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Verbraucherzentralen fordern erneut Standards für Geldanlagen-Beipackzettel
- 15.06.2010
Große Hoffnungen hatte schon im vergangenen Jahr die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner, als die Banken in Deutschland dazu aufrief, endlich mit einheitlichen Standard zur Präsentation ihrer verschiedenen Finanzprodukte dafür zu sorgen, dass die Kunden besser die Konditionen verstehen und die Produkte vor allem objektiver miteinander vergleichen können. Zu diesem Zwecke hatte das Ministerium selbst schon frühzeitig entsprechende Anforderungen und sogar vorgefertigte Formblätter erstellt, die den Instituten helfen sollten bei der Ausführung des durch die Ministerin erteilten Informationsauftrags. Die Banken im Lande zogen es vielfach jedoch eher vor, ihre eigenen Broschüren und Informationsmaterialien zusammenzustellen für die Kunden.
Zumindest im Bereich der Geldanlagen aber verfehlen diese als Beipackzettel bezeichneten Materialien in vielen Fällen nach wie vor die gewünschte Wirkung beim Anleger in spe, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen zum Beginn der neuen Woche zu beanstanden gibt. Als sinnvolle Hilfe beim Kaufentscheid dienen die Beipackzettel nicht wirklich. Bezug nimmt der Bundesverband damit auf einem selbst durchgeführten Test der Informationsangebote von acht unterschiedlichen Anbietern in Deutschland. Im Einzelnen ging es im Test unter anderem um die Broschüren zu Festgeld-Produkten, den so genannten Schatzanleihen und Immobilienfonds.
Vorrangig beklagen die Verbraucherschützer in diesem Zusammenhang, dass sich die Banken über die verschiedenen Verbände noch immer nicht auf einheitliche Standards haben einigen können. Denn genau diese benötige der Anleger, um die Vor- und Nachteile sowie die Unterschiede der angebotenen Produkte zu erkennen. Dass in den Beipackzetteln nach wie vor mit verschiedenen Begriffen gearbeitet wird oder wesentliche Angaben gleich grundsätzlich fehlen (etwa bezüglich der genauen Anlageklasse eines Produkte), sorge bei den Verbrauchern zusätzlich für Verwirrung.
Umfrage zeigt: Verbraucher möchten Anlagemodelle vor der Investition verstehen
In diesem Punkt lassen sich die Produktanbieter eine gute Chance entgehen. Denn, das hat zuletzt eine Umfrage des Institutes TNS Infratest im Auftrag der Allianz Bank wiederholt bestätigt: Die deutschen Anleger hegen als größten Wunsch, die Produkte auf dem Anlagemarkt verstehen zu können. 1000 Deutsche im Alter von mindestens 18 Jahren wurden für die so genannten Allianz Bank Money Trends gefragt, welche Anforderungen sie an Finanzprodukte stellen und wie sie ihre Investments auswählen.
87 Prozent aller Teilnehmer gaben an, vor allem das Produkt selbst verstehen zu wollen, um überhaupt eine Investition in Betracht zu ziehen. Sechs von zehn Befragten äußerten zudem, sie machten sich seit Ausbruch der Finanzkrise deutlich mehr Gedanken darüber, welche Produkte ihnen beim Sparen einen Nutzen erweisen können. Auffällig ist dabei, dass die Deutschen im Alter ab 60 Jahren mit einem Wert von 65 Prozent in noch stärkerem Maße nachdenken, welche Modelle sinnvoll und welche zu riskant für die eigenen Sparvorhaben sind. Im Alter bis maximal 30 sind es nur etwa 46 Prozent, die sich viele Gedanken machen bei der Investitionsauswahl.
Ebenfalls auf 87 Prozent bringt es der Anteil der Verbraucher, denen Vertrauen in die Bankberater wichtig ist, immerhin gut 25 Prozent der TNS Infratest-Umfrageteilnehmer bestätigen, ihre Auswahl weiterhin von den Empfehlungen ihrer Berater abhängig zu machen. Angesichts der Erfahrungen mit der Beratungsqualität in vergangenen Tests ist diese Aussage doch für manchen Experten überraschend. Ein Beweis könnte diese Einschätzung für die These sein, dass Verbraucher Risiken immer nur bei anderen Kunden sehen, während sie sich selbst gegen Fehlberatung geschützt fühlen.
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