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                  BKA und BaFin sehen dramatischen Anstieg bei Geldwäsche-Anzeigen

                  - 06.09.2010

                  Für den Durchschnittsverbraucher ist das Web immer häufiger die erste Anlaufstelle, wenn es um die Beschaffung von Informationen geht. Insbesondere dann, wenn es um finanzielle Angelegenheiten geht, erfreut sich das WWW wachsender Beliebtheit. Mehrere aktuelle Studien und Umfragen bestätigen eine steigende Zahl von Nutzern, die sich für die Investition in eine bestimmte Geldanlage oder den Abschluss eines Kreditvertrages interessieren und vor dem Vertragsabschluss erst einmal das Web aufsuchen, um sich schlau zu machen, welche Möglichkeiten und Alternativen eigentlich existieren. Für besonders positiv halten viele Verbraucherschützer die Entwicklung bei der älteren Generation der Verbraucher im Alter ab 60 Jahren aufwärts. Gerade in dieser Gruppe gewinnt das Internet als erstes Informationsmittel an Bedeutung.

                  Doch wie fast alles hat auch diese Medaille nicht nur eine erfreuliche Seite. Denn das zunehmende Engagement der Verbraucher als Bankkunden im Web geht auch verstärkt mit einer steigenden Kriminalitätsrate einher. Vorschub leistet dieser Entwicklung beispielsweise der Zuwachs bei den Nutzern von Angeboten fürs Online-Banking. Eine neue Auswertung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden, die in Zusammenarbeit mit der Bundesfinanzaufsicht BaFin veröffentlicht wurde, lässt erkennen, dass gerade im Bereich der Geldwäsche-Delikte immer öfter auch Privatkunden involviert sind. Und zwar ohne von ihrer Quasi-Mittäterschaft überhaupt etwas zu wissen, geschweige denn dies überhaupt zu ahnen. Zunehmend nutzen Kriminelle die Unerfahrenheit und Unbedarftheit von Verbrauchern, um ihre Geschäfte zu tätigen, so die Beobachtung der Mitarbeiter der Finanzaufsicht und des BKA.

                  Verbraucher sind oft naiv und hinterfragen Offerten nicht

                  Häufiges Vorgehen: Über spezielle Lockangebote, die oftmals per E-Mail unterbreitet werden, locken Geldwäscher Kontonutzer mit teils nicht unerheblichen Provisionen, wenn diese im Gegenzug ihr Konto für Transaktionen zur Verfügung stellen. So mancher Verbraucher lässt sich vom leicht verdienten Geld locken, ohne dabei gleich Schlimmes zu vermuten. Viele Kontoinhaber sind nach Auffassung von Experten schlicht zu naiv, um den wahren Hintergrund der Anfragen zu erkennen. Auch ist die Selbst-Darstellung der Täter vielfach durchaus überzeugend. So erscheinen die Anfragen oftmals seriös, weil die Kriminellen den Eindruck eines echten Unternehmens erwecken, das im Rahmen des Expansionsprozesses sozusagen freie Mitarbeiter akquiriert. Zehn Euro für eine einzige Überweisung? Für viele Kontonutzer wirken solche Provisionen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie ein kleiner Geldsegen. Doch tatsächlich werden auf diesem Wege beträchtliche Summen zwischen zahllosen Konten hin und her transferiert, bis am Ende nicht mehr erkennbar ist, woher die Gelder ursprünglich stammen.

                  Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes, erkennt jedoch eine zunehmende Sensibilität auf Seiten der Verbraucher. Inzwischen geht jede vierte Anzeige wegen des Verdachts auf Geldwäsche auf das Konto der Verbraucher selbst, die deutlich aufmerksamer sind als noch vor wenigen Jahren. Allein im Jahr 2009 stieg die Menge der Anzeigen wegen des Geldwäsche-Verdachts auf mehr als 9.000. Dies entspricht einem Zuwachs von gut 23 Prozent binnen eines Jahres. Einfach ist jedoch mittlerweile nicht mehr, die Urheber der Anfragen zurückzuverfolgen. Denn verstärkt werden auch Dienstleister aus dem Ausland zwischengeschaltet, auf diese Weise hat die deutsche Finanzaufsicht keine oder nur sehr eingeschränkte Befugnisse, um einschreiten zu können. Hinzukommt kommt der Anstieg der so genannten Phishing-Delikte, bei denen die Konto- und Kreditkartendaten von Verbrauchern ausgespäht werden. Viele Überweisungen sind schon getätigt, bevor der Kontonutzer den Diebstahl überhaupt registriert hat. Von hunderttausenden potentiellen Opfern spricht der Chef des BKA in diesem Zusammenhang und rät Bürgern einmal mehr zu Misstrauen und Vorsicht beim Online-Banking und dem bargeldlosen Bezahlen.

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