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Ratiopharm wird verkauft – Das Vermächtnis des Adolf Merckle
- 07.01.2009
Das Drama um die Fehlspekulation im Unternehmensimperium von Adolf Merckle, dem großen Mann der Pharmaindustrie, nahm gestern seinen Höhepunkt in dessen Selbstmord. Kurz vor der Rettung seines Unternehmens gab er auf, nicht aber, ohne wohl vorher die wichtigsten Papiere unterzeichnet zu haben.
Die Überbrückungskredite werden gewährt, aber Ratiopharm muss verkauft werden
Die Gläubigerbanken der Unternehmensgruppe Merckle, gleich 30 an der Zahl gewähren den so dringend benötigten Überbrückungskredit. Jedoch nur unter einer Bedingung: Dem Verkauf des Pharmaunternehmens Ratiopharm. "Um die Finanzierungssituation der Gruppe nachhaltig neu zu strukturieren, sind die Familie Merckle und die Banken übereingekommen, den Generikahersteller Ratiopharm zu veräußern." gab die VEM Vermögensverwaltung heute bekannt. Die VEM Vermögensverwaltung gehört zu einem der drei Unternehmen der Merckle-Gruppe, die in Zukunft nur noch aus dem Unternehmen Merckle und der VEM Vermögensverwaltung bestehen wird.
Die Neustrukturierung kommt - aber nur gezwungenermaßen
Bis zu eine Milliarde Euro soll Adolf Merckle bei Fehlspekulationen im Finanzbereich verloren haben. Ob seine Unternehmensgruppe überhaupt Bestand haben wird, war in Frage gestellt. Nun sind wenigstens zwei der drei Teile gerettet. Merckle hatte auf VW-Aktien gesetzt und im Zuge des dramatischen Wertanstiegs der Aktie einen großen Verlust gemacht. Er hatte wohl auf ein Sinken des Kurses gesetzt, alles kam jedoch anders, als von ihm angedacht war. Nun muss Ratiopharm verkauft werden, aber das Merckle-Imperium wird so vor einer möglichen Insolvenz und der Entlassung von 100.000 Mitarbeitern verschont bleiben. In einer Pressemitteilung ließ Ludwig Merckle, der Sohn von Adolf Merckle und nach dessen Tod der Geschäftsführer der VEM Vermögensverwaltung (gemeinsam mit Susanne Frieß, der der Finanzchefin von Ratiopharm) seine Zuversicht verlautbaren. "Wir sind sehr froh, eine Lösung gefunden zu haben. Bei Ratiopharm wie bei den weiteren Beteiligungsunternehmen der VEM ist das operative Geschäft grundsätzlich gesund." heißt es darin.
Adolf Merckle, das erste prominente Opfer einer großen Krise
Die Finanzkrise hat weltweit unzählige Menschen in den Ruin getrieben. Merckle kann indirekt als das erste (prominente) Todesopfer dieser Krise angesehen werden. Auch wenn er das Geld nicht durch wertlos gewordene Subprimes oder durch Zertifikate verloren hat, so ist er doch mitten im dem Rausch gefallen, der die Finanzwirtschaft seit mehr als einem Jahr kräftig durcheinander gewirbelt hat und weiter für einen Sturm nach dem anderen sorgt. Es ist zu vermuten, dass Merckle sein eigenes Lebenswerk am Ende sah und dies nicht mehr verkraftet hat. Ob sein Selbstmord die Verhandlungen mit den Gläubigerbanken nun beschleunigt hat, kann niemand sagen, aber es ist leise zu vermuten.
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