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                  Verdi sagt drohendes Lohndumping in Bankenbranche vorher

                  - 18.10.2010

                  Rein historisch gesehen liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass sich die Gewerkschaften regelmäßig mit Hinweisen auf drohende negative Veränderungen für die Arbeitnehmer im Lande zu Wort melden. Schließlich ist es ihre Aufgabe, auf mögliche Missstände aufmerksam zu machen und frühzeitig Alarm zu schlagen, um Schlimmeres zu verhindern. Wenn es sich bei den Prognosen aber um eine Meldung wie die aktuelle aus dem Umfeld der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi handelt, fällt das Medienecho erwartungsgemäß besonders groß und laut aus. Dieses Mal beziehen sich die Kritiker von Verdi jedoch nicht etwa erneut auf die schlechte Zahlungsmoral bei Discount-Märkten oder im Einzelhandel, sondern auf eine Branche, die in den vergangenen drei Jahren ohnehin bereits unter ständiger Beobachtung stand und ein ums andere Mal Nehmerqualitäten unter Beweis stellen musste: Die Rede ist von der Bankenbranche.

                  Outsourcing schon jetzt ein beliebter Ansatz zur Kostensenkung

                  Bei der Gewerkschaft Verdi geht man dieser Tage davon aus, dass branchenintern schon bald mit einem massiven Rückgang des Lohnniveaus zu rechnen sein könnte. Von regelrechtem Lohndumping sprechen die Experten der Gewerkschaft in ihren Erwartungen sogar am heutigen Morgen in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Den Grund für diese drohende Entwicklung sehen die Gewerkschaftsvertreter darin, dass die Banken schon seit einigen Jahren verstärkt auf Outsourcing-Prozesse setzen. Viele Institute lagern bestimmte Tätigkeiten, die früher von eigenen Mitarbeitern erledigt werden mussten, aus und vergeben diese an externe Dienstleister. Die Aufträge werden dabei vielfach an selbst gegründete Servicegesellschaften vergeben, in denen die bestehenden Tarifverträge keine Gültigkeit haben und das Einkommen der Mitarbeiter entsprechend geringer ausfällt als bei den „echten“ Bankmitarbeitern. Deutlich weniger Ausgaben für die Erledigung der gleichen Arbeiten? Für die Banken scheint dies inzwischen ein willkommener Ansatz, um die eigenen Ausgaben weiter zu reduzieren und letzten Endes die eigenen Umsätze und Bilanzen aufzubessern.

                  Betroffen von der Auslagerung aus dem eigentlichen Unternehmensumfeld sind nach Aussagen der Verdi-Mitarbeiter in erster Linie Arbeitsbereiche aus dem Sektor der EDV-Dienstleistungen, aber auch Callcenter-Leistungen übernehmen mittlerweile immer häufiger Service-Unternehmen für die deutschen Banken. Noch relativ neu ist hingegen, dass die Banken auch den Arbeiten rund um den Zahlungsverkehr von externen Anbietern erledigen lassen.

                  Staat verzichtet freiwillig auf hohe Steuereinnahmen

                  In der Kritik stehen in diesem Zusammenhang aber nicht nur die Banken. Auch der Bundesrat muss sich Vorwürfe gefallen lassen. Bisher mussten Banken für derartige Auslagerungs-Vorgänge in Deutschland den Umsatzsteuersatz mit 19 Prozent abführen. Der Bundesrat jedoch hat einen Antrag gestellt, nach dessen Umsetzung im Rahmen des Jahressteuergesetzes für das aktuelle Jahr die Servicegesellschaften bei Auftragsarbeiten für Finanzdienstleister schon bald von einer Umsatzsteuerbefreiung profitieren könnten. Sollte der Bundestag diesem Konzept zustimmen, fällt es nicht schwer, sich die möglichen Folgen klar zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Institute in Zukunft noch stärker auf dieses Konzept setzen werden, ist hoch. Denn die Banken könnten noch mehr Geld einsparen. Neben der Gefahr des Lohndumpings weist die Gewerkschaft auf darauf hin, dass der Staat selbst sich durch eine solche Regelung um Steuereinnahmen in Höhe von geschätzt rund einer Milliarde Euro jährlich bringen würde.

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