Dispokredit - Der Kredit über das Girokonto ist flexibel, aber sehr teuer
Von Diana Rothermel
Eine größere Autoreparatur oder die kaputte Waschmaschine können schnell zu einem Liquiditätsengpass und zu einer Überziehung des Girokontos führen. Für solche kurzfristigen Notfälle gibt es den Dispositionskredit, auch kurz Dispo genannt.
Banken räumen einen Dispokredit für das Girokonto in der Regel bei regelmäßigen Gehaltseingängen ein. Dies geschieht häufig automatisch. Einen separaten Kreditvertrag dazu gibt es nicht. Daher kann das Kreditinstitut den Dispo auch jederzeit wieder streichen.
Die Höhe des Dispokredits beläuft sich in der Regel auf das zwei- bis dreifache des monatlichen Nettogehalts. Auf dem Girokontoauszug ist meist der eingerichtete Dispo vermerkt. Auch der Zinssatz für diesen sollte auf dem Auszug ersichtlich sein.
Flexibilität wird teuer bezahlt
Eine Berechnung von Dispozinsen erfolgt nur für den Betrag, der auch in Anspruch genommen wurde. Sobald der Sollsaldo nach einem Geldeingang geringer ist, wird auch nur für diesen geringeren Betrag der Zins berechnet. Der Kredit ist somit sehr flexibel. Auch die Rückzahlung erfolgt ohne konkrete Vereinbarung. Zu bedenken ist jedoch: der Dispokredit ist der teuerste Kredit überhaupt!
Im Durchschnitt liegen die Zinsen bei 12,4 Prozent (Stand Oktober 2011, laut einer Umfrage der Stiftung Warentest). Ist das Girokonto beispielsweise für drei Monate mit 1.000 Euro im Dispo überzogen, sind bei 12,4 Prozent 31 Euro zu zahlen. Für sechs Monate belaufen sich die Zinsen schon auf 62 Euro. Bei 5.000 Euro werden bei 12,4 Prozent für ein Vierteljahr schon 155 Euro bzw. für ein halbes 310 Euro berechnet. Die Zinsbelastung erfolgt mit dem Rechnungsabschluss des Girokontos, monatlich oder quartalsweise.
Vorsicht: Die einfache Nutzung des Dispo verleitet leicht zu Ausgaben, für die die nötige Liquidität nicht vorhanden ist. Manche Girokontoinhaber verlieren da leicht den Überblick. Dies kann der Beginn einer Schuldenspirale sein.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie Ihren Dispo nur selten und wenn es wirklich gar nicht anders geht
Müssen Sie Ihren Dispokredit immer wieder mal in Anspruch nehmen, kann es sich lohnen, das Girokonto zu einer Bank zu verlegen, bei der die Zinsen im Vergleich "günstig" sind. Denn die Spanne der Dispozinsen ist groß. Sie reicht von 6 bis etwa 16 Prozent. Einen Vergleich für Girokonten finden Sie unter: www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/girokonto.php
Manche Kreditinstitute bieten auch einen Abrufkredit an. Dieser ist genauso flexibel wie ein Dispo, jedoch günstiger. Nähere Informationen dazu:
www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/kredite/abrufkredit.php
Geduldete Überziehung noch teurer als Dispo
Die Bank kann dulden, dass das Girokonto auch über den eingeräumten Dispo hinaus überzogen wird. Sie muss dies aber nicht. Für eine geduldete Überziehung ist nochmals ein erhöhter Zinssatz zu zahlen. Dieser Überziehungszins ist meist nochmals 3 bis 7 Prozent höher als die ohnehin schon hohen Dispozinsen. Dieser hohe Zins ist auch zu zahlen, wenn auf dem Konto kein Dispo eingeräumt wurde und das Konto überzogen wird.
Praxis-Tipp
Wenn Sie bei Ihrem Girokonto den Dispo oder sogar eine geduldete Überziehung schon länger durchgehend in Anspruch nehmen, sollten Sie über eine Umschuldung mit einem Ratenkredit nachdenken. Der Vorteil liegt in einem niedrigeren Zins und einer kontrollierten Rückführung.
Nähere Ausführungen zu Ratenkredit-Konditionen:
www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/kredite/kreditrechner.php

2011-07-28, 11:32
chippiman
2011-10-07, 15:57
Arbeitsgemeinschaft Finanzen
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