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Studienkredit: Alternativ finanzieren, besser studieren
Von Daniel Grosse
Meist finanzieren die Eltern das Hochschulstudium ihrer Kinder, übernehmen zumindest den größten Teil der privaten Kosten. Viele Studierende jobben neben dem Studium, was die Studiendauer verlängert. Anderen ist aus finanziellen Gründen das Studium ganz verwehrt. Eine Schieflage.
Trotzdem können Sie sich ein Studium leisten, wenn Sie den richtigen, den optimalen auf Sie abgestimmten Mix aus Finanzierungsmöglichkeiten finden.

© Franz Pfluegl / fotolia.com
Bekannt sind Jobben, Stipendien, BAföG - und natürlich das Geld von den Eltern. Als weitere Geldquellen hinzugekommen sind Studiendarlehen, Studienkredite und Bildungsfonds. Und gerade auf diese drei scheint sich die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgewirkt zu haben. Grund genug, dass Sie die Anbieter solcher Produkte noch sorgfältiger auswählen sollten.
Die negativen Entwicklungen auf den Finanzmärkten haben bei einigen Studienkredit-Angeboten zu deutlich gesunkenen Zinssätzen geführt. Zu diesem Ergebnis kam schon der CHE-Studienkredit-Test 2009.
Die CHE Consult ist eine Ausgründung aus dem CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung und verglich in dem Test 33 Studiendarlehen und bewertete sie aus Kundensicht. Insbesondere das Angebot der KfW, die Studienbeitragsdarlehen der Länder und die Kreditmodelle einiger regionale Anbieter waren im Test von den Kosten her deutlich attraktiver als noch im Vorjahr.
Jedoch kann auch der noch so seriöseste Test Ihnen bei der Wahl der richtigen Studienfinanzierung, geschweige denn eines Studienkredits, die Entscheidung abnehmen, welcher Weg der richtige ist oder ob ein Kredit überhaupt ratsam ist.
"Es gibt nicht 'den' richtigen Kredit; jeder Interessent muss 'seinen' Kredit finden", so die CHE-Autoren.
Drei Typen zur Finanzierung
Vielmehr lassen sich laut CHE drei Typen unterscheiden. Da wären als erster Typ die Angebote zur allgemeinen Studienfinanzierung: Sie zielen auf Lebenshaltungskosten und eventuell anfallende Studiengebühren ab.
Den zweiten Typ der Kredite, den die CHE-Studienkredit-Test-Autoren ausgemacht haben, bilden Studienabschlusskredite des Bundesverwaltungsamtes und der Studentenwerke. Sie sollen dazu dienen, kurz vor dem Abschluss stehenden Studierenden für eine begrenzte Zeit finanzielle Unterstützung zu gewähren.
Der dritte Kredittyp: Darlehen für Studiengebühren. Sie werden je nach Bundesland durch die Förderbanken der Länder oder die KfW ausgereicht.
KfW will Lebenshaltungskosten sichern
Den KfW-Studienkredit hatte die KfW Bankengruppe bereits 2006 als bundesweites Angebot eingeführt. Er soll hauptsächlich dazu dienen, die Lebenshaltungskosten während eines Hochschulstudiums zu finanzieren. Jüngst zeigten sich folgende Hauptergebnisse, die auch durchaus für jene Studierende interessant sein sollten, die auf andere Produkte als das der KfW zurückgreifen: Der KfW-Studienkredit ermöglicht vielen Nutzern erst die Aufnahme eines Studiums; der Kredit erreicht angestrebte Zielgruppen in niedrigen und mittleren sozialen Herkunftsgruppen; er gibt Planungssicherheit für das Studium und sichert den Lebensunterhalt; Kreditnehmer müssen weniger neben dem Studium arbeiten; KfW-Studierende beziehen deutlich geringere Beträge von ihren Eltern und 86 Prozent der KfW-Studienkreditnehmer könnten ohne den KfW-Studienkredit nicht studieren.
Den Ergebnissen zugrunde liegt eine Befragung der Kreditnehmer im KfW-Studienkredit, die die KfW Bankengruppe jüngst vorgestellt hat. Die Studie wurde zusammen mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt. Befragt worden waren dafür knapp 4.500 Studierende im Wintersemester 2010/2011. Laut der Studie ist der typische KfW-Studienkreditnehmer 25 Jahre alt, verfügt monatlich über rund 976 Euro und studiert Fächer wie BWL, Jura oder Technik- und Ingenieurwissenschaften.
Wer sich von den Befragten gegen ein Studium entschied, tat das meist aus finanziellen Gründen. So hätten rund dreiviertel der Studienberechtigten, die keine Studienabsicht haben, gemeint, dass ihnen die finanziellen Voraussetzungen für ein Studium fehlten. Rund 70 Prozent, so die Studienautoren, gaben an, für ein Studium keine Schulden machen zu wollen.
Australisches Modell
Nun kommt eine weitere Alternative der Studienfinanzierung ins Spiel: das australische Modell. Dahinter steht der Gedanke, dass Studiengebühren durchaus sinnvoll sein können, jedoch wahlweise auch über spezielle Kredite finanziert werden sollten. Die Rückzahlung soll sich dann am späteren Einkommen orientieren. Solche Studienkredite nach australischem Vorbild könnten auch in Deutschland zum Einsatz kommen. Zu diesem Ergebnis kamen jüngst die Autoren einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Australian National University. Danach reduziere ein so genannter „income contingent loan“ (ICL) die von den Absolventen wahrgenommene finanzielle Belastung deutlich.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Studienkrediten orientiere sich beim ICL der monatliche Rückzahlungsbetrag am jeweiligen späteren Einkommen. Zudem dürfe er einen festgelegten Einkommensanteil nicht überschreiten. Das soll Absolventen davor schützen, dass sie finanziell übermäßig belastet werden. Und es soll verhindern, dass Kreditnehmer später ihren Kredit im Extremfall gar nicht mehr zurückzahlen können.
Entscheidung in vier Schritten
Bleibt die Qual der Wahl. Wie sollen Sie als Interessent, der sich einfach nur sein Studium finanzieren möchte, bei dem großen Angebot eigentlich durchblicken? Die Autoren des CHE-Studienkredit-Tests empfehlen vier Schritte zur Entscheidungsfindung:
Kalkulieren Sie den wirklichen Bedarf. Beantworten Sie sich Fragen wie: Entstehen Ihnen eher Kosten für die Studiengebühren oder soll der Kredit eher Lebenshaltungskosten abdecken? Welche erwartbaren Einnahmen haben Sie, welche Ausgaben? Haben Sie alle anderen Möglichkeiten der Finanzierung ausgeschöpft – Jobben, Stipendien, BAföG, Eltern? Wie lange benötigen Sie den Studienkredit? Welchen Lebensstandard möchten Sie später halten? Danach bemisst sich, wie viel Sie überhaupt zurückzuzahlen bereit oder imstande sind.
Studierendentyp ermitteln
Klären Sie in einem zweiten Schritt Ihre Anforderungen. Welcher Studierendentyp sind Sie? Weitere Fragen: Welche Zukunftspläne haben Sie? Planen Sie längere Auslandsaufenthalte oder werden Sie eventuell die Hochschule wechseln? Die Antworten darauf sind wichtig, denn der Kreditgeber könnte gerade das ausschließen.
In einem dritten Schritt vergleichen Sie die Angebote. Finden Sie heraus, welche den individuellen Anforderungen genügen. Prüfen Sie die Konditionen der Anbieter. Gibt es k.o.-Kriterien wie etwa Altersgrenzen oder weitere Hürden?
Im letzten Schritt kontaktieren Sie die Anbieter. Lassen Sie sich von den Übriggebliebenen ein konkretes, verbindliches Angebot erstellen. Weitere Details klären Sie im Beratungsgespräch.
Praxis-Tipp
Gerade kleinere Banken reagieren flexibel auf Kundenbedürfnisse. Vielleicht sind flexible Lösungen möglich - zum Beispiel Zinssenkung durch Elternbürgschaften oder Hypotheken, oder der Anbieter gewährt eine Zinsobergrenze. Dann gilt es, die verschiedenen Angebote zu vergleichen und keinesfalls sofort zu unterschreiben.
Wertvolle Helfer bei der Entscheidung sind auch Studierende, die schon Erfahrungen mit Krediten haben, Eltern sowie die Finanzierungsberatung des örtlichen Studentenwerks oder der Studierendenvertretung.
Weiterführender Link: http://www.che.de/downloads/CHE_AP145_Studienkredit_Test_2011.pdf
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