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Der verrückte (Porsche-) Montag – Das unentschuldigte Fehlen des Herrn Piëch
- 18.05.2009
An manchen Montagen beginnt kaum etwas. Das Land ist noch recht gelassen vom Wochenende und muss erst wieder in die neue Woche kommen. An dem heutigen Montag jedoch ging es gleich richtig wild zur Sache, und das gleich an mehreren brisanten Schauplätzen. Der eine davon befindet sich in Stuttgart-Zuffenhausen, dem Stammsitz des Sportwagenherstellers Porsche. Heute stand dort eine wichtige Aufsichtsratssitzung auf dem Programm. Noch mehr Gewicht hatte diese Sitzung durch die VW-Ansage vom Wochenende, man sehe derzeit keine Atmosphäre für gemeinsame Gespräche. Alles lagen aller Autowelt Augen auf diese heutige Sitzung gerichtet – und dann wurde es gleich noch einmal ein paar Grad heißer.
Piëch bleibt fern und demonstriert damit eine Leck mich am Arsch-Haltung
Ferdinand Piëch, ein Enkel des Autobauers Ferdinand Porsche, und zugleich einer der beiden Hauptaktionäre der Porsche Automobil Holding SE mit 13,16 Prozent gehaltenen Aktien, sagte die Aufsichtsratssitzung ab - und dies ohne jegliche Begründung, wie es heißt. Natürlich könnte man jetzt vermutet, er sei kränkelnd, der gute Mann, schließlich wurde er erst vor einem guten Monat 72 Jahre alt. Nur: Dies ist nicht der Grund seines, auf gut Deutsch muss man schon sagen skandalösen, Fernbleibens von der heutigen Aufsichtsratssitzung bei Porsche. Denn der gute Herr Piëch möchte, dass Porsche mit Volkswagen fusioniert. Wie jetzt, das ist doch ein konkurrierender Autokonzern, ruft da jetzt vielleicht der eine oder andere aus. Ja, das stimmt. Nur ist Ferdinand Piëch nicht nur der Enkel des großen Porsche, sondern war zugleich von 1993 bis zum Jahre 2002 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und ist seitdem im Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers zuhause.
Der Konflikt der Interessen
Es ergibt sich hier also ein ganz klassischer Interessenskonflikt, wie er auch oft – und das aus gutem Grund – Politikern vorgeworfen wird, die nicht nur aktiv in hohen politischen Ämtern sind, sondern zugleich auch ihren Posten im Aufsichtsrat eines, meist größeren, Unternehmens der freien Wirtschaft haben. Nun wollte ja Porsche erst Volkswagen übernehmen, was aber nicht gelungen ist, trotz eines starken Aufkaufs von Aktien. Dann schlug der Wind um, und plötzlich hat die Holding SE von Porsche Automobil Schulden von inzwischen um die neun Milliarden Euro angehäuft. Volkswagen hingegen geht es vergleichbar gut und dies könnte inzwischen, im Falle einer Fusion beider Autobauer, die Rettung für den Sportwagenhersteller sein. Volkswagen hingegen wird wohl bis auf Weiteres kein Interesse mehr an Fusionsgesprächen haben. Dies haben sowohl der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Osterloh wie auch der Rückhalt als der Konzernzentrale inzwischen klar bestätigt. Für Porsche könnte dies jedoch bedeuten, dass die Luft bald sehr sehr kalt werden könnte. Laut „BILD“ wird in zwei Wochen die Verlängerung einer Kreditlinie auf dem Plan stehen, und dabei soll es sich schon um eine Milliarde Euro handeln. Wenn Volkswagen jetzt kein Interesse mehr an einer Fusion hat, was wird dann aus dem traditionsreichen Autohersteller aus Stuttgart-Zuffenhaus? Das Fernbleiben von Ferdinand Piëch bei der heutigen Aufsichtsratssitzung zeigt, wie stark der Machtkampf gerade tobt im Hause Porsche Automobil Holding SE.
Wem nützt der ganze Hahnenkampf eigentlich?
Zeitweise brachen heute daraufhin die Aktienkurse beider Unternehmen ein. Ob dieser Schaukampf also Sinn macht für einen der beiden Autohersteller? Es ist zu vermuten, dass Piëch gar keine Fusion möchte, sondern eine Übernahme von Porsche durch Volkswagen. Damit hätte er noch mehr Macht an sich gerissen – und Wendelin Wedeking, der (wohl nur noch „Noch“-) Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, wird dann ganz von seinem Thron abgeschossen werden. Keine guten Zeiten für die Autobranche in diesen Tagen. Opel bangt, bei Porsche tobt ein Kampf und was aus BMW wird, weiß auch kein Mensch mehr.
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