Grauer Kapitalmarkt - Weniger ist mehr
Von Franz von den Driesch
Dubiose Finanzberater locken ahnungslose Sparer immer wieder in die Anlagefalle. Bundesweit verlieren Schätzungen der Stiftung Warentest zufolge Anleger jährlich 30 Milliarden Euro am "Grauen Kapitalmarkt".
Seit Jahren wird auf die Risiken der undurchsichtigen Geschäfte auf dem "Grauen Kapitalmarkt" hingewiesen. Dennoch fallen nach wie vor zahlreiche gutgläubige Anleger auf die zum Teil dubiosen Geschäftspraktiken herein. Die Möglichkeit einen hohen Gewinn einzufahren, schaltet bei vielen Sparern den gesunden Menschenverstand scheinbar aus. Grundsätzlich gilt: Wird ein überdurchschnittlich hoher Gewinn versprochen, sollten bei Anlegern die Alarmglocken läuten. Grund: "Je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko", warnt Thomas Biehler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.
Eine einheitliche Definition des "Grauen Kapitalmarkts" existiert nicht. Fakt ist jedoch, dass es sich dabei um einen nicht regulierten Kapitalmarkt handelt, auf dem sich Investoren aller Art bemühen, Geld aufzutreiben, das dann in häufig nicht einmal näher beschriebene Projekte investiert wird. Die Anlageprodukte reichen dabei von Unternehmensbeteiligungen wie atypisch stille Beteiligungen und Fonds über Genossenschaftsanteile und Anleihen bis hin zu so genannten Schrottimmobilien.
Problematisch ist vor allem, dass diese Anlagevehikel nicht an der Börse gehandelt werden. Vor dem Laufzeitende haben Anleger somit keine Möglichkeit, ihr Investment wieder loszuwerden – außer, sie finden selber einen Käufer. Informationen über die Finanzkraft des jeweiligen Anbieters suchen Sparer ebenfalls vergebens. Keines der Unternehmen am "Grauen Kapitalmarkt" wird von einem der großen Ratingagenturen (S&P, Moody´s und Fitch) bewertet.
Anleger sollten vor Vertragsabschluss einige Regeln befolgen:
- Das Anlageprospekt sollte stets genauestens unter die Lupe genommen werden. Wichtig: Darin muss auch auf die Risiken der Geldanlage hingewiesen werden.
- Werden Finanzprodukte am Telefon beworben, gibt es nur eine Empfehlung: Das Gespräch umgehend beenden. Bei solchen Geschäften droht fast immer ein Verlust.
- Hohe Renditeversprechen sollten Anleger mit Vorsicht genießen. Denn: Je höher der versprochene Ertrag, desto gefährlicher das Produkt.
- Häufig werden zu Beginn nur kleine Summen verlangt. In der Regel läuft das Geschäft dann auch reibungslos über die Bühne – das schafft Vertrauen. Doch Vorsicht: Die zweite Kontaktaufnahme lässt zumeist nicht lange auf sich warten. Dann jedoch werden höhere Geldbeträge vom Anleger benötigt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Mal nicht alles glatt läuft, ist groß.
Dass dringend Regulierungsmaßnahmen eingeführt werden müssen, steht außer Frage – und ist unter Experten unumstritten. Zu diesem Ergebnis kommt auch die jüngste Sachverständigen-Anhörung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages. Unklar ist hingegen, wie den dubiosen Anbietern das Handwerk gelegt werden soll. So fordert etwa der Fondsexperte und Sachverständige Stefan Loipfinger, dass "der bisher nicht von der BaFin beaufsichtigte Graue Kapitalmarkt deren Aufsicht unterstellt werden sollte". Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sehe sich jedoch aufgrund der personellen und rechtlichen Bedingungen derzeit nicht in der Lage, die Produkte des "Grauen Kapitalmarktes" inhaltlich zu prüfen.
Obwohl zwischen Verbraucherschützer, Branchen-Verbänden und Anlegerschutzanwälten unterschiedliche Lösungsansätze favorisiert werden, um die Probleme am "Grauen Kapitalmarkt" in den Griff zu bekommen, steht für Peter Mattil fest, dass schon bald Regulierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden: "Welche Maßnahmen letztendlich ergriffen – und wann diese umgesetzt – werden, steht derzeit noch in den Sternen", sagt der Sachverständige und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Mattil. Wahrscheinlich sei jedoch, dass bereits 2010 das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet werde. Bis dahin sollten sich Anleger vom "Grauen Kapitalmarkt" fernhalten – auch wenn die häufig hohen Renditeversprechen noch so verlockend sind.
Lesen Sie auch: Die Methoden des grauen Kapitalmarktes im Finanzsektor
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