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Kredite in Deutschland zu preiswert?
- 21.06.2010
Die Verbraucher freuen sich schon seit einiger Zeit über die spürbaren Veränderungen auf dem deutschen Kreditmarkt. Denn in fast allen Bereichen sind die Zinssätze so deutlich gesunken, dass sich mancher bisher unsichere Bankkunde auf einmal doch noch den Traum von Eigenheim erfüllen kann, während noch vor einem oder zwei Jahren mit wesentlich höheren Gesamtkosten zu rechnen gewesen wäre. Auch die deutschen Unternehmen spüren die günstigen Zinskonditionen, wenn sie ein Darlehen suchen und für ihren Antrag auch die benötigte Zustimmung der Bank kommt.
Aus Sicht manches Branchenkenners ist die Kreditlage in Deutschland derzeit jedoch im Grunde recht nicht wirklich nachvollziehbar, vor allem nicht im Hinblick auf die Vergabepolitik im Bereich der Unternehmensfinanzierungen. Denn eigentlich müssten Darlehen in der jetzigen Phase des Marktes viel teurer sein. So sieht es wenigstens der für den Bereich Mittelstand zuständige Vorstand der Commerzbank, Markus Beumer. Er spricht von einen regelrechten Kampf bei der Preisgestaltung bei Krediten zwischen den verschiedenen Anbietern. Der Druck auf die Banken sei zuletzt wieder deutlich angestiegen, obwohl die Kreditvergabe eher restriktiv sei.
Zinssätze müssten bei geringer Vergabe deutlich höher liegen
In einem solchem Marktumfeld müssten Kredite für Unternehmen eigentlich deutlich teurer sein. Die Erklärung ist einfach: Ist das Gesamtvolumen der vergebenen Darlehen gering, müssen Kreditnehmer für ihre Kredite mehr bezahlen. Doch von Seiten der öffentlich-rechtlichen Banken werde über schrittweise sinkende Zinssätze bei der Kreditvergabe zunehmend Druck auf die Privatbanken ausgeübt, so Beumer im Interview mit der Financial Times Deutschland. Insbesondere die Landesbanken kritisiert der Vorstand von Deutschlands Nummer 2 unter den Privatbanken.
Solange die Kreditvergabe weiterhin so gering ausfällt, müssten die Banken höhere Zinssätze erheben, als sie es aktuell tun. Dies gelte im Grunde auch für öffentlich-rechtlich Institute, auch wenn diese sich diese Notwendigkeit aktuell nicht klarmachen wollen. Laut einer Veröffentlichung der Europäischen Zentralbank ist die Kreditvergabe im Monat Juni zwar stabil, von einer erheblichen Erleichterung auf dem Markt könne jedoch nicht gesprochen werden. Zumal diese Stabilität ein eher geringes Niveau vorweist.
Gefahr von Versorgungsengpässen bei ausbleibendem Umdenken
Unzufrieden über die Kreditkosten ist auch der Chef des deutschen Geschäfts des Konzerns Morgan Stanley. Dirk Notheis formuliert seine Bedenken aber wenig diplomatisch. Er hält Kredite hierzulande im internationalen Vergleich grundsätzlich für zu preiswert. In anderen Ländern müssten Verbraucher und Unternehmen schon lange zum Teil wesentlich höhere Zinssätze in Kauf nehmen, wenn sie ein Darlehen benötigen. Dieses Vorgehen der Banken in Deutschland könnte schon bald zu weiteren Problemen führen.
Sollte die von vielen Analysten prognostizierte Verschärfung im Bereich der Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Banken Wirklichkeit werden, müssen die Banken nicht zuletzt auch wegen der momentanen Zinspolitik den Geldhahn noch weiter zudrehen oder die Kosten für die Kreditnehmer überdurchschnittlich stark anheben. Nur so könnten mögliche Liquiditätsengpässe verhindert und Vorsorge gegen Kreditausfälle durch steigende Kreditvergabe getroffen werden. Von einem Boom bei der Nachfrage nach Darlehen geht der Morgan Stanley-Chef Notheis indes nicht aus. Dennoch sei die Krise längst nicht überstanden. Einen Grund für übermäßige Freigiebigkeit gibt es für die Banken also in ihrem Kerngeschäft – der Kreditvergabe – eigentlich nicht.
Von einem spürbaren Anstieg des Kreditbedarfs in der deutschen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres geht der Experte trotzdem aus aufgrund einer fortgesetzten Belebung der Wirtschaft.
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