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Die große Frage: Gibt es sie, oder gibt es sie doch nicht – Die Kreditklemme
- 06.07.2009
Vor einiger Zeit hatte er langsam begonnen, der Streit, der nun immer mehr zu toben beginnt, der Streit um das Thema Kredit. Erst waren es nur Diskussionen in Reihen der Politik, in Unternehmen und auch unter Verbrauchern. Diese Diskussionen wurden jedoch von den Banken alles andere als ernst genommen. Nun aber sieht die Lage anders aus.Seit dem vergangenen Wochenende tobt ein offener Streit in unserem Land über die momentane Vergabepraktiken der Banken im Bezug auf Kredite für Unternehmen. Sowohl Finanzminister Steinbrück als auch Wirtschaftsminister zu Guttenberg schossen in Richtung Banken. Und auch Vizekanzler Steinbrück goß Öl ins Feuer, ebenso wie der Unionsfraktionsvorsitzende Kauder. Die große Koalition, in diesen (Wahlkampf-) Tagen oft eher uneins, ist sich also einig: Die Banken müssen was tun.
Wer wirft hier eigentlich was in den Topf?
Heute schoß dann der Präsident des BVR, des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Fröhlich, zurück. Der „BILD“ sagte er: "Die Kreditvergabe geht aktuell nicht zurück, sondern nimmt trotz Rezession zu. Daher ziehen sich die Volks- und Raiffeisenbanken diesen Schuh auch nicht an. Sie stehen weiterhin zuverlässig zu ihren privaten und mittelständischen Kunden vor Ort." Die Frage ist nur: Welche Kredite meinen die Banken eigentlich damit, wenn sie die Kritik an der Art ihrer derzeitigen Kreditvergabe zurückweisen? Denken sie etwa an die Verbraucherkredite, an Ratenkredite, die Konsumenten gewährt werden und werfen diese damit mit in einen Topf, der aber nicht zusammen passt?Den Kritikern der Kreditklemme in unserem Land geht es nicht um Verbraucherkredite, diese sind aus dieser Diskussion auch außen vor zu lassen. Worum es geht sind die Vergabepraktiken an Unternehmen des Mittelstandes wie auch an das Kleingewerbe, hier geht es um Kredite für Selbstständige, für Freiberufler und für so genannte Start Up-Unternehmen. Und in dieses Horn blies denn auch heute Heinrich Haasis, der Präsident des DSGV, des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes der eben gleichen „Zeitung“ wie Herr Fröhlich vom BVR. "Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Sparkassen haben ihr Kreditneugeschäft mit Unternehmen in den ersten vier Monaten um mehr als sechs Prozent auf insgesamt 23,5 Milliarden Euro ausgeweitet" ließ Hassis verlauten. Nur sind die Sparkassen nicht die alleinigen Banken in unserem Lande, und dass hier die Kreditvergabe in den genannten Bereichen besser ist als bei den meisten anderen Banken ist nicht erst seit gestern bekannt.
Es ist noch lange kein Ende der Kreditklemme absehbar
"Wenn wir in einigen Wochen sehen, dass die Banken noch immer nicht bereit sind, ihre Aufgabe als Dienstleister der Wirtschaft zu erfüllen, dann müssen wir über weitere Schritte nachdenken." sagte Vizekanzler Steinmeier im „Tagesspiegel“ über das Thema Kreditklemme. Ob es weitere Schritte geben wird, und überhaupt kann, ist eine rechtliche Frage. Volker Kauder, seines Zeichens der Fraktionsvorsitzende der Union im Deutschen Bundestag, sagte der „Welt am Sonntag“ dazu: "Die Banken nutzen das billige Geld nicht, um die deutsche Wirtschaft zu finanzieren, sondern in erster Linie sich selbst." Und wenn man es realistisch betrachtet, ist dies wohl der Fall, leider, wie man hier wieder sagen muss. Einige der Banken scheinen immer noch nichts aus der Krise gelernt zu haben. Und die Politiker haben es schlichtweg vergessen, im Herbst letzten Jahres, beim schnellen Rausschleudern des Bankenrettungspakets auch entsprechende Bedingungen an die Hilfsgelder zu knüpfen. So liegt die Schuld auf beiden Seiten. Wer letztlich den Streit um die Kreditklemme irgendwann gewinnen wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Banken nun handeln und ob die Bundesregierung eine rechtliche Grundlage finden kann, den Geldinstituten, die ihre Kreditvergabe zur Kreditklemme verkommen ließen, das Messer an die Brust setzen kann.
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