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                  BaFin will Kontrollen für Kapitalisierungsprodukte der Versicherer

                  - 30.07.2010

                  Mancher normalen Bank waren das Verhalten von Versicherungsgesellschaften in der Vergangenheit immer häufiger ein Dorn im Auge. Um sich mit neuem Geld zu versorgen, hatten die Versicherungen in Deutschland zunehmend auch den Schritt auf bisher für die Branche nicht erschlossene Märkte gewagt. So wurden Produkte ausgearbeitet, die ähnlich wie Tagesgeld- und Festgeldkonten funktionierten, dabei aber nicht selten bessere Renditen für die Sparer in Aussicht stellten, als den Kunden bei den Banken im Lande geboten wurden in Zeiten sinkender Zinssätze. Fachlich spricht man hier von so genannten Kapitalisierungsprodukten, denn die Versicherungen beschaffen sich neues Kapital. Die ungewohnte Konkurrenz stieß bei den Banken wie erwartet nicht gerade auf Gegenliebe. Denn die durchschnittlichen Zinssätze bei Tages- und Festgeld hatte ohnehin zu sinkender Nachfrage von Seiten der Anleger geführt.

                  Zudem war frühzeitig nach dem Beginn des Engagements der Versicherungen auf dem Kapitalmarkt von Experten darauf hingewiesen worden, dass die Produkte nicht grundsätzlich frei von Risiken seien. Mit ihren so genannten Einmalbeitrags-Policen erzielten die Unternehmen allein im vergangenen Jahr 2009 einen Gesamtumsatz in Höhe von acht Milliarden Euro. Dies entspricht bereits gut 25 Prozent der insgesamt erzielten Versicherungssumme der Branche. Damit legen die kurzfristigen Anlagemodelle schon jetzt ein erstaunliches Wachstum hin. Und auf genau solche Einnahmen sind gerade die Lebensversicherungen in Deutschland derzeit angewiesen, denn in ihrem Kerngeschäft mit Lebensversicherungspolicen erreichen die Unternehmen schon seit einigen Jahren nicht mehr das gewünschte Wachstum. Zu gering erscheinen vielen potentiellen Kunden die voraussichtlichen Renditen bei den klassischen Policen. Besser fallen die Rendite bisher bei den besagten Kapitalisierungsprodukten aus. Doch damit könnte es schon bald vorbei sein.

                  Getrennte Finanzierungsmodelle für Policen und Produkte mit Einmalbeiträgen gefordert

                  Schon vor einigen Monaten kritisierten Verbraucherschutzexperten, dass die Finanzierung der Policen mit einmalig geleisteten Beiträgen vor allem zu Lasten der Kunden im normalen Lebensversicherungsgeschäft gehen könnten. Schließlich müssten die Versicherungen ihr neues Geschäftsfeld mit Mitteln aus ihrem bisherigen Tätigkeitsbereich finanzieren. Diese Hinweise der Verbraucherschützer hatte schon im April dieses Jahres dazu geführt, dass sich auch die Bundesfinanzaufsicht BaFin verstärkt für die neuen Produkte zur Kapitalisierung bei den Versicherern interessierte und die Angebote eingehenden Prüfungen unterzog. Mit dem Ergebnis, dass sich die Versicherungen wohl schon bald mit strengeren Vorschriften konfrontiert werden sollen, wie aus dem Umfeld der BaFin zu vernehmen ist. Mit den schärferen Richtlinien für die Produkte will man vor allem die Versicherungen selbst schützen.

                  Denn je mehr Kapital die Gesellschaften in den neuen Bereichen investieren und als Rendite an die Neukunden ausschütten müssen, desto höher ist die Gefahr, dass die Unternehmen Probleme bei der Auszahlung im Kerngeschäft bekommen. Wollen beispielsweise wider Erwarten viele Kunden vorzeitig ihre Lebensversicherungspolicen auflösen, könnte eine Versicherungsgesellschaft in ernste Bedrängnis geraten, weil die Kapitalausstattung vorübergehend knapp ist. Sollten zeitgleich auch noch die Kunden ihr Geld aus den Kapitalisierungsprodukten abrufen wollen, sähen sich die Versicherungen möglicherweise einem echten Finanzierungsengpass gegenüber. Aufgrund der ständigen Verfügbarkeit der Kundengelder besteht dieses Risiko im Grunde immer. Aus Sicht der BaFin-Experten sind die Versicherungen im Bereich der langfristig ausgerichteten Produkte deutlich besser aufgehoben. Zumal bei den Tagesgeld-ähnlichen Produkten jederzeit die Gefahr besteht, dass Kunden zu einem Mitbewerber wechseln, bei dem sich plötzlich bessere Konditionen bieten. Über eine so genannte Sammelverfügung will die Bundesfinanzaufsicht dafür sorgen, dass die Gemeinschaft der Versicherer nicht die Kosten für den Renditewunsch der Gesellschaften tragen muss. Geplant ist die Einführung der neuen Kontrollen für das letzte Quartal des Jahres 2010. Wichtigster Bestandteil soll sein, dass die Kapitalisierungsprodukte nicht aus dem gleichen Topf wie die Lebensversicherungsprodukte finanziert werden dürfen.

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