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                  Drei – Zwei - Keynes

                  - 10.12.2008

                  John Maynard Keynes Theorie des antizyklischen Handelns basiert im Prinzip auf der Idee, Geld gerade dann auszugeben, wenn es eigentlich nicht da ist. Dass solche Leer-Verkäufe mitunter für die heutige globale Finanzmisere verantwortlich sind, mag die einen in ihrer Meinung bestätigen, dass Steuergeschenke unter kahlen Weihnachtsbäumen sowieso kaum zur (Ab)Geltung kommen, gerade wenn sie lieb- und schmucklos verpackt und quasi kalten Fingern entrissen wurden.Starre scheint sich allenthalben auszubreiten und selbst billiges Öl vermag die eisige Stimmung nicht aufzutauen. Finanz-Pisa, wohin man schaut- und doch bleibt keiner sitzen und geht in Revision mit sich selbst. Wenn es denn jemand tut und dieser jemand eine Frau ist, wird dem Winter der Frühling, dem Dezember der Merz vorgezogen und auch in den verschneitesten Tälern jenseits der Sieben Berge und Seen, Hoffe(r)n die Bedürftigen auf Erleichterung und vorweihnachtliche Steuers(ch)enkungen. Diese möchten die gerade zur Weihnachtszeit noch christlicheren Sozialen ihren abtrünnigen freien Wählern geschickt verpackt und Karnevalsumzug gleich aus fahrenden Wagen zuwerfen können.Anhalten scheint zuweilen weniger Treibstoff zu verbrauchen als Flucht und wenn schon weg, dann bitte auch in einem jener Mobile, die sich sowieso nicht mehr verkaufen lassen. An verschiedenen klassischen und bereits überholten Konstrukten wird indes festgehalten. So scheint der Glaube an eine Vollbeschäftigung als Pannenhilfe für eine lahmende Wirtschaft ebenso eingefahren, wie die Abneigung gegen Lohnerhöhungen in Zeiten sinkender Einnahmen zur Sackgasse zu werden droht. Denn Lohnerhöhungen haben zuweilen den Absprung bei voller Fahrt zufolge, wie der Austritt Infineons aus dem Bayrischen Arbeitgeberverband nach gestaffelten 4,2% mehr Lohn für die Metaller zeigte.Ob ein staatlicher Fahrtkostenzuschuss in Form eines Konsumgutscheines die mit großen Lettern skizzierte Rezession stoppen oder nur zum nächsten think tank schleppen kann, bleibt abzuwarten. In der Ruhe liegt ja schließlich die Kraft der Verzweiflung und hektische Betriebsamkeit mündet meist im Kreisverkehr und damit im Strudel, wenn jeder vehement in eine andere Richtung paddelt, um den alles verschlingenden Endzeitpropheten etwas an Bewegung entgegen zu setzen.Keynes und viele seiner (nicht immer legitimen) Nachfolger postulierten auch, dass der Staat gerne kurzfristig Schulden aufnehmen solle, um langfristige Probleme zu beheben - quasi den Lohn der Mechaniker zu zahlen, welche die Einspritzpumpe überprüfen und gegebenenfalls erneuern sollen. Deficit spending nenne sie diese Art staatlicher Kreditaufnahme bei sowieso schon leeren Kassen. Außerdem seien in Zeiten finanzieller Krisen eher Lohnerhöhungen als zurückhaltende Lohnanpassungen gefragt, um die Nachfrage anzukurbeln und eine Tendenz zu Außenhandelsüberschüssen zu vermeiden.Sieht eine Volkswirtschaft nämlich, dass sich im Inland nichts mehr verdienen lässt, verlagert sie ihre Interessen in Richtung Export. Im Prinzip wären dadurch eine ganze Nation und nicht nur noch einzelne Industriezweige zu Outsourcing und Standplatzverlagerung verdammt und gezwungen. Andererseits wäre es doch schön, Arbeitslosigkeit und Staatsschulden wie eine Produktionsstätte in Billiglohnländer transportieren zu können. Jenseits der eigenen Grenzen sind Erwerbslosigkeit und Haushaltsdefizite schließlich nur noch die Hälfte wert und je weiter sie Richtung Datumsgrenze ziehen, je schneller verjähren sie auch.


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