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                  Schwachzinsentscheidung

                  - 19.02.2009

                  Erwartungsgemäß beließ die EZB auf ihrer letzten Sitzung Anfang Februar den Leitzins für den Euro-Raum bei unveränderten 2% und stellte eine weitere Senkung für ihre nächste Sitzung im März in Aussicht. Während deutsche Unternehmen wie Schiesser, Rosenthal oder auch Märklin die Hosen runterlassen und zusehen müssen, wie ihre Firmen in Scherben liegen und aus der Bahn geworfen werden, fragen sich mittlerweile nicht nur Politiker, warum die Banken ihre billigen Kredite nicht an ihre Kunden, vor allem jedoch nicht an den Mittelstand weitergeben. Womöglich sind die Kreditinstitute ja nur Opfer optischer Täuschungen und leiden unter Veränderungs- oder Wahlblindheit. Diese Phänomene der visuellen Wahrnehmung beschreiben, dass ein Betrachter kleine und auch größere Veränderungen in einer bestimmten Szenerie einfach nicht wahrnehmen kann bzw. auch dann noch darauf beharrt, dass sich nichts verändert habe, wenn er eigentlich Zeit hatte die Veränderung zu sehen. Vielleicht leiden sie aber auch nur an bewegungsinduzierter Blindheit, können also bestimmte Informationen genau dann nicht verarbeiten, wenn sie sich selbst oder das beobachtete Objekt bewegen. Insofern ist die Talfahrt der Wirtschaft eigentlich unsichtbar, doch scheinbar dennoch nicht unwirksam. Um wenigstens etwas Wärme in Zeiten kalter Progression erfahren zu können, suchen zahlreiche Unternehmen Schutz unter dem warmen Regen staatlicher Zuwendungen. Dass sie dafür pro Forma das Steuer abgeben und ein wenig zurückrudern müssen, wenn es um die Ausschüttung der Beute unter ihren ziellosen Navigatoren geht, nehmen sie indes gerne in Kauf. Und wenn denn die heimische Pipeline sie auf dem Trockenen sitzen lässt, wenden sich die Industriekapitäne eben an ausländische Oasen, die ihre Gewinne aus der Ölförderung oder auch dem Goldraubbau in irgendeinem Cashpool reinwaschen müssen. Also schaeff(l)e(r)n deutsche Unternehmen ausländische Kohlen in ihren Verbrennungsmotor und baggern internationale Staatsfonds an. Dass man in Zeiten tröpfelnder Geldhähne nicht unbedingt wählerisch sein kann, was die Zufuhr liquidier Mittel angeht, mag man einerseits verstehen. Andererseits werden auch bei lahmender Konjunktur Gehilfen als ein Glo(t)s am Bein empfunden, wenn sie nicht aus heimischer Produktion stammen. Insofern wurde dem ganzen in Form der Novellierung des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) nun ein Anker verpasst und ein Vetorecht der Bundesregierung als ein Airbag eingebaut, welcher sich genau dann entfaltet, sobald sich ausländische Staatsfonds über Gebühr – also mit mehr als 25% - an den Schaltknüppeln deutscher Unternehmen vergreifen wollen. Dass sich jedoch kaum Kurs halten lässt und man eher untergeht, wenn aus zu vielen Richtungen Land in Sicht geschrieen wird, scheint indes vorprogrammiert. Bleibt die Hoffnung auf gute Führung, nur scheint auch diese unbegründet zu sein, hat doch auch Brio, der schwedische Hersteller von Holzeisenbahnen, Insolvenz angemeldet.


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