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Basel III soll deutsche Banken 90 Milliarden Euro kosten
- 01.10.2010
Es gleicht einem ewigen Vor- und Zurückrudern, was da als Äußerungen aus der Politik und der Bankenbranche mit Bezug zum Reformpaket des Baseler Bankenausschusses unter dem Namen Basel III gefühlt im täglichen Rhythmus den Weg in die Medien findet. Anfangs waren es die Banken, die beklagten, dass sie und letzten Endes auch die Kunden beim Festhalten an den bisherigen Plänen mit erheblichen Problemen konfrontiert sein können. Die neuen Regeln für Ausstattung mit Eigenkapital würden für die Institute zu einer nicht zu unterschätzenden finanziellen Mehrbelastung, hieß aus bei den verschiedenen deutschen Bankenverbänden. Später waren es vor allem Vertreter aus der Politik, die sich überzeugt zeigten, die Auswirkungen von Basel III wären weitaus harmloser als es die Banken in ihren Horror-Szenarien ausgemalt haben. Nun zeigen aktuelle Berichte jedoch, dass die schärferen Eigenkapitalregeln sehr wohl massive Konsequenzen für die internationalen Banken haben werden. Wieder einmal sind die deutschen Banken besonders hart getroffen.
Einsparungen bei Dividenden sind zu erwarten
In der ZEIT wird darüber berichtet, dass die zuletzt veröffentlichten Zahlen zum Geldbedarf der deutschen Institute eher deutlich zu gering kalkuliert worden sind. Bisher war davon die Rede gewesen, dass die Banken aufgrund der höheren Richtwerte rund 50 Milliarden Euro mehr benötigen werden, um den Eigenkapitalanforderungen gerecht zu werden. Eine Modellrechnung der Deutschen Bundesbank lässt aber erkennen, dass der Bedarf eher bei rund 90 Milliarden Euro liegen bis zum Jahr 2019 - allein für die zehn größten Banken des Landes. Das Rechenexempel der Bundesbank macht auch klar, wie die Banken diese Summen aufbringen könnten. Die vormals genannten 50 Milliarden Euro könnten die Institute durch die Emission neuer Aktien und Anleihen auf dem Kapitalmarkt beschaffen. Die zusätzlichen 40 Milliarden Euro - und hier zeigt sich, dass die Banken mit ihrem Hinweis auf Belastungen der Kunden und Anleger durch Basel II wohl recht hatten - könnten zum Teil bei der Ausschüttung von Dividenden eingespart werden. Auch könnten die Banken verstärkt Gewinne einbehalten.
Wahrscheinlichkeit für Landesbank-Fusionen steigt weiter
Einmal spielen auch die deutschen Landesbanken an dieser Stelle eine zentrale Rolle. Sie sollen insgesamt Summen in zweistelliger Milliardenhöhe benötigen, um den Anforderungen nach Basel III entsprechen zu können. Laut dem ZEIT-Bericht laufen bereits Überlegungen bei den Bundesländern und Sparkassen als Eigentümer der Landesbanken zur Ausstattung einiger Institute mit zusätzlichem Kapital. Angeblich soll vor allem bei der NordLB oder Landesbank Hessen Thüringen erheblicher Bedarf bestehen. Eventuell können die Probleme nur durch massiven Geschäftsabbau oder die ohnehin diskutierten Fusionen verschiedener Landesbanken gelöst werden.
Bei der Bundesbank will man sich derzeit zu den Medienberichten nicht äußern. Das ist für die Kritiker von Basel III aber auch gar nicht erforderlich. Denn sie sehen sich ohne darin bestätigt, dass der Ausschuss zu hohe Anforderungen an die Banken weltweit stellt. Die Wahrscheinlichkeit ist dennoch eher gering, dass für die Banken kurzfristig doch noch ein Weg an den neuen Eigenkapitalanforderungen vorbeiführt. Für die Bankkunden könnte dies schon bald bedeuten, dass sich die Konditionen auch bei Krediten und Geldanlagen verschlechtern, weil die Anbieter ihre Gelder zusammenhalten müssen.
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