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Erste Schwellenländer ergreifen Maßnahmen gegen Ansturm von Anlegerseite
- 10.05.2010
Das Szenario an sich ist kein wirklich neues: In kritischen Phasen auf dem Finanz- und Kapitalmarkt sehen sich die Anleger so schnell wie möglich nach Alternativen um, wenn die ersehnten Renditen bei vormals interessanten Geldanlagen ausbleiben und die Verlustrisiken zunehmend steigend. Zuletzt war es vor allem die Krise in Griechenland, die von vielen Anlegern ein Umdenken forderte. Andere europäische Länder sind ebenfalls von erheblichen Finanzsorgen betroffen, so dass sich die Investoren zunehmend zurückziehen.
Eine Folge dieser Abkehr ist aktuell zum Beispiel die, dass sich die so genannten Schwellenländer verstärkt einer steigenden Nachfrage ausgesetzt sehen. Was an sich erst einmal positiv klingen mag, erweist sich bei genauerer Betrachtung als nicht unproblematisch. Denn sollten sich Anleger und Investoren für die Märkte der Schwellenländer interessieren, könnte das im Ernstfall eine Aufwertung der jeweiligen Landeswährungen auslösen. Und genau das ist nicht im Interesse der Staaten wie Brasilien, Indien und Co.
Doch die Zuflüsse auf die Kapitalmärkte steigen und der Aufstieg muss reguliert werden. Und so hat beispielsweise Brasilien schon mehr Kontrollmechanismen für den Kapitalzufluss in Kraft gesetzt, nicht ohne internationale Zustimmung. So hat etwa der Internationale Währungsfonds von der Notwendigkeit solcher Regulierungen gesprochen, obwohl die Experten des IWF in der Vergangenheit nicht grundsätzlich für derartige Interventionen zu haben waren. Denn angesichts steigender Investitionen aus dem internationalen Ausland haben die Schwellenländer bisher nur die Möglichkeit gehabt, die Leitzinsen vor Ort zu erhöhen und notwendige volkswirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen. Für viele Analysten steht fest, dass nach den bisherigen Veränderungen auf den internationalen Märkten auch andere Schwellenländer von ähnlichen Problemen betroffen sein werden.
Auch in China könnten Regulierungen nötig sein
Als wahrscheinlich stufen Ökonomen momentan ein, dass auch die Zentralbank in der Volksrepublik China mit Zinsanhebungen auf die neue Situation mit steigenden Investitionsvolumina wird reagieren müssen. Neben der eigentlichen Gefahr für Währungen der betroffenen Länder sehen die Volkswirte in den Ländern noch eine weitere Bedrohung. Welche Konsequenzen aus einem solchen Ansturm auf Märkte haben kann, zeigte zum Beginn der globalen Wirtschaftskrise der Immobilienmarkt der USA. Auch in den Schwellenländern wächst daher die Angst vor vergleichbaren Blasen auf Aktien-, Immobilien- und anderen Märkten. Dieses Problem könnte sich vor allem dann ergeben, wenn die Anleger plötzlich kurzfristig ihre Gelder wieder aus den Märkten abziehen. Selbst in Russland zieht man derartige Verhaltensweisen mittlerweile in Betracht, um die Zuflüsse aus dem Ausland besser regeln zu können. Die Zentralbank Indiens indes will ihrerseits in diesem Monat beginnen, strengere Kontrollen des Anleihensektors zu schaffen.
Bisher bewegen sich die Maßnahmen noch in einem relativ überschaubaren Rahmen. In Brasilien etwa erhebt man inzwischen seit einem halben Jahr eine Steuer auf den Aktien- und Anleihenkauf, um so Spekulanten von kurzfristigen Gewinnmitnahmen abzuhalten. Andere Länder wie Taiwan gehen noch einen Schritt weiter. Dort dürfen ausländische Anleger seit Ende des vergangenen Jahres gar nicht mehr auf dem so genannten Markt für Termingelder aktiv werden.
Anleihenmarkt besonders bedroht
Ohnehin sind es vorrangig die Handelsplätze für die so genannten Bonds, auf die sich die Währungshüter in den verschiedenen Ländern konzentrieren, Restriktionen wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zukünftig gerade bei den Staatsanleihen geben, allerdings werden auch Regeln für Unternehmensanleihen vermutlich strenger reglementiert werden. Den hohen bürokratischen Aufwand nehmen die Länder gerne in Kauf. Und auch die anderen üblicherweise durch Kontrollen beim Kapitalverkehr entstehende Probleme schrecken die die Staaten scheinbar nicht ab. Dennoch sind sich die Finanzexperten in aller Welt weitgehend einig, dass solche Maßnahmen nur kurzfristige Erfolge bringen können. Langfristig können nur ausgewogene Wirtschaftsverhältnisse den gewünschten Effekt erreichen.
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