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Wertpapiere ohne Wert – Der große Bluff mit den Lehman-Zertifikaten
- 12.12.2008
Wertpapiere ohne Wert – Der große Bluff mit den Lehman-Zertifikaten. Nein, strafrechtlich stellt die Sache mit den inzwischen wertlos gewordenen Zertifikaten der US-Investmentbank Lehman Brothers wohl keinen Strafbestand dar. Dennoch kann aus dem Rechtsempfinden einer Gesellschaft mit Werten heraus durchaus gesagt werden, dass der ganze Verkauf von Lehman-Zertifikaten sicher eine sehr dubiose Sache war, die nur auf das Geld der Anleger abgezielt hat, nicht aber auf ihre Sicherheit. Insgesamt soll es in Deutschland um die 40.000 Opfer der inzwischen insolvent gegangenen Bank und ihrer damit auch wertlosen Wertpapiere geben. Allein in Hamburg sollen es rund 10.000 Anleger sein, die so um ihr Geld gebracht wurden. Erschreckend dabei ist, dass 94 Prozent der Zeichner der Zertifikate gar nicht wussten, was Zertifikate wirklich sind. Auch dass hauptsächlich Personen über 60 Jahren von ihren Banken regelrecht belagert worden waren, um ihr Geld so anzulegen, ist eine erschreckende Tatsache. Auf diese Zahlen kam die Verbraucherzentrale Hamburg bei einer Umfrage unter 400 Betroffenen der Lehman-Pleite.
Sind Banker doch allesamt nur Verbrecher?
Über die Hälfte der Anleger war auf Initiative der Bank per Telefonanruf zum Zeichnen der Lehman-Zertifikate überredet worden. Der älteste Betroffene ist übrigens 90 Jahre alt, was ein Beispiel dafür ist, wie sehr risikoreich und vor allem auch sorglos die Banker hier mit der Altersvorsorge ihrer Kunden umgegangen sind. Dass Banker Treuhänder des Geldes anderer Menschen sind, wurde längst durch das Gegenteil bewiesen. Wie hier aber gehandelt wurde, ist gegen sämtliche Wertvorstellungen unserer Gesellschaft einfach nur Betrug an anderen Menschen. "Ich dachte immer, sie wären Treuhänder des Kapitals anderer Leute, dass es bei ihnen in guten Händen ist.“ sagte der Kölner Kardinal Meisner bei einem Interview mit ksta.tv, dem Internetfernsehen des "Kölner Stadt-Anzeigers". Und zeigt damit auf, wie wenig gut die Hände waren, in denen das Geld der deutschen Lehman-Anleger war. Natürlich kann man nun nicht alle Banker ganz beliebig in diesen einen Topf werfen, aber die Strategien, die gerade ältere Anleger zu den Opfern der Lehman-Insolvenz gemacht haben, wurden nicht nur von einem Banker oder nur von einer Bank gefahren und umgesetzt.
Kommt es nächstes Jahr zu einer Prozesswelle gegen Banken?
Schon zu Beginn des nächsten Jahres sollen die ersten Prozesse gegen die Banken beginnen, die ihren Kunden die inzwischen wertlosen Zertifikate von Lehman Brothers angedreht haben. „Geschädigte haben Anspruch auf Entschädigung" sagt Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg dazu. Gerade durch die zu einem Viertel aus Hamburg stammenden Betroffenen der verlorenen Geldanlage via Lehman-Zertifikate hat die dortige Verbraucherzentrale derzeit alle Hände voll zu tun. "BILD" hat übrigens inzwischen die Banken befragt, welche ihren Kunden die Zertifikate zum Teil regelrecht angedreht haben. Doch lediglich die Citibank nahm bisher dazu Stellung: „Bei den von der Verbraucherzentrale Hamburg ausgewerteten knapp 400 Fällen handelt es sich nur zu einem geringen Teil (13 Prozent) um Citibank-Kunden. Zudem erhält jeder Kunde beim Kauf alle Informationen über die Chancen, die ein Papier bietet, aber ebenso ausführliche Hinweise auf die Risiken, die mit einem Investment verbunden sind.“ Verkauft wurden die meisten der nun durch die Insolvenz der US-Investmentbank wertlos gewordenen Zertifikate übrigens um das Ende des Jahres 2006. Ob da noch einige Banker ihre persönliche Verkaufsbilanz aufpolieren wollten – oder kam die Anweisung zu den gezielten Verkäufen, auch per Telefonanruf auf Initiative der Bank, gar von ganz oben? Vielleicht werden die Gerichte ja ab Anfang des nächsten Jahres ja mehr Details herausfinden. Sicher ist, dass eine ganze Branche nun endgültig im Dreck der Verlogenheit versinkt, nachdem sie durch die Kreditkrise sowieso schon unter das Kreuzfeuer der Kritik geraten war.
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