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                  Studie des Baseler Ausschusses sieht in neuen Kapitalvorschriften keine Wirtschaftsgefahr

                  - 20.08.2010

                  Seit Wochen bangen die Banken und andere Finanzdienstleister bereits vor den Veränderungen, die auf die Branche im Zuge der neuen Kapitalvorschriften im Rahmen des Modells Basel III zukommen könnten. Die Institute wehren sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, um die Korrekturen des bestehenden Systems vielleicht doch noch vor dem Start zu stoppen, zumindest aber für eine Abschwächung der Reformen zu sorgen. Und zuletzt sah es durchaus danach aus, dass die Experten im so genannten Baseler Ausschuss tatsächlich noch einlenken könnte, indem die eigentlichen neuen Vorgaben weniger strikt ausfallen könnten als zunächst gedacht.

                  Der Ausschuss hatte vor allem angekündigt, erneut die eigenen Pläne ausführlich zu prüfen und zu analysieren, inwieweit die Befürchtungen der Bankenverbände in ganz Europa hinsichtlich der höheren Kapitalanforderungen berechtigt sein könnten. Mit einer eigenen Studie nimmt der Baseler Ausschuss nun der Banken-Lobby den Wind aus den Segeln. Eine wirkliche Gefahr für die europäische Gesamtwirtschaft lässt die Studie des Ausschusses nicht erkennen. Für die Banken eine herbe Erkenntnis, denn sie hatten darauf hingewiesen, dass die neuen Vorschriften zur Kapitalversorgung und zur grundsätzlichen Liquidität der Institute auf jeden Fall negative Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt haben würden. Einmal mehr war vor allem der Hinweis auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen ein gewichtiges Argument, dass die Vertreter der Banken ins Feld führten. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich das momentan positive Wirtschaftswachstum verringern könnte, wenn die Banken in erheblichem Maße höhere Rücklagen bilden müssen.

                  Nur geringfügiger Rückgang der Wachstumsrate

                  Diese Kritik entkräftet die Studie des Baseler Ausschusses. Nur in minimalen Umfang sei eine Reduzierung der Wachstumsrate zu befürchten, so das Ergebnis der Studie. Als Wert nennt die Studie einen Prozentsatz in Höhe von nur 0,04 Prozent für den Zeitraum von viereinhalb Jahren. Mit seiner Studie reagiert der Ausschuss vor allem auf eine andere Studie, die vom Institute of International Finance und den Banken im vergangenen Juni publik gemacht worden war. Darin wurden Szenarien ausgemalt, die von deutlichen Verschlechterungen für die Weltwirtschaft und die Finanzbranche im Besonderen sprach. Doch der Baseler Ausschuss begnügt sich nicht damit, die Argumente der Banken-Lobby zu entkräften.

                  Die Studie weist sogar auf einen genau gegenteiligen Effekt hin, der durch die neuen Kapitalvorschriften ausgelöst werden könnte. Je stabiler die Banken aufgestellt sind, heißt es in der Studie, desto besser stehen auch die Chancen auf ein langfristig stabiles Wachstum der Wirtschaft allgemein. Durch die neuen Regeln für die Banken würde vielmehr eine höhere Widerstandsfähigkeit der Institute erreicht. Dies wiederum senke die Gefahr einer erneuten Finanz- und Bankenkrise. Auf diese Weise werde durch Basel III verhindert, dass in Zukunft die krisenbedingten Verschlechterungen der Wirtschaftsleistung zu erwarten sind.

                  Ausschuss kritisiert einseitige Einschätzung der Bankenvertreter

                  Letztlich handele es sich bei den Reformansätzen also um substanzielle Maßnahmen, die schon aus rein volkswirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll und Erfolg versprechend sind. Dass die Banken bei der Einschätzung der Reformen den Blick in erster Linie auf das Bankensystem richten, ist für den Gouverneur der niederländischen Notenbank Nout Wellink, der zugleich der Vorsitzende des Baseler Ausschusses ist, nur allzu verständlich. Dennoch müsse auch der Aspekt des Vertrauens in das Finanzsystem berücksichtigt werden. Die Banken dürften nicht nur die Veränderungen für die eigene Branche sehen. Ob sich diese Denkweise aber bei den Bankenverbänden bald durchsetzen wird, darf wohl eher bezweifelt werden.


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