Blog
Neue Hartz IV-Studie: Empfänger weder faul noch arbeitsunwillig
- 27.08.2010
Einmal mehr ist der Bundesbank-Experte Thilo Sarrazin, der beim Thema Hartz IV Tempo in die Debatten bringt. Schon seit Jahren macht der streitlustige ehemalige Berliner Abgeordnete mit zum Teil fragwürdigen Äußerungen zur deutschen Migrationspolitik und zum System Hartz IV auf sich aufmerksam und redet damit vor allem fast immer all denen das Wort, die Hartz IV ohnehin für den falschen Ansatz halten. Die Kritik der Gegner seit jeher: Empfänger von Hartz IV-Leistungen seien größtenteils Schmarotzer, die sich auf Kosten der Gesellschaft bereichern, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Viele Hartz IV-ler lungerten lieber Bier trinkend auf der heimischen Couch herum, als mit ihrer Zeit etwas Sinnvolles anzustellen oder sich gar einen festen Job zu suchen.
Eine neue repräsentative Studie des IAB – des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – macht nun aber deutlich, dass zumindest die Hartz-IV-Bezieher selbst sich zu einem Großteil sehr wohl für aktive Mitglieder der Gesellschaft halten. Befragt wurden für die Studie mehr als 10.000 Empfänger von Leistungen nach dem mehr denn je umstrittenen Modell Hartz IV. Motiviert und arbeitswillig – das sind zwei der meist genannten Attribute, die sich die Teilnehmer der Umfrage vielfach zuordneten. Denn es gibt viel zu tun für die deutschlandweit über fünf Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die auf Geld vom Staat angewiesen sind. Viele kümmern sich um den Nachwuchs, anderen widmen sich der Pflege erkrankter und anderer pflegebedürftiger Angehöriger. Auch das Thema Weiterbildung wird durchaus groß geschrieben bei den Empfängern von Hartz IV. Ebenso nimmt die Jobsuche allen Kritiken zum Trotz einen hohen Stellenwert ein. Nur stehen die Aussichten auf Erfolg weiterhin denkbar schlecht, wie die Studie mit dem provokanten Titel „ALG-II-Bezug ist nur selten ein Ruhekissen“ erkennen lässt.
Bewerbungserfolge sind eher selten
Die Studie macht auch deutlich, wie es beim System Hartz IV derzeit grundsätzlich aussieht. So besteht nur für knapp 60 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II die Verpflichtung, aktiv auf die Suche nach einer Anstellung zu gehen. In ihrer Studie bestätigen die Experten des IAB, dass die allermeisten Bezieher dieser Verpflichtung auch nach bestem Wissen und Gewissen nachkommen. Nur an Jobs mangelt es eben nach wie vor. Während des Umfragezeitraum hat nach Aussage der Studie nur einer von vier Umfrageteilnehmern eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Dies zeige, so die Experten für Arbeitsmarktfragen, dass selbst härtere Sanktionen gegen vermeintlich leistungsunwillige nur sehr eingeschränkte Erfolgsaussichten bieten können. Motivation ist bei den deutschen Langzeitarbeitslosen also durchaus vorhanden, viele Empfänger von Hartz IV sind sogar bereit Angebote anzunehmen, bei denen sie nur ein geringes Einkommen erzielen können. Doch die Chancen der ALG-II-Empfänger stehen schlecht.
Nur wenige Empfänger sind „Drückeberger“
Vier von fünf Hartz-IV-lern haben es schwer, weil sie über einen Migrationshintergrund verfügen, gesundheitlich vorbelastet sind oder nur eine zu geringe Qualifikation vorweisen können. Schwer haben es noch immer auch die Alleinerziehen. Sie gehören häufig zur Aufstocker-Gruppe, die momentan fast 30 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger ausmacht. Auch dies zeigt, dass die Empfänger durchaus arbeiten wollen. Insgesamt liegt der Anteil derjenigen, die einer „nützlichen Tätigkeit“ nachgehen, liegt der Umfrage des IAB zufolge bei gut zwei Dritteln. Nur in rund 350.000 Fällen sprechen die Urheber der Umfrage davon, dass sich Hartz-IV-Bezieher ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung entziehen. Hierbei handelt es sich jedoch keinesfalls grundsätzlich um Sozial-Schmarotzer. Eher seien es vielfach Menschen, die aufgrund zahlreicher schlechter Erfahrungen regelrecht demoralisiert sind. Hier sollte weniger kritisiert als Hilfe bereitgestellt werden, damit auch diese Menschen wieder zur früheren Arbeitsfähigkeit zurückfinden können.
Kommentare zu Neue Hartz IV-Studie: Empfänger weder faul noch arbeitsunwillig
Altersvorsorge Rechner online
DGB-Studie: Zu viele Leiharbeiter von Hartz IV abhängig - Kurz notiert
Reformen bei Hartz IV als Kostenfalle für Bundesagentur für Arbeit? - Kurz notiert
4 neue ETCs auf Edelmetalle - Kurz notiert
GEZ: Hartz IV-Empfänger zahlen oft unnötig - Kurz notiert
Neue Renteninformationen fallen geringer aus
Besucher fanden diese Seite unter folgenden Suchbegriffen:
- hartz iv,
- hartz 4 studie,
- hartz 4 studie titel,
- hartz 4 nachrichten 2010,
- sarrazin
