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Verbraucherschützer fordern finanzielle Bildung als Lehrplan-Thema
- 10.11.2010
Dass nicht unbedingt bei allen Bürgern von weitreichendem Wissen bezüglich so wichtiger Themen wie Finanzangelegenheiten und Versicherungspolicen gesprochen werden kann, war kein wirkliches Geheimnis. Denn trotz der weltweiten Finanzkrise nutzten viele Verbraucher die gebotenen Informationswege nicht in ausreichender Form, um sich etwa vor dem Abschluss einer Police oder der Eröffnung eines neuen Kontos oder einer anderen Geldanlage über Chancen und Risiken zu informieren. Die Ergebnisse der in der vergangenen Woche publizierten Umfrage des Forsa-Instituts bereitet Verbraucherschützern und der deutschen Bundesministerin für Verbraucherschutz mehr Kopfzerbrechen als erwartet. Dass 40 Prozent der Jugendlichen nicht einmal den Sinn und Zweck eines Girokontos kennen, lässt nun die Alarmglocken schrillen.
Im Gleichklang befinden sich die Äußerungen der Bundesverbraucherministerin Aigner von der CSU und des Chefs des deutschen Verbraucherzentrale Bundesverbandes dahingehend, dass Bürger schon in jungen Jahren besser als bisher eine Einführung in das „ABC der Verbraucherbildung“ erhalten müssten, um die Konsumenten in ihrer Position als potentielle Kunden zu stärken und so dafür zu sorgen, dass Verbraucher nicht immer wieder auf fadenscheinige Argumente hereinfallen, die bei Geldanlagen, Mobilfunk-Produkten oder Versicherungen gleichermaßen in den Werbungen zu finden sind. Einig sind sich die Ministerin und Gerd Billen, seines Zeichens Chef des vzbv, auch in dem Punkt, dass diese Bildungsmaßnahmen möglichst bereits in jungen Jahren stattfinden müssten. Denn Jugendliche sind oftmals besonders anfällig für Lockangebote.
Ministerin will Themen in bestehende Bildungsangebote einbauen
Im Unterschied zur CSU-Politikerin Aigner fordert der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes jedoch die Einführung eines neuen Schulfachs, das im Lehrplan obligatorisch integriert werden sollte. Inhalt dieses Faches sollten nicht nur Finanz- und Versicherungsthemen sein. Zudem sprechen sich die Verbraucherschützer auch für Aspekte wie Medienverständnis, Ernährung und Nachhaltigkeit als Inhalte des neuen Faches aus. Wohin es geführt habe, dass Lehrer selbst die Einbindung solch wichtiger und lebensnaher Themen in ihren Unterricht planen müssen, habe die Umfrage ja deutlich gemacht. Nun sei es Zeit zu handeln.
In diesem Punkt gehen die Meinungen Billens und der Bundesverbraucherministerin auseinander. Von der Schaffung eines neuen Faches hält die Politikerin nichts. Welche Themen in welchen Fächern integriert werden können, nennt die Ministerin ebenfalls vorausschauend, um einen langwierigen Streit zu umgehen. Während die Bereich Ernährung und Nachhaltigkeit in Fächern wie Biologie thematisiert werden könnten, seien Datenschutz und Finanzen in Fächern wie Mathematik oder Sozialkunde bestens aufgehoben, so die Stellungnahme der Ministerin.
Bessere Materialien für Themen-Vermittlung
Eine neue Debatte wurde durch die Forsa-Umfrage übrigens nicht ausgelöst. Auf Länderebene wurde mancherorts in den vergangenen Jahren bereits eine individuelle Lösung gefunden, um den jungen Verbraucher die nötigen Kompetenzen zu vermitteln. Seit dem Jahr 2009 etwa gibt es an vielen schleswig-holsteinischen Schulen das Schulfach Verbraucherbildung. In anderen Bundesländern werden Finanzthemen immer wieder im Rahmen von Projektwochen aufgegriffen. Doch eine einheitliche Regelung sucht man bisher vergebens. Skeptiker gehen jedoch nicht von einer deutlichen Veränderung in diesem Zusammenhang aus, Denn Bildung ist in Deutschland zum Großteil nun einmal Ländersache. In Form einer neuen Webseite wollen Politik und vzbv aber aufgeschlossenen Lehrern ab sofort wenigstens mehr themenbezogenes Material für den Unterricht anbieten.
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