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Verbraucher erkennen drohende Überschuldung oft zu spät
- 18.06.2010
Wer sich mit den Veränderungen auf dem Kreditmarkt in den vergangenen Monaten befasst, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass zwar die Anforderungen an die Kreditnehmer zum Teil massiv gestiegen sind. Entscheidet die Bank jedoch positiv über den Kreditantrag sind die Konditionen nicht selten sogar erstaunlich günstig, wie Experten vor allem im Bereich der Immobilienkredite bestätigen können. Berichte über den Kreditsektor zeigen jedoch noch eine andere Entwicklung.
Mit US-amerikanischen Verhältnissen können die deutschen Kreditnehmer auch weiterhin nicht konkurrieren, dennoch ist nach wie vor ein deutlicher Anstieg bei den Privatinsolvenzen zu beobachten, der bei Verbraucherschützern für Sorgenfalten sorgt. Studien sprechen schon jetzt davon, dass rund sechs Millionen Bundesbürger mit Schulden zu kämpfen haben, allein im Jahr 2010 könnten im Ernstfall erneut bis zu 150.000 Verbraucher durch die eigenen finanziellen Belastungen in die umgangssprachlich als Privatinsolvenz bezeichnete Verbraucherinsolvenz abstürzen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass viele Bürger schlicht zu spät erkennen, wann die Überschuldung erreicht und jedes weitere Darlehen die eigene Lage nur noch verschlimmert.
Das Problem an der Kreditsituation vieler Verbraucher liegt darin, dass in schwierigen Zeiten nicht direkt der Geldhahn zugedreht wird. Wer noch ein festes monatliches Einkommen vorweisen kann, erhält Aufschub bei der Rückzahlung der Darlehen. Auch neue Darlehen sind nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeiten im Internet mit schufafreien Kreditmodellen mitverantwortlich für den hohen Schuldenstand pro Bundesbürger. Doch der Laie selbst kann bei subjektiver Betrachtung oftmals gar nicht die Ausweglosigkeit der eigenen Lage erkennen. Kommt es jedoch unerwartet zu einer Arbeitslosigkeit und entsprechend zu einem Wegfall des Einkommens, geht es häufig ganz schnell. Schon heute tritt die Überschuldung in rund einem Drittel aller Fälle die Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation oder in befristeten Arbeitsverhältnissen.
Frühzeitige Suche nach professioneller Hilfe hilft bei Schadensbegrenzung
Verbraucher, die ständig – wie es so schön heißt – knietief im Dispo stehen, diesen sogar deutlich überreizen, schon Mahnungen von der Bank erhalten oder gar Post von Inkassounternehmen erhalten haben, sollten ihre problematische Situation erkennen. Statt immer neue Kredite aufzunehmen, durch deren zusätzliche Belastungen sich die persönliche Situation am Ende nur weiter zuspitzt, sollten Verbraucher lieber die Hilfe von Schuldnerberatern in Anspruch nehmen. Diese helfen einerseits dabei, dass die Schuldner wieder Land erkennen können, spätestens nach sechs Jahren Insolvenz sind sie schuldenfrei. Tatsächlich bemerken viele Experten aber, dass es in vielen Fällen durchaus berechtigte Hoffnung auf eine halbwegs schadensfreie Bewältigung der Krise besteht, wenn sich die Betroffenen frühzeitig helfen lassen, statt abermals einen Kredit aufzunehmen und sich selbst immer weiter in die Schuldenspirale zu stürzen.
Verbraucherschützer raten dringend zu diesem Vorgehen und fordern auch die Politik auf, in diesem Punkt noch stärker als bisher Schutz für die Bürger zu schaffen. Denn noch immer werden Kredite allzu freigiebig verteilt, solange wenigstens die Zinsen gezahlt werden. Vorbei ist es mit dieser Kundenfreundlichkeit aber immer dann, wenn den Kreditnehmern aus Krankheitsgründen oder einer (unverschuldeten) Arbeitslosigkeit heraus das Geld endgültig ausgeht. Vielfach lassen die Banken dann nicht mehr mit sich reden und kündigen stattdessen Darlehen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit der Kunden. Diese finanzielle Mehrbelastung bricht vielen Verbrauchern im Falle einer Überschuldung endgültig das Genick. Hohe Standards für den Verbraucherschutz müssten nicht nur bei Produktdarstellungen als Maßstab angesetzt werden. Die Bürger müssten auch bei späteren Problemen besser als bisher unterstützt werden.
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