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                  Deutsche Arbeitnehmer hoffen auf mehr Einkommen

                  - 11.09.2010

                  Neu ist die Hoffnung der Verbraucher bzw. Arbeitnehmer nicht: Schon in den Jahren vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten die Berufstätigen und ihre verschiedenen Interessenverbände in Deutschland gefordert, dass endlich eine Anpassung der Löhne zugunsten der Arbeitnehmer nötig sei. Denn während die Lebenshaltungskosten in vielen Bereichen - vor allem bei den Energiekosten und bei anderen Dingen wie den Spritpreisen - zum Teil deutlich höhere Ausgaben durch die Haushalte zu tragen waren, war von einer Verbesserung des durchschnittlichen Einkommens lange Zeit nicht oder nur sehr bedingt etwas zu spüren. Als die Krise ihren Lauf nahm, verstummten die Kritiker der bisherigen Einkommenspolitik bei den Unternehmen zunächst. Denn zunächst ging es vorrangig darum, den Verlust der Arbeitsplätze auf einem möglichst geringen Niveau zu halten.

                  Doch inzwischen ist ein erfreulicher Abwärtstrend bei der Arbeitslosenquote zu erkennen, so dass auch die Fürsprecher der Arbeitnehmerschaft wieder in stärkerem Maße auf sich aufmerksam machen. In diesem Fall sind es jedoch nicht nur die Arbeitnehmervertretungen, die sich dafür einsetzen, dass die Löhne hierzulande endlich wieder steigen müssen. Ins gleiche Horn stoßen mittlerweile auch Wirtschaftsexperten, die als eher gewerkschaftsfern gelten. Auch Forscher und Bankenexperten sprechen sich dafür aus, dass das Lohnniveau in Deutschland allmählich wieder steigen sollte, nachdem viele Arbeitnehmer nicht zuletzt durch die Kurzarbeits-Maßnahmen finanzielle Einbußen hinnehmen mussten, um ihrerseits einen Beitrag zu Unternehmensrettungen zu erbringen.

                  Erst vorgestern hatte sich auch die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen den Forderungen angeschlossen und gefordert, dass Arbeitnehmern höhere Einkommen gezahlt werden sollten. Dieser Schritt sei deshalb nötig, weil der Aufschwung nicht nur bei den Unternehmen ankommen dürfe. Arbeitnehmer müssten ebenfalls profitieren, wenn die deutsche Konjunktur auf dem aufsteigenden Ast ist, so die Stellungnahme der christdemokratischen Politikerin. Ein wichtiges Argument für die Forderungen ist gerade auch die Tatsache, dass in den meisten Branchen beim letzten Aufschwung keine spürbare Anhebung der durchschnittlichen Einkommen registriert werden konnte.

                  Einkommensentwicklungen in Deutschland deutlich schlechter als im europäischen Durchschnitt

                  Die Fakten: Seit dem Jahr 2000 sind die Bruttostundenlöhne in Deutschland zum Teil deutlich langsamer gestiegen als in den meisten anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Während der EU-Schnitt ein Plus von knapp 30 Prozent betrug, bleibt der Zuwachs in der BRD mit nur etwa 22 Prozent deutlich hinter diesem Durchschnitt zurück. Gut für die Arbeitgeber, die von einem deutlich unterdurchschnittlichen Anstieg der Lohnnebenkosten profitierten. Die Lohnnebenkosten in Deutschland stiegen innerhalb der vergangenen zehn Jahre nur um knapp neun Prozent, der EU-Schnitt indes lag im gleichen Zeitraum bei üppigen 33 Prozent! Außerdem zahlen Arbeitgeber derzeit 0,9 Prozent weniger in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Schlecht war die geringe Einkommensverbesserung entsprechend für die Mitarbeiter, die höhere Kosten für das alltägliche Leben nur bedingt ausgleichen konnte. Dabei wären gerade auch die gestiegenen Sozialabgaben ein guter Grund für eine frühere Anpassung gewesen.

                  Fraglich ist momentan jedoch, ob die Forderungen aus den unterschiedlichen Richtungen am Ende eine positive Folge haben werden. Einfluss darauf könnte vor allem die Macht der Gewerkschaften haben. Eher schlecht stehen die Chancen nach Meinung von Experten im Dienstleistungssektor, denn hier halten sich die Möglichkeiten zur Einflussnahme in Grenzen. Im Bereich der Industrie hingegen könnten Arbeitnehmer am Ende mit etwas Glück schon bald wegen der Stärke der verschiedenen Gewerkschaften mehr auf dem Konto haben. Denkbar wäre auch, dass die Bundesregierung in Bereichen interveniert, in denen eher geringe Chancen auf erfolgreiche Einkommensveränderungen bestehen.

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