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                  Bald Konkurrenz für Ratingagenturen durch Kreditversicherer?

                  - 08.06.2010

                  Erst am gestrigen Tage hatte es abermals Meldungen darüber gegeben, dass die bisherigen Arbeitsweisen der so genannten international agierenden Ratingagenturen möglicherweise nicht gänzlich mit den neuen Notwendigkeiten des Marktes vereinbar sein könnten. Dabei bezogen sich die Kritiker vor allem darauf, dass es zwischen den verschiedenen Bewertungs-Instanzen zu wenig bzw. überhaupt keinen Wettbewerb gebe. Doch eben diesen benötige man, um den Agenturen ein wenig von ihrem bedrohlichen Einfluss zu nehmen. Einer der Politiker, der sich offen zur Schaffung unabhängiger staatlicher oder teilstaatlicher Ratingagenturen äußerte, war der deutsche Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FPD.

                  Auch bei der Brüsseler EU-Kommission will man nun schnellstmöglich an Regelwerken arbeiten, die schärfere Kontrollen für die Ratingagenturen in Gang setzen könnten. Schon jetzt wurden erste Ansätze publik bei der Kommission. Eine eigene, neu zu schaffende Aufsichtsbehörde soll nach derzeitigen Meldungen die entsprechenden Kontrollen des Marktes übernehmen. Dieses Institut soll unter dem Namen European Securities and Markets Authority – kurz ESMA – firmieren. Schon am heutigen Tage will der EU-Kommissar Michel Barnier Pläne vorstellen, wie man sich die zukünftige Regulierung vorstellt. Doch die ESMA soll nicht der einzige Kontrollmechanismus auf europäischer Ebene sein, zwei weitere Aufsichtsbehörden sollen ihrerseits einen Beitrag für mehr Sicherheit bei den Risikoeinstufungen bringen, die zuletzt massive Probleme für die schlechter bewerteten Nationen wie Griechenland nach sich gezogen hatten.

                  Bessere Kontrollmechanismen sollen zu Transparenz führen

                  Kontrolliert werden sollen durch die zwei ergänzend arbeitenden Behörden nach Aussagen des EU-Kommissars vor allem Banken und Versicherungsgesellschaften, die ihrerseits eine wichtige Rolle bei der Kreditvergabe spielen. Den Ratingagenturen war in den vergangenen Monaten vorgeworfen worden, durch schlecht gewählt Termine für die Bewertungs-Korrekturen zusätzliche Brisanz in die Euro-Probleme und die Wirtschaftskrise allgemein gebracht zu haben. Durch die Kontrollen sollen die Agenturen bei der Ratingvergabe zukünftig einerseits zu einer transparenteren Bewertungsabwicklung gezwungen werden. Auch soll auf diesem Wege ermöglicht werden, dass bei Verdachtsmomenten berechtigte Zweifel zu einer weitreichenden Überprüfung der Bonitäts-Bewertungen durch die Ratingagenturen führen können.

                  Auch in diesem Bereich ist Transparenz das Stichwort. Denn bisher war die Arbeitsweise nicht immer im vollen Umfang für Außenstehende nachvollziehbar. Nun sollen sogar Strafen durch die ESMA verhängt werden, wenn die Ratingagenturen bewusste Fehlurteile abgeben und dadurch Schieflagen bei Unternehmen oder Staaten in Kauf nehmen. Denkbar ist nun auch ein deutlich stärkerer Wettbewerb. Nicht nur das Mitglied der Europäischen Zentralbank Christian Noyer – seines Zeichens Chef der Französischen Notenbank – spricht sich öffentlich dafür aus, dass Vertreter wie auf Kreditversicherung spezialisierte Versicherungskonzerne als Konkurrenz zu den Ratingagenturen mit eigenen Serviceleistungen auf den Plan treten könnten. Nach Noyers Aussage verfügten die Kreditversicherer ohnehin über das nötige Know-how, um als Mitbewerber aktiv zu werden, wenn es um die Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern – Unternehmen und Staaten gleichermaßen – geht.

                  Ungünstiger Rating-Moment hat zu Schieflagen geführt

                  Fest steht für Kritiker der aktuellen Lage auf dem Ratingsektor: Die bisherige Arbeitsweise ist unzureichend. Notenbanken seien schlicht zu abhängig von den Urteilen der großen Ratingagenturen. Im Falle massiver Fehleinschätzungen seien die Folgen kaum absehbar. Die zurückliegende Abstufung der in Schieflage geratenen Euro-Länder sei das beste Beispiel dafür, welche Folgen eine Korrektur der Bonitätsbewertung zum falschen Zeitpunkt haben kann, so der französische Notenbank-Chef bei einer Konferenz in Seoul. Binnenmarktskommissar Barnier möchte neben den Ratingagenturen weitere Veränderung beim Risikomanagement in der Bankenbranche umgesetzt wissen. Hierbei ist ebenfalls denkbar, dass die Aufsicht von nationaler auf europäische Ebene verschoben wird, um europaweit auch in diesem Bereich mehr Transparenz zu schaffen. Einig sind sich die Experten von EZB und Eu-Kommission in einem Punkt: Die Gemeinschaftswährung Euro wird weiterhin eine starke Währung in der Union bleiben, das momentane Niveau sei keineswegs unterdurchschnittlich, wie der Blick auf die ersten zehn Jahre seit der Euro-Einführung zeige.

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