat kein Problem mit Windanlagen im Blickfeld
Für 78 Prozent der Umfrageteilnehmer wäre es kein Problem, wenn auch in ihrer direkten Umgebung neue Windkrafträder entstehen und die existierenden Stromtrassen ausgebaut würden, damit der Kernenergie-Ausstieg schneller vonstatten gehen kann. Diese Einstellung war in der Vergangenheit bei weitaus weniger Bürgern zu finden. Nur noch für 19 Prozent der Verbraucher kommt es nicht in Frage, dass Windräder vor ihrer Haustür errichtet werden.
Fragen zu Bürger nehmen höhere Stromkosten für Atomausstieg in Kauf
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Melvin Dittus