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Zinsen bei Dispokrediten könnten bald steigen
- 06.12.2010
Für die Bankkunden im Lande ist es eine durchaus angenehme Erfahrung, wenn Banken ihren Kunden als Folge eines vehementen Protests am Ende ausnahmsweise tatsächlich einlenken und kundenfreundlichere Konditionen anbieten. So geschehen zuletzt unter anderem im Falle des heißen Eisens Dispokredit. Verbraucherschützer hatten über Monate hinweg die hohen Zinssätze beim Überziehungskredit angeprangert und eine stärkere Angleichung an den günstigen Leitzins der EZB gefordert. Fast etwas überraschend hatten immerhin einige Institute dem Wunsche Folge geleistet.
Auch wenn sich die große Mehrheit der deutschen Banken von den Forderungen nicht einschüchtern ließ und an den deutlich über dem Leitzins angesiedelten hohen Zinssätzen für die Nutzung des Dispositionskredites festhielten. Für die Kunden war dies zumindest als Teilerfolg zu werten, denn in den meisten Fällen nimmt sich die Branche geschlossen von solcher Kritik nichts an. Leider wird die Freude über die teils deutlichen Zinssenkungen möglicherweise nur von kurzer Dauer sein.
Banken richten Überziehungszinsen an Verbraucherkreditrichtlinie aus
Dem erwarteten Aufwärtstrend bei den Leitzinsen sei Dank. Ebenso verantwortlich für die Prognosen zu steigenden Dispozinsen ist die so genannte Verbraucherkreditrichtlinie, die erst im Sommer dieses Jahres in Kraft getreten war und schon jetzt für erheblichen Diskussionsstoff sorgt, weil die Vorgaben in einigen Bereichen statt der erhofften positiven Veränderungen eher negative Auswirkungen für die Bankkunden hatte. Die Banken jedenfalls müssen sich bei ihrer Zinsgestaltung eigentlich an den Leitzinsen orientieren.
Im Klartext bedeutet dies nicht anderes, als dass sich etliche Banken zwar vormals bei der Festlegung der Dispokreditzinsen nicht auf den Leitzins geachtet hatten, durch die neue Richtlinie nun aber nochmals zinsliche Aufstockungen vornehmen werden bzw. dies sogar müssen. Dass die Banken ihre Zinssätze schon jetzt an der Richtlinie ausrichten, geht unter anderem aus einer neuen Studie der Frankfurter Mano-Dienste hervor. Im Rahmen der Untersuchung befassten sich die Analysten mit den Zinskonditionen bei insgesamt 30 Banken.
Klare gesetzliche Regelung fehlt weiterhin
Nur in einem der untersuchten Fälle konnte keine Bindung des Dispozinses an den Referenzzinssatz nachvollzogen werden. Wie genau diese Bindung bei den anderen Banken jedoch aussehen sollte, darüber herrscht scheinbar Uneinigkeit in der Branche. Denn die Zinsunterschiede zwischen dem Zinssatz beim Dispokredit und dem tatsächlichen Leitzins sind mitunter gravierend. Noch immer werden vor allem bei den großen Instituten und den deutschen Sparkassen Zinssätze in Höhe von 13 Prozent oder mehr in Rechnung gestellt.
Das Ende der Fahnenstange sind diese Werte jedoch nicht, wenn es zu einem Anstieg der Leitzinsen kommen sollte. Viele Banken weisen ihre Kunden bei der Kontoeröffnung schon jetzt in den Kontobedingungen auf die möglichen Anpassungen hin. Den Verbraucherschützern wird nicht viel mehr übrig bleiben, als besonders dreiste Anbieter abzumahnen und auf freiwillige Zurückhaltung der Banken zu hoffen. Eine rechtliche Vorgabe für die Differenz zwischen Referenzzins und Dispozins gibt es bisher nicht.
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