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Neue Kreditrichtlinie soll einheitlichen europäischen Kreditsektor bringen
- 23.06.2010
Seit fast zwei Wochen gilt sie mittlerweile, die neue so genannte Verbraucherkreditrichtlinie, an die sich alle Banken innerhalb der Europäischen Union halten müssen. Eines der wesentlichen Ziele ist der Schutz der Verbraucher gegen versteckte Kreditkosten und unverständliche Formulierungen in den Produktinfos, darüber hinaus soll die Richtlinie zügig dazu führen, dass die Produktdarstellungen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern in ganz Europa für potentielle Kreditnehmer leichter vergleichbar werden. Doch neben diesem Schutz der Verbraucher strebt die EU noch ein weiteres interessantes Ziel an.
Die Gemeinschaft möchte in ganz Europa einen Markt für Verbraucherkredite mit einheitlichen Richtlinien schaffen, die zu möglicherweise deutlich besseren bzw. verbraucherfreundlicheren Konditionen bei Darlehen führen soll. Die Vorstellung der Experten, die bei der EU für die Ausarbeitung der Kreditrichtlinie zuständig waren, geht dahin, dass Verbrauchern in Zukunft in ganz Europa nach einem günstigen Darlehensangebot Ausschau halten können. Ideal wäre eine Lösung, bei der Kunden nur noch eine Sprache aus dem Angebot der europäischen Banken auswählen müssen, während die Konditionen stets nach dem gleichen Muster aufgelistet werden. Entscheiden müssten sich Kunden dann nur noch für ihre Wunsch-Kreditsummen, die Laufzeit und die Ratenhöhe.
Richtlinien verlangen weitreichende Vernetzung der Auskunfteien
So gut das Konzept auch gedacht ist. Kritiker fürchten, dass die Richtlinie vor allem eines bringt: Hohe Kosten. Denn die Regulierung der verschiedenen nationalen Kreditmärkte wird bei Eintreffen möglicherweise Unsummen verschlingen. Probleme sehen Spezialisten für Kreditthemen vor allem in der Überprüfung der Kreditwürdigkeit potentieller Kunden. Denn eine Abfrage über die Ländergrenzen hinaus ist derzeit aus Mangel an Kooperationsvereinbarungen zwischen den verschiedenen Auskunfteien nicht möglich. Entsprechend karg sieht die Habenseite bezüglich der bisherigen Veränderungen infolge der Einführung der neuen Richtlinie aus. Bei Finanzberatungen wie dem renommierten Unternehmen FMH geht man dementsprechend erst einmal nicht davon aus, dass Kunden allzu bald auch im Ausland Kreditangebote einholen werden bzw. einholen können.
Sollte sich diese Einschätzung der Marktoptionen in den kommenden Jahren bestätigen, wäre dies für die Verbraucher durchaus bedauerlich. Dies wird deutlich, wenn man einen Blick auf die durchschnittlichen Konditionen in den verschiedenen EU-Ländern wirft. Die Differenzen ergeben aktuell ein nicht unerhebliches Zinsgefälle in Europa. Fast macht es den Anschein, dass die Kunden in den wirtschaftlich angeschlagenen Staaten Europas – wie etwa in Portugal oder Spanien – wesentlich mehr für die Erfüllung ihres Kreditwunsches zahlen müssen, während in einigen skandinavischen Ländern (bspw. in Finnland) spürbar niedrige Kosten auf Kreditnehmer zukommen. Hierzulande sind für einen herkömmlichen Verbraucherkredit etwa acht Prozent Zinsen pro Jahr fällig, in Finnland würde ein solches Darlehen momentan etwa sechs Prozent kosten. Bei mehreren Jahren Laufzeit ein beträchtlicher Unterschied.
Vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten bei Bedarf
Trotz dieser Problematik im Bereich der europaweiten Öffnung der Kreditmärkte. Unterm Strich hoffen Verbraucherschützer, dass die neuen rechtlichen Vorgaben die Kunden wenigstens auf nationaler Ebene in eine bessere Position bringen und gegen unnötig hohe Kosten für Kredite schützen werden. Doch die neuen Richtlinien haben aber in gewisser Weise auch eine negative Folge.
Bei Beantragung eines Kredites werden Verbraucher ungeachtet der begehrten Summen Kreditbedingungen im Umfang von rund 10 DIN A4-Seiten studieren müssen. Denn dieser Umfang resultiert aus der neu geschaffenen Informationspflicht, der Kreditinstitute in ganz Europa nun Folge leisten müssen. Dafür können Verbraucher ihre Kredite aber neuerdings grundsätzlich vorzeitig zurückzahlen. Auf Wunsch müssen die Banken entsprechende individuelle Angebote unterbreiten. Dafür nehmen die meisten Verbraucher sicher gerne einen größeren zeitlichen Aufwand beim Lesen der Konditionen in Kauf.
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