Verbraucherschützer halten viele Kombiprodukte für fragwürdig
Von Matthias Nemack
Viele Verbraucher wissen seit den mitunter erheblichen Ausfällen im Zuge der Finanzkrise nicht mehr, woran sie bei den verschiedenen Geldanlagen auf dem Markt eigentlich sind.
Doch Alternativen sind gefragt. Modelle wie Tagesgeldkonto oder die Variante von Anlagen mit kurz- bis langfristiger Festverzinsung über Monate hinweg, sind immer weniger lukrativ. Viele potentielle Anleger berichteten zuletzt darüber, dass ihnen von Seiten der Institute die so genannten Kombiprodukte empfohlen wurden.
Mit diesen Modellen sollen Kunden bedient werden, die zwar hohe Sicherheitsanforderungen an ihre erbrachten Einlagen stellen, dennoch aber nicht auf ordentliche Rendite verzichten möchten. Und genau hier sollen die kombinierten Anlageprodukte Abhilfe schaffen, weil sie sich einerseits aus einem typischen Bankenprodukt wie dem besagten Tagesgeldkonto und einem Versicherungsprodukt wie etwa Anteilen an einem Investmentfonds zusammensetzen.
Berechnete Gebühren lassen Rendite schwinden
Die Verbraucherzentralen kommen diesbezüglich einmal mehr ihrer Warnfunktion nach, indem sie Anleger auf die mitunter hohen Kosten bei diesen Produkten hinweisen. Denn während das Bankenprodukt tatsächlich meist kostenloser Bestandteil des Angebotes ist, entstehen den Anlegern durch die andere – die vermeintlich rentable – Hälfte des Modells schnell erhebliche Kosten. Ausgabeaufschläge, Abschlussgebühren oder (wie im Falle von Produkten zur Altersvorsorge) zusätzliche Kosten für die nötige Beratungsarbeit durch den Mitarbeiter des Unternehmens … Zusammengerechnet können diese Kosten unterm Strich die versprochene Rendite sogar überschreiten!
Der zweite Ratschlag der Verbraucherzentralen Rheinland-Pfalz bezieht sich auf das Risiko beim Einstieg im Bereich der Kombiprodukte allgemein. Selbst wenn ein Tagesgeldkonto mit zum Angebot gehört, muss man wissen, dass Investmentfonds und ähnliche Produkte mit einem erheblichen Risiko verbunden sind. Auch ein Totalverlust ist nicht generell auszuschließen, je nach Investitionsansatz. Klar sollte sein, dass der Wunsch nach höherer Rendite stets mit einem höheren Verlustrisiko verbunden ist. Hierbei handelt es sich um nichts anderes als ein festes Gesetz des Finanzmarktes.
Broschüre der Verbraucherzentralen erklärt Geldanlagen
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat im November 2009 einen unabhängigen Ratgeber für Sparer und Anleger veröffentlicht. Der Ratgeber heißt „Geldanlage ganz konkret“ und kann in den Anlaufstellen der Verbraucherzentralen oder per Post/Internet bestellt werden. Er kostet 12,40 € inklusive Versandgebühren. Er beantwortet auf knapp 250 Seiten leicht verständlich zentrale Fragen zu den verschiedenen Geldanlagen, alle gängigen Spar- und Geldanlageformen werden ausführlich erläutert.
Es ist ein Standardwerk für alle, die ihre Erträge nicht der Bank schenken wollen und wissen möchten, was genau hinter den Produkten steht, die Bank- oder Versicherungsberater anbieten. Neben Fachbegriffen erläutert der Ratgeber auch Strategien für die richtige Investition vorhandener Gelder, die sich an der individuellen Risikobereitschaft der Anleger orientiert und nicht daran, wie viel Provision ein Berater für die Unterschrift der Kunden erhält. Denn genau dies ist – so kritisieren die Verbraucherschützer zu Recht immer wieder – allzu häufig der Grund für die Empfehlung eines bestimmten risikobehafteten Produktes, obwohl die Kunden ausdrücklich Wert auf größtmögliche Sicherheit gelegt haben.
